Nichts als die Wahrheit

23. April 2010

Konkordate, ein Skandal

Filed under: Demokratie, Piratenpartei, Religion — Argeleb @ 08:25

Es ist bedauerlich, dass es erst zu solch schweren Missbrauchsfällen in den Kirchen kommen musste, dass wir uns heute über das Verhältnis von Staat und Kirche öffentlich Gedanken machen.  Der Fall des Bischof Mixa führt allen Interssierten vor Augen, was da in unserem Land abgeht.

In den verschiedenen Kirchenstaatsverträgen wird geregelt, welche Privilegien die katholische Kirche in Deutschland genießt. Auf der Seite „Spart euch die Kirche“ wird sehr schön aufgeschlüsselt, wie viel Geld der Staat jährlich für die Kirchen ausgibt. Zu diesen  Zahlen müssen dann noch die Einnahmen aus der Kirchensteuer hinzugerechnet werden.

Wer also glaubt, durch einen Kirchenaustritt die Machenschaften der Kirchen nicht weiter mit zu finanzieren, der irrt gewaltig, denn er zahlt mit seinen Steuergeldern weiterhin die Gehälter der Bischöfe oder die Instandsetzung des Klosters Andechs.

Diese Zuwendungen erhalten die Kirchen aufgrund der Verträge, die Deutschland mit den Kirchen abgeschlossen hat: Die Konkordate.

Fragt man heute verantwortliche Politiker nach diesen Verträgen, dann bekommt man als Rechtfertigung zu hören, dass diese Zahlungen aufgrund von Enteignungen der Kirche im 19. Jahrhundert geleistet werden.

Wie bitte?

Nochmal: Weil die Kirchen enteignet wurden, zahlt der Staat die Bischofsgehälter!

Wie sind denn die Kirchen damals an dieses Eigentum gelangt, das ihnen wieder genommen wurde? Die haben sich das doch größtenteils ergaunert, mit Ablasshandel oder weil sie den Bauern „den Zehnten abgepresst“ haben, und was weiß ich noch nicht alles.

Und das Beste an diesen Verträgen: Sie können nur im gegenseitigen Einvernehmen gekündigt werden! Hallo!? Und solche Knebelverträge sind auch noch völkerrechtlich bindend. Wenn das mal nicht ein himmelschreiender Skandal ist.

Ich würde der Bundesrepublik empfehlen, diese Konkordate einseitig aufzukündigen und nicht weiter zu bedienen.

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20. April 2010

Kirchenaustritt, nein, Übertritt in die Menschheit

Filed under: Humanismus, Religion — Argeleb @ 08:43

Die Kirchen, die katholische sowieso, erheben gerne den Anspruch, die alleinigen sinnstiftenden und moralischen Instanzen zu sein. Aus diesem Grund werden bereits kleinste Kinder von ihren „gläubigen“ Eltern zwangschristianisiert.

Viele dieser Christenkinder bleiben dann in ihrer jeweiligen Sekte (Katholiken, Protestanten, Orthodoxe usw.) und zahlen Zeit ihres Lebens brav ihre Mitgliedsbeiträge, die von einem willfährigem Staat für die Kirchen eingezogen werden.

Unterhält man sich einmal ernsthaft mit diesen Mitgliedern, dann stellt sich heraus, dass die meisten gar nicht glauben, was ihre Sekte ihnen so alles als Wahrheit verkaufen möchte. Das beginnt vor allem mit der verkorksten Sexualmoral der christlichen Kirchen, endet erstaunlicherweise aber dort nicht einmal. Es geht oftmals soweit, dass diese vermeintlichen Christen selbst die elementarste Wahrheit eines transzendentalen Gottes ablehnen. Folgende Ideen sind dabei sehr verbreitet:

  • Gott ist alles was mich umgibt
    Diese Christen würde man am ehesten als Pantheisten bezeichnen.  Die katholische Kirche hat den Pantheismus lange Zeit mit dem Atheismus gleichgesetzt. Das übersehen diese Pseudo-Christen dann ganz gerne.
  • Gott hat die Welt erschaffen, aber er beeinflusst mein Leben nicht mehr
    Erstaunliche Worte aus dem Mund eines Christen, denn das ist purer Deismus

Fragt man diese Pseudo-Christen, warum sie dann nicht aus der Kirche austreten, hört man gerne folgende Argumente:

  • Die Kirche tut viel Gutes
    Heute mag man den Eindruck gewinnen, dass die Kirchen viel Gutes tun (Krankenhäuser, Entwicklungshilfe, Kindergärten), aber das stimmt gar nicht. Zunächst einmal tun sie das zum größten Teil mit mit dem Geld, das sie vom Staat bekommen, also tut eigentlich der Staat das Gute, nicht die Kirche. Und das was man Entwicklungshilfe nennt, ist eigentlich Missionierung.
    Die Waage des Guten und Bösen hängt beim Christentum aber leider immer noch sehr stark auf der Seite des Bösen. Das Christentum ist bekannt für seinen grausamen Menschenhass, den sie im Laufe ihrer Geschichte immer wieder unter Beweis gestellt hat.
  • Ich möchte Mitglied meiner Gemeinde bleiben
    Man muss nicht um ein goldenes Kalb tanzen, um ein Gemeinschaftsgefühl zu erzeugen. Es gibt genügend Organisationen, in denen man sich sozialisieren kann.
  • Was ist, wenn das ganze doch stimmt, und am Ende (jüngstes Gericht) wird abgerechnet?
    Wenn dem so wäre, dann hätte man eh verloren. Entweder weil man nicht aus voller Überzeugung dabei geblieben ist, oder weil man, wenn man sich die Bibel so anschaut, eh keine Chance auf den Himmel hat. Und wenn man doch nach den Regeln der christlichen Bibel gelebt hat, dann kommt man immer noch in die islamische Hölle. So oder so, man verliert.
  • Meine Kinder hätten es zu schwer in der Schule, da sie Außenseiter wären
    Und daran wird sich auch nie etwas ändern, wenn man diese Einstellung beibehält. Oder anders ausgedrückt: Du bist nicht verantwortlich dafür, wie die Welt ist, du wärst nur verantwortlich dafür, wenn sie so bleibt!

Man darf den Schritt heraus aus einer Kirche nicht als Austritt betrachten. Man kann ja schließlich nicht aus einem Verein austreten, dem man nie aktiv beigetreten ist. Vielmehr sollte man diesen Schritt als einen Übertritt ansehen, und zwar einen Übertritt in die Menschheit. Und falls man irgendwelche Verlustängste hat, dann sollte man diese über Bord werfen. Denn eines ist sicher: Wir sind nicht allein!

11. April 2010

Die Schöpfer-Rekursion

Filed under: Philosophie, Religion — Argeleb @ 13:30

Dauernd wird versucht, die Existenz unserer Welt, unseres Universums, zu erklären. Und immer wieder wird Gott ins Spiel gebracht. Gott, so dessen Befürworter, hätte alles erschaffen. Ob das nun Deisten oder Theisten sind – Gott ist in deren Augen der Ursprung von allem.

Wie kam es eigentlich zu der Überzeugung, dass Gott hinter allen unerklärlichen Phänomenen stecken müsse? Ich vermute mal, dass Gott immer dann herhalten musste, wenn man keine Erklärung für einen bestimmten Sachverhalt finden konnte, und dann kamen auch noch Menschen daher, die sich diesen Gott zu Nutzen machten. Ich nenne diese Menschen mal Priester. Sie hatten einen guten Draht zu diesem Gott, der so viele Dinge erschaffen hat und den Menschen sagen konnte, wie sie zu leben hatten, und wem sie Opfer darbringen müssten.

Soweit ist es kein all zu großes Wunder, wie sich das Märchen eines Gottes verbreiten konnte. Gott ließ Blitze unter großem Lärm dar niederfahren und richtete mit Sintfluten wahre Katastrophen unter den Menschen an. So ein mächtiges Wesen musste man fürchten, und man war sehr froh darüber, dass es Priester gab, die diesen zornigen Gott zu besänftigen wussten.

Aber wozu benötigen wir heute, da wir über einen so großen Schatz an wissenschaftlichen Erkenntnissen zur Entstehung der Menschen und der Welt verfügen, noch einen Gott, um Dinge zu erklären?

Klar ist, dass wir auch heute nicht in der Lage sind, alles zu erklären. Und es wird – das mag manche Menschen betrüben – immer Dinge geben, die wir niemals erklären werden können. Die Existenz unseres Universums ist eines dieser Mysterien, die wir niemals erfassen werden können. Das liegt ganz einfach daran, dass es unmöglich ist, etwas zu begreifen, das man nicht von außen betrachten kann. Und niemand wird ernsthaft bezweifeln, dass wir nie ein Team von Wissenschaftlern außerhalb unseres Universums schicken können, damit sie es erforschen.

In diesem Sinne werden wir unser Universum niemals verstehen können. Man könnte jetzt sagen, welch ein Segen für gottesfürchtige Menschen. Gott ist also nach wie vor da und hat unser Universum erschaffen! Aber ist das wirklich so?

Ich bin kein Kosmologe, noch bin ich Astronom, ja ich bin noch nicht einmal Wissenschaftler, aber die Theorien zur Entstehung unseres Universums klingen für mich plausibel. Die Urknall-Theorie lässt allerdings immer noch viel Spielraum für den einen Gott, der dafür gesorgt hat, dass sich aus dieser Ur-Materie unser Universum entwickeln konnte. Gott hat also das Universum erschaffen!

Jetzt habe ich aber ein Problem. Gott mag ja das Universum erschaffen haben. Und ich will auch auf die Frage verzichten, warum er das gemacht hat, vielmehr stelle ich mir die Frage:  Wer hat dann Gott erschaffen?

Auf diese Frage gibt es zwei Antworten:

  1. Ein Über-Gott hat den einen Gott erschaffen
  2. Gott wurde nicht erschaffen, Gott war schon immer

Die erste Antwort führt aber zu der im Titel erwähnten Schöpfer-Rekursion, denn wenn ein Über-Gott den einen Gott erschaffen hat, dann muss es ja auch einen Über-Über-Gott geben, der den Über-Gott erschaffen hat, usw. usf.

Also bleibt eigentlich nur die zweite Theorie: Gott war schon immer!

Nur wozu sollte dieses theoretische Konstrukt eines Gottes gut sein? Ich kann dieses Wesen auch einfach weglassen. Die Frage lautet nämlich: Wer hat das Universum erschaffen?

Und auch auf diese Frage gibt es zwei Antworten:

  1. Gott hat das Universum erschaffen
  2. Das Universum wurde nicht erschaffen, das Universum war schon immer

Wie oben, führt die erste Antwort wieder in die Schöpfer-Rekursion. Die zweite Antwort beendet die Suche nach dem Ursprung. Das Problem an der Sache ist lediglich, dass Menschen die Ewigkeit nicht begreifen können. Komisch ist jedoch, dass gläubige Menschen diese unverständliche Ewigkeit bei Gott akzeptieren, nicht jedoch  beim Universum.

10. April 2010

Marktstandards im IT-Staatsvertrag

Filed under: Microsoft, Open Source, Piratenpartei — Argeleb @ 17:18

Seit dem 1. April ist der IT-Staatsvertrag in Kraft, der die Zusammenarbeit von Bund und Ländern in IT-Fragen verbessern soll. Ein Aspekt dieses Staatsvertrages sorgt zur Zeit für Verwirrung, und zwar §3 Absatz (1) im Abschnitt II:

(1) Für den im Rahmen ihrer Aufgabenerfüllung notwen-
digen Austausch von Daten zwischen dem Bund und den
Ländern sollen gemeinsame Standards für die auszutauschen-
den Datenobjekte, Datenformate und Standards für Verfah-
ren, die zur Datenübertragung erforderlich sind, sowie IT-
Sicherheitsstandards festgelegt werden. Hierbei ist vorrangig
auf bestehende Marktstandards abzustellen
.

Als problematisch wird der hervorgehobene Satz betrachtet. Dies hat Matthias Kirschner von der FSFE in seinem Beitrag auf netzpolitik.org sehr ausführlich und gut verständlich dargelegt.

Laut einem heise Bericht hat das Abgeordnetenhaus in Berlin fraktionsübergreifend beschlossen, dass diese vorrangige Verwendung von Marktstandards nicht zu einer Stärkung oder Herbeiführen von marktbeherrschenden Positionen von Anbietern technischer Systeme führen darf. Genau heißt es dort:

Die im Staatsvertrag vorgesehene vorrangige Verwendung beste-
hender Markstandards darf nicht zu marktbeherrschenden Positio-
nen von Anbietern dieser technischen Standards führen.

Die im Staatsvertrag erwähnten Marktstandards meinen nicht dasselbe, wie wir sie umgangssprachlich verstehen. Sie sind eben nicht die De-Facto Standards eines Monopolisten. Allerdings handelt es sich auch nicht um De-Jure Standards. Mithin handelt es sich also bei diesem Begriff um Wischi-Waschi.

Da umgangssprachlich eben genau diese De-Facto Standards gemeint sind, werden Anbieter solcher Standards den IT-Staatsvertrag als Argument für ihre eigenen proprietären Standards missbrauchen, indem sie sagen, dass selbst die Behörden ihre „Marktstandards“ als zu bevorzugen betrachtet.

Aber warum ist der Staat hier eigentlich so zögerlich? Sollte der Staat nicht vielmehr darauf drängen, dass sich die IT-Wirtschaft nach den Regeln des Staates verhält, statt umgekehrt. Ich meine, der Staat setzt die Rahmenbedingungen für die Wirtschaft. Und gerade in der Kommunikation mit staatlichen Stellen sollte der Staat vorschreiben, in welchem Format das zu geschehen hat.

Der Staat hat hier ein starkes Eigeninteresse, das in diesem Staatsvertrag meiner Ansicht nach auch vorgeschrieben sein sollte. Die Interessen des Staates sind hier die Folgenden:

  1. Interoperabilität
    Es muss gewährleistet sein, dass alle Behörden untereinander Dokumente ohne technische Hürden austauschen können
  2. Nachhaltigkeit
    Es muss gewährleistet sein, dass Dokumente auch nach sehr langer Zeit und auch nach mehreren Versions- oder Plattformwechseln nach wie vor les- und bearbeitbar bleiben.
  3. Unabhängigkeit
    Zum einen muss gewährleistet sein, dass sich der Staat nicht von einem Anbieter abhängig macht, des weiteren muss ebenso gewährleistet sein, dass die Bürger frei entscheiden können, welche Software sie zur Bearbeitung von Dokumenten verwenden

Aus diesen Gründen ist es nur legitim, wenn der Staat offene und freie Dokumentformate verpflichtend vorschreibt. Es ist aus Sicht des Gemeinwesens auch nicht verwerflich, wenn der Staat die Ausnahmen stark begrenzt.

Was würde das denn nun konkret bedeuten, wenn der Staat offene und freie Dokumentformate zwingend vorschreibt? Nehmen wir mal als Beispiel Office Dokumente. Ich will hier auch gerne Ross und Reiter nennen.

Wenn der Staat die Verwendung des Dokumentformats ISO/IEC DIS 26300 (OpenDocument) vorschreibt, dann hat dies folgende Konsequenzen:

  1. Microsoft wäre gezwungen, dieses Format vollständig zu unterstützen, wenn sie weiterhin Software an staatliche Organisationen verkaufen möchte
  2. Firmen, die Dokumente mit Behörden austauschen, müssten Produkte einsetzen, die dieses Format unterstützen
  3. Bürger müssten ebenfalls Programme verwenden, die dieses Format unterstützen

Diese Konsequenzen wären für alle Beteiligten von enormen Vorteil, außer vielleicht für Microsoft. Denn Microsoft hat natürlich kein Interesse an der Abschaffung des Vendor-Lock-In. Nachteile entstünden keine, denn so gut wie jedes Office-Produkt unterstützt mittlerweile OpenDocument, selbst das aus dem Hause Microsoft.

Ich würde daher sehr dafür eintreten, nicht diesen Wischi-Waschi Begriff „Marktstandard“ zu verwenden, sondern ganz konkret von offenen und freien Standards zu sprechen!

5. April 2010

Mensch sei Dank: Epikur

Filed under: Humanismus, Mensch sei Dank — Schlagwörter: — Argeleb @ 13:58

Mein erster Artikel in der Reihe  „Mensch sei Dank“ ist Epikur gewidmet. Schon seit geraumer Zeit habe ich nach den Lehren Epikurs gelebt, ohne das zu wissen. Erst vor Kurzem habe ich mich eingehender mit den Lehren des Epikurs beschäftigt. Dabei stellte ich eben immer wieder fest, wie sehr doch dessen Lebensphilosophie mit der meinen übereinstimmt.

Es ist historisch wirklich bedauerlich, dass seiner Philosophie nicht die Bedeutung zukam, die sie verdient hätte. Angesichts der Anfeindungen, die der Epikureismus über sich ergehen hat lassen müssen, ist es schon erstaunlich, dass er bis heute überdauert hat. Einer der entschiedensten Gegner Epikurs war übrigens Martin Luther. Er „beleidigte“ seine Gegner gerne mit dem Ausspruch, sie wären Epikureer.

Epikur musste auch für jeden Theisten ein Feindbild darstellen, denn Epikur wollte den Menschen die Furcht nehmen. Die Furcht vor dem Tod und die Furcht vor den Göttern. Letzteres macht Epikur jedoch nicht zum Atheisten, da er durchaus an die Götter glaubte, allerdings sprach er ihnen jeglichen Einfluss auf das Leben der Menschen ab. Man könnte sagen, Epikur war eine Art Deist.

In der Philosophie des Epikur geht es um die Frage nach dem höchsten Gut. Diese Frage trieb die griechischen Philosophen schon lange um. Für Epikur erschien Lust als das höchste Gut und Unlust als das größte Übel. Daher galt es für ihn, ein Leben anzustreben, das die Vermeidung von Unlust zum Ziel hatte.

Im Gegensatz zu den Hedonisten, die ein Höchstmaß an Lust anstreben, hat Epikur so einen negativen Hedonismus geprägt, indem die Vermeidung von Leid, Schmerz und Unlust das oberste Prinzip sein sollte.

Wenn du einen Menschen glücklich machen willst, dann füge nichts seinen Reichtümern hinzu sondern nimm ihm einige von seinen Wünschen.

Dieses Zitat drückt ganz gut aus, wie man es schaffen kann ein glückliches Leben zu führen. Anders ausgedrückt, könnte man auch formulieren: Wenn man nichts begehrt, dann wird es einem auch an nichts mangeln.

Zufriedenheit ist sehr leicht zu erreichen, wenn man sich auf das Wesentliche konzentriert. Ich z.B. benötige nicht die neuesten Errungenschaften unserer Konsumgesellschaft. Jedesmal, wenn ich mal wieder aus Versehen Werbung im Fernsehen betrachten muss, ertappe ich mich dabei, wie sich ein zufriedenes Lächeln auf meine Lippen zaubert, da ich erkenne, dass ich den ganzen dort feilgebotenen Mist nicht haben will und auch nicht brauche. Verzicht war schon immer etwas, worin ich große Übung habe.

Der Tod geht mich eigentlich nichts an. Denn wenn er ist, bin ich nicht mehr, und solange ich bin, ist er nicht.

Diese Erkenntnis hatte ich bereits, bevor ich mich intensiver mit Epikur befasst hatte. Denn was kümmert mich mein eigener Tod? Wenn es soweit ist, dann werde ich mich nicht mehr über den Verlust meines Lebens beschweren können, denn dann werde ich tot sein.

Außerdem ist der Tod laut Epikur eher ein Segen, als ein Fluch. Denn die Freiheit von Schmerz ist ja das höchste Gut, das es gilt anzustreben. Der Trost, den Epikur uns spendet, ist, dass jeder kleine Schmerz vorübergehen wird. Und wenn der Schmerz so groß ist, dass er nicht vorüber gehen will, dann endet er im Tod. Und im Tod ist aller Schmerz vorbei, denn im Tod ist alles vorbei.

Mit dieser Vorstellung über die absolute Endlichkeit des menschlichen Daseins, legt sich Epikur natürlich mit den jenseitigen Heilsversprechen der Religionen an, vor allem mit denen des Christentums. Wer nicht an ein Leben nach dem Tod glaubt, wie soll der dann sein Leben nach christlichen Regeln gestalten? Das erklärt vermutlich, warum Martin Luther, und mit ihm alle christlichen Führer, Epikur so sehr ablehnen mussten.

Lebe im Verborgenen

Epikur hat erkannt, dass dem Menschen die größte Gefahr von anderen Menschen droht. Je mehr Menschen man also kennt, desto größer ist die Gefahr, dass einer von denen einem ans Bein pinkeln will. Daher lehnt Epikur auch jede politische Arbeit ab. Und wir alle wissen ja, dass es gefährlich ist, politisch tätig zu sein, denn es findet sich immer einer, der einem wegen seiner Ansichten an die Wäsche will.

Epikur rät daher den Menschen, sich Gleichgesinnte zu suchen. Bei ihnen ist die Gefahr gering, wegen Meinungsverschiedenheiten angegriffen zu werden. Aus diesem Grund sind Freundschaften für Epikur so wichtig.

Von allem, was die Weisheit für die Glückseligkeit des ganzen Lebens bereitstellt, ist der Gewinn der Freundschaft das bei weitem Wichtigste

Freunde, wahre Freunde, sind die wichtigste zwischenmenschliche Beziehung. Dabei ist vielleicht nicht so sehr der direkte Nutzen einer Freundschaft wichtig, sondern vielmehr die mögliche Unterstützung, die man von Freunden erwarten kann, wenn es einem schlecht geht. Einen wahren Freund erkennt man eben immer erst in der Not. Diese Freundschaften müssen daher gepflegt werden.

Daher geht mein besonderer Dank an Epikur.

Mensch sei Dank!

Filed under: Humanismus, Mensch sei Dank — Schlagwörter: — Argeleb @ 12:45

Ich lag in der Badewanne, als mich die Idee überkam, all jenen Menschen meinen Dank auszusprechen, die mein Leben positiv beeinflusst haben. Und als ich so darüber nachgedacht habe, wem ich Dank schulde, stellte ich sehr schnell fest, dass diese Liste sehr lang werden würde. Ich hatte geradezu einen ehrfürchtigen Moment der Erkenntnis. Und das in der Badewanne. Zum Glück hat mich dabei keiner beobachtet 😉

Ich möchte daher heute mit einer kleinen Artikelserie starten, die jedem Menschen, dem ich zu Dank verpflichtet bin, den gebührenden Platz einräumt. Mir ist dabei jedoch vollkommen klar, dass ich nur an der Oberfläche kratzen kann, und oft werden sich auch Fehler einschleichen, da ich weit davon entfernt bin, wissenschaftlich korrekt arbeiten zu können. Was erwartet ihr? Ich bin Informatiker!

Es gibt so viele Menschen, die uns alle beeinflussen. Seien es nun historische Persönlichkeiten, Künstler, Wissenschaftler oder auch Freunde oder Verwandte. Ich will mich jedoch auf Menschen beschränken, die allgemein bekannt sind.

Ich würde mich auch sehr darüber freuen, wenn andere ebenfalls den Menschen danken, die sie beeinflusst haben. Gebt mir ein Pingback, und ich verlinke eure Artikel hier. Mir ist nämlich vollkommen klar, dass meine Liste nicht annähernd vollständig sein wird. Aus mehreren Gründen: Zum einen weil ich viel zu faul bin, und zum anderen weil ich bei vielen Menschen gar nicht in der Lage sein werde, deren Bedeutung zu würdigen. Und natürlich werde ich den ein oder anderen Menschen schlicht vergessen, was mir jetzt bereits schon in der Seele weh tut.

Wenn ich so die Liste der Menschen, denen ich Dank schulde, im Geist durchgehe, dann stelle ich mir die Frage: Wer braucht noch einen Gott, wenn er solche Menschen hat.

Artikel dieser Reihe

29. März 2010

Schafft das Internet endlich ab!

Filed under: Demokratie, Piratenpartei, Satire, Zensur — Argeleb @ 08:32

Was soll dieser ganze Zensur-Minimalismus unserer Politiker? Da werden dauernd irgendwelche halbgaren Forderungen unter fadenscheinigen Argumenten gestellt. Dies muss zensiert werden, weil es die moralische Entwicklung unserer Kinder unterwandert. Jenes soll zensiert werden, weil es die Demokratie zersetzt.

Schluss mit dem ganzen Klein-Klein. Schaltet das Internet ab! Es ist offensichtlich von Übel. Wenn jeder ohne jegliche Kontrolle plötzlich sagen und schreiben könnte was er wollte, wo kämen wir denn da hin?

Und da das nicht reichen wird, plädiere ich überdies dafür, auch gleich sämtliche Medien unter staatliche Kontrolle zu bringen. Dieses staatszersetzende Berichterstattung darf nicht weiter unsere Kinder vergiften!

Zeitungen müssen ebenfalls reguliert, wenn nicht gar abgeschafft werden. Und Bücher gehören nicht in Bibliotheken, sondern auf den Index!

Wenn sich die Bürger fortbilden und informieren wollen, dann sollen sie gefälligst in die Kirche gehen, und ihrem Pfarrer lauschen, der weiß schließlich, was gut für sie ist.

27. März 2010

Hello Android!

Filed under: Android, Entwicklung, Tutorial, ubuntu — Argeleb @ 16:41

Schritt 1: Installation des Android SDK

Um Android Anwendungen entwickeln zu können ist es nötig ein Android SDK zu installieren. Auf der Web-Site des Android Projekts gibt es die Auswahl, für welches Betriebssystem man das SDK herunterladen möchte. Leider gibt es keine Version für 64 Bit Linux, daher muss man das 32 Bit SDK herunterladen.

Glücklicherweise wird auf der Installationsseite genau beschrieben, welche Software man auf einem Ubuntu-System installieren muss, damit das Android SDK verwendet werden kann. Vor allem muss man die 32 Bit Unterstützung, Sun-Java und Eclipse installieren:

apt-get install ia32-libs

apt-get install sun-java6-bin

Da leider in den Ubuntu-Repositories keine aktuelle Eclipse Version angeboten wird, sollte man Eclipse direkt von der Eclipse-Download Seite herunterladen, denn für die Android Development Tools (ADT) wird mindestens Eclipse 3.4 vorausgesetzt.

Nachdem nun alle Voraussetzungen erfüllt sind, kann das Android Starter Package für Linux heruntergeladen werden und anschließend in einem beliebigen Verzeichnis entpackt werden:

tar xvzf android-sdk_r05-linux_86.tgz

Das Basis Verzeichnis des SDK befindet sich dann unter android-sdk-linux_86

Mit dem Starter Package hat man allerdings noch kein vollständiges SDK. Um die Installation zu vervollständigen muss der Android SDK and AVD Manager aufgerufen werden:

<sdk-verzeichnis>/tools/android

Android SDK Manager mit ausgewählten Paketen für das Android SDK 2.1

Unter den Available Packages finden sich alle Versionen des Android SDK. Für die Zwecke dieses kleinen Einführungsbeispiels dürfte die Version nicht relevant sein, daher kann man ruhig die aktuellste Version, hier die Version 2.1 installieren. Nach einem Klick auf Install Selected lädt der SDK Manager die benötigten Dateien herunter und installiert sie. Vorher muss man noch den Lizenzbestimmungen für die einzelnen Komponenten zustimmen.

Schritt 2: Installation der Android Developer Tools

Für die Entwicklung von Android bietet sich Eclipse an, da es sich bei Android Anwendungen um Java Programme handelt. Um Android Anwendungen mit Eclipse zu entwickeln, müssen die Android Developer Tools (ADT) installiert werden. Hierfür gibt es die Update-Site des Android-Projekts: https://dl-ssl.google.com/android/eclipse/

Dazu öffnet man in Eclipse den Update-Manager unter Help/Install New Software. Dort fügt man dann die oben genannte Update-Site hinzu:

Eintragen der Update-Site des ADT in Eclipse

Anschließend kann man dann die Developer Tools auswählen und installieren:

Installation der Developer Tools

Schritt 3: Ein erstes Programm

Bevor wir ein erstes Programm entwickeln, müssen wir noch die Testumgebung einrichten. Wir benötigen ein virtuelles Gerät (Android Virtual Device (AVD)), auf dem wir die Software laufen lassen können, doch zuvor müssen wir Eclipse noch mitteilen, wo sich das Android SDK befindet.

  1. In den Android Preferences (Window > Preferences > Android) muss das SDK-Basis-Verzeichnis eingetragen werden:

    Einstellung des SDK Pfades

  2. Starten des Android SDK and AVD Managers (in Eclipse unter Window > Android SDK and AVD Manager)
  3. Anlegen eines neuen Virtual Device
  4. Wir geben dem Gerät den Namen TestDevice, und als Target wählen wir Android 2.1 – API Level 7 aus:

    

    Erstellen eines neuen Virtual Device

  5. Nachdem das virtuelle Gerät angelegt ist, können wir ein erstes Projekt erstellen

Erstellen eines Android Projekts

In Eclipse kann nun mit dem Android Projekt Assistenten ein neues Projekt erstellt werden (File > New > Android Project):

Android Projekt Assistent

  1. Als Name wählen wir android.hello (dabei handelt es sich um den Eclipse-Projektnamen)
  2. Als Application name stellen wir Hello Android ein
  3. Der Package Name muss aus mindestens zwei Identifiern bestehen, warum das so gefordert wird, ist mir jedoch unklar. Aber es ist sowieso gute Praxis, einen Pacakge Namen wie hier anzugeben: com.wordpress.argeleb.android.hello
  4. Wir erzeugen eine Activity, da diese in den allermeisten Fällen erstellt wird, auch wenn sie optional ist. Der Assistent generiert eine Klasse, die von der Android Klasse Activity abgeleitet ist.

Der Assistent ist so freundlich und hat bereits eine GUI-Datei angelegt, in der der Text Hello World, HelloActivity zu lesen ist:

Jetzt kann man bereits diese rudimentäre Anwendung ausführen, indem man im Kontextmenü des Projekts den Punkt Run As > Android Application auswählt. Nach eine gewissen Ladezeit des Emulators erscheint dann folgendes Bild:

Android Emulator mit geladener Hello World Anwendung

Das war’s im Prinzip. Viel Spaß beim herum experimentieren!

Weiterführende Literatur findet sich auf den Entwickler-Seiten des Android Projekts.

14. März 2010

Kindesmissbrauch in der Kirche – na und?

Filed under: Piratenpartei, Religion — Argeleb @ 14:59

Es vergeht praktisch kein Tag, an dem nicht ein neuer Fall von sexuellen Missbrauch oder Misshandlungen an Kindern durch einen Vertreter der großen Kirchen publik wird. Und die Öffentlichkeit reibt sich verwundert die Augen und regt sich darüber furchtbar auf. Warum eigentlich? Klar, das sind schlimme Sachen, die da passiert sind, aber muss man sich darüber wirklich so furchtbar aufregen.

Die Kirchen missbrauchen die Kinder doch schon seit jeher, und niemand hat sich darüber bislang nennenswert beschwert. Ganz im Gegenteil sogar, die Leute heißen das auch noch gut und feiern den Missbrauch sogar noch. Ich rede jetzt allerdings nicht vom sexuellen Missbrauch, sondern vom intellektuellen Missbrauch.

Die Kirche schnappt sich die Kinder so früh wie möglich um sie ideologisch zu penetrieren, so dass sie letztendlich keine Chance haben sich gegen diese Gehirnwäsche zu wehren. Und die Eltern, selbst wenn sie nicht gläubig sind, geben ihre Kinder in die Obhut der Kirche, weil sie die gesellschaftliche Ächtung fürchten. Ich höre oft das Argument: „Ich muss mein Kind taufen lassen, ansonsten hat es es sehr schwer in der Schule. Und was würden die Nachbarn sagen?“

Dass die Kinder das womöglich gar nicht wollen wird dann gerne mit dem Argument weggewischt, dass sie sich ja später selbst entscheiden könnten, ob sie den Glauben annehmen wollen oder nicht.

Ist das wirklich so? Die Kinder werden als Jugendliche nochmal gebeten die Taufe zu bestätigen. Bei  den Protestanten heißt dieses Ritual Konfirmation. Im Vorfeld dieser Feier werden die Heranwachsenden nochmal intensiv indoktriniert, um dann in einer großen Feier gefragt zu werden, ob sie den Glauben annehmen. Mir ist kein Fall bekannt, bei dem ein Kind während des Gottesdienstes zur Konfirmation „Nein“ gesagt hätte.

Stellen wir uns doch kurz einmal vor, bei der Konfirmation ginge es nicht um den intellektuellen Missbrauch, sondern um einen sexuellen Missbrauch. Folgende fiktive Szene würde sich in der Kirche abspielen:

Pfarrer: „Und du mein Kind, möchtest du denn weiterhin betatscht und missbraucht werden? Willst du weiterhin an den Kirchenvertretern sexuelle Handlungen vornehmen?“
Kind: „Ja, ich möchte das!“
Pfarrer: „Jetzt bist du ein vollwertiges Mitglied unserer Gemeinschaft“
Eltern, unter großem Beifall: „Hier Kind, hast du viele Geschenke und Geld“
Kind: „Ui, danke, eine PlayStation 3, wow!“

Kinder wurden und werden von den christlichen Religionen täglich missbraucht, aber niemand schert sich darum. Würden sich die Leute mal ernsthaft Gedanken darüber machen, was sie ihren Kindern damit antun, dann wäre die Welt eine bessere.

Der sexuelle und körperliche Missbrauch der Kinder ist wirklich abscheulich, und ich will hier gar nichts klein reden, aber 2000 Jahre währender geistiger Missbrauch wiegen in meinen Augen schwerer. Diesem Missbrauch haben wir so viele Greueltaten zu verdanken, dass man fast dankbar sein muss, dass jetzt durch diese Taten die Kirchen ihr wahres Gesicht zeigen. Einen positiven Aspekt kann ich den Ereignissen noch abringen: Die Zahl der Kirchenaustritte ist seit der Aufdeckung der Missbrauchsfälle sprunghaft angestiegen.

Und wo ist jetzt eine Frau von der Leyen? Hier haben wir Fälle von echtem Missbrauch, ich würde mir jetzt wünschen, sie würde ebenso lautstark die Kirchen angreifen, wie sie es einst mit dem Internet gemacht hat.

Die Kirchen sollen sich aus der Bildung und der Kinderbetreuung heraus halten. Bildung und Christentum sind doch sowieso ein krasser Widerspruch. Je gebildeter die Menschen sind, desto eher kehren sie dem Christentum den Rücken. Welches ernsthafte Interesse sollten also die Kirchen an Bildung haben?

Der Staat sollte besser das Geld, das sie im Namen der Kirchen eintreiben, dazu verwenden die Bildung und Kinderbetreuung selbst zu organisieren. Statt eine Kirchensteuer zu erheben, sollte der Staat eine Bildungs- und Betreuungssteuer erheben, die dazu verwendet wird, vernünftige Schulen und Kinderbetreuungseinrichtungen zu finanzieren.

Im Jahre 2007 betrug der Umfang der Kirchensteuer ca. 9Mrd €. Mit diesem Geld könnte man viele Schulden und Kindergärten bauen! Aber zum Glück kann man dieser Steuer ja sehr leicht entgehen, indem man aus der Kirche aus tritt. Je nach Bundesland entstehen dabei allerdings Kosten, die man aber recht schnell wieder herein bekommt. Das gesparte Geld kann man dann ja wieder in die Bildung der eigenen Kinder stecken.

28. Februar 2010

Piraten und Open Source, die AG-FLOSS

Filed under: Open Source, Piratenpartei — Argeleb @ 15:30

Die Piratenpartei setzt sich ja bekanntlich sehr stark für Freiheit ein. Aus diesem Grund haben sich einige Piraten bereits in der AG-FLOSS zusammengefunden, um dem Thema Freie und offene Software den Stellenwert zu verleihen, den sie ihrer Ansicht nach verdient.

Wir suchen daher noch engagierte Mitstreiter, denen auch die Freiheit und Offenheit bei Software am Herzen liegt. Mittlerweile haben wir bereits einige grundlegende Kommunikationsinfrastukturen innerhalb der Partei besorgt:

Wir verfolgen mit der AG-FLOSS mehrere Ziele, innerparteilich wie gesellschaftlich und politisch. Bislang befinden wir uns noch in der Phase der Ideensammlung, und würden uns daher sehr freuen, wenn wir viele Piraten finden, die dabei helfen möchten.

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