Nichts als die Wahrheit

24. April 2010

Der Unterschied zwischen Religion und Wissenschaft

Filed under: Religion — Argeleb @ 10:40

Die Anhänger der Religion behaupten immer, die Wissenschaft hätte nicht auf alle Fragen eine Antwort. Auf der anderen Seite behaupten die Anhänger der  Wissenschaft, die Religion hätte nicht auf alle Fragen eine Antwort.

Das verblüffende ist: Beide Seiten haben Recht. Und wir gewinnen die Erkenntnis (wie schon einst Sokrates), dass wir eigentlich auf die wenigsten Fragen eine Antwort haben.

Die Wissenschaft fordert dazu auf, dass all ihre Theorien verifiziert oder falsifiziert werden sollen. Wird eine Theorie widerlegt, dann wird sie verworfen. Wird eine Theorie bestätigt, dann erhöht das ihre Chance akzeptiert zu werden. Die Zahl der Theorien, die bis heute verifiziert wurde, ist riesig und nimmt von Tag zu Tag zu. Pseudo-Wissenschaftler, die krude Theorien ausbrüten haben im Wissenschaftsbetrieb relativ wenig Chancen. Die Konkurrenz unter den Wissenschaftlern sorgt dafür, dass jeder Wissenschaftler seine Theorien doppelt und dreifach prüft, bevor er sie veröffentlicht.

Die Religion verbietet, dass ihre Theorien überhaupt hinterfragt werden. Wird eine Theorie widerlegt, dann reagieren manche Religiöse mit Strafe. Sei es, dass derjenige, der eine Theorie widerlegt hat, der Häresie für schuldig befunden wird, oder indem man Gift und Galle über denjenigen ausspuckt. Das machen natürlich nicht alle Religiösen, aber es war jahrhundertelang gute Tradition der katholischen Kirche. Wer das nicht glaubt, der Frage mal Galileo, Bruno und wie sie alle heißen. Mit Kritik können religiöse Menschen nur sehr schwer umgehen.

Wird eine Theorie der Religion bestätigt (was nie vorgekommen ist, soweit ich weiß), dann würde dies mit Sicherheit als Gottesbeweis gefeiert werden.

Aber ich bin Skeptiker, daher traue ich meinen eigenen Aussagen auch nur soweit ich sie bestätigen kann. Vielleicht findet sich ja einer meiner wenigen Leser, der mir eine religiöse Theorie (wie z.B. die Jungfrauengeburt) zeigen kann, die je von unabhängiger Seite bestätigt wurde. Ich würde mich freuen.

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23. April 2010

Konkordate, ein Skandal

Filed under: Demokratie, Piratenpartei, Religion — Argeleb @ 08:25

Es ist bedauerlich, dass es erst zu solch schweren Missbrauchsfällen in den Kirchen kommen musste, dass wir uns heute über das Verhältnis von Staat und Kirche öffentlich Gedanken machen.  Der Fall des Bischof Mixa führt allen Interssierten vor Augen, was da in unserem Land abgeht.

In den verschiedenen Kirchenstaatsverträgen wird geregelt, welche Privilegien die katholische Kirche in Deutschland genießt. Auf der Seite „Spart euch die Kirche“ wird sehr schön aufgeschlüsselt, wie viel Geld der Staat jährlich für die Kirchen ausgibt. Zu diesen  Zahlen müssen dann noch die Einnahmen aus der Kirchensteuer hinzugerechnet werden.

Wer also glaubt, durch einen Kirchenaustritt die Machenschaften der Kirchen nicht weiter mit zu finanzieren, der irrt gewaltig, denn er zahlt mit seinen Steuergeldern weiterhin die Gehälter der Bischöfe oder die Instandsetzung des Klosters Andechs.

Diese Zuwendungen erhalten die Kirchen aufgrund der Verträge, die Deutschland mit den Kirchen abgeschlossen hat: Die Konkordate.

Fragt man heute verantwortliche Politiker nach diesen Verträgen, dann bekommt man als Rechtfertigung zu hören, dass diese Zahlungen aufgrund von Enteignungen der Kirche im 19. Jahrhundert geleistet werden.

Wie bitte?

Nochmal: Weil die Kirchen enteignet wurden, zahlt der Staat die Bischofsgehälter!

Wie sind denn die Kirchen damals an dieses Eigentum gelangt, das ihnen wieder genommen wurde? Die haben sich das doch größtenteils ergaunert, mit Ablasshandel oder weil sie den Bauern „den Zehnten abgepresst“ haben, und was weiß ich noch nicht alles.

Und das Beste an diesen Verträgen: Sie können nur im gegenseitigen Einvernehmen gekündigt werden! Hallo!? Und solche Knebelverträge sind auch noch völkerrechtlich bindend. Wenn das mal nicht ein himmelschreiender Skandal ist.

Ich würde der Bundesrepublik empfehlen, diese Konkordate einseitig aufzukündigen und nicht weiter zu bedienen.

20. April 2010

Kirchenaustritt, nein, Übertritt in die Menschheit

Filed under: Humanismus, Religion — Argeleb @ 08:43

Die Kirchen, die katholische sowieso, erheben gerne den Anspruch, die alleinigen sinnstiftenden und moralischen Instanzen zu sein. Aus diesem Grund werden bereits kleinste Kinder von ihren „gläubigen“ Eltern zwangschristianisiert.

Viele dieser Christenkinder bleiben dann in ihrer jeweiligen Sekte (Katholiken, Protestanten, Orthodoxe usw.) und zahlen Zeit ihres Lebens brav ihre Mitgliedsbeiträge, die von einem willfährigem Staat für die Kirchen eingezogen werden.

Unterhält man sich einmal ernsthaft mit diesen Mitgliedern, dann stellt sich heraus, dass die meisten gar nicht glauben, was ihre Sekte ihnen so alles als Wahrheit verkaufen möchte. Das beginnt vor allem mit der verkorksten Sexualmoral der christlichen Kirchen, endet erstaunlicherweise aber dort nicht einmal. Es geht oftmals soweit, dass diese vermeintlichen Christen selbst die elementarste Wahrheit eines transzendentalen Gottes ablehnen. Folgende Ideen sind dabei sehr verbreitet:

  • Gott ist alles was mich umgibt
    Diese Christen würde man am ehesten als Pantheisten bezeichnen.  Die katholische Kirche hat den Pantheismus lange Zeit mit dem Atheismus gleichgesetzt. Das übersehen diese Pseudo-Christen dann ganz gerne.
  • Gott hat die Welt erschaffen, aber er beeinflusst mein Leben nicht mehr
    Erstaunliche Worte aus dem Mund eines Christen, denn das ist purer Deismus

Fragt man diese Pseudo-Christen, warum sie dann nicht aus der Kirche austreten, hört man gerne folgende Argumente:

  • Die Kirche tut viel Gutes
    Heute mag man den Eindruck gewinnen, dass die Kirchen viel Gutes tun (Krankenhäuser, Entwicklungshilfe, Kindergärten), aber das stimmt gar nicht. Zunächst einmal tun sie das zum größten Teil mit mit dem Geld, das sie vom Staat bekommen, also tut eigentlich der Staat das Gute, nicht die Kirche. Und das was man Entwicklungshilfe nennt, ist eigentlich Missionierung.
    Die Waage des Guten und Bösen hängt beim Christentum aber leider immer noch sehr stark auf der Seite des Bösen. Das Christentum ist bekannt für seinen grausamen Menschenhass, den sie im Laufe ihrer Geschichte immer wieder unter Beweis gestellt hat.
  • Ich möchte Mitglied meiner Gemeinde bleiben
    Man muss nicht um ein goldenes Kalb tanzen, um ein Gemeinschaftsgefühl zu erzeugen. Es gibt genügend Organisationen, in denen man sich sozialisieren kann.
  • Was ist, wenn das ganze doch stimmt, und am Ende (jüngstes Gericht) wird abgerechnet?
    Wenn dem so wäre, dann hätte man eh verloren. Entweder weil man nicht aus voller Überzeugung dabei geblieben ist, oder weil man, wenn man sich die Bibel so anschaut, eh keine Chance auf den Himmel hat. Und wenn man doch nach den Regeln der christlichen Bibel gelebt hat, dann kommt man immer noch in die islamische Hölle. So oder so, man verliert.
  • Meine Kinder hätten es zu schwer in der Schule, da sie Außenseiter wären
    Und daran wird sich auch nie etwas ändern, wenn man diese Einstellung beibehält. Oder anders ausgedrückt: Du bist nicht verantwortlich dafür, wie die Welt ist, du wärst nur verantwortlich dafür, wenn sie so bleibt!

Man darf den Schritt heraus aus einer Kirche nicht als Austritt betrachten. Man kann ja schließlich nicht aus einem Verein austreten, dem man nie aktiv beigetreten ist. Vielmehr sollte man diesen Schritt als einen Übertritt ansehen, und zwar einen Übertritt in die Menschheit. Und falls man irgendwelche Verlustängste hat, dann sollte man diese über Bord werfen. Denn eines ist sicher: Wir sind nicht allein!

11. April 2010

Die Schöpfer-Rekursion

Filed under: Philosophie, Religion — Argeleb @ 13:30

Dauernd wird versucht, die Existenz unserer Welt, unseres Universums, zu erklären. Und immer wieder wird Gott ins Spiel gebracht. Gott, so dessen Befürworter, hätte alles erschaffen. Ob das nun Deisten oder Theisten sind – Gott ist in deren Augen der Ursprung von allem.

Wie kam es eigentlich zu der Überzeugung, dass Gott hinter allen unerklärlichen Phänomenen stecken müsse? Ich vermute mal, dass Gott immer dann herhalten musste, wenn man keine Erklärung für einen bestimmten Sachverhalt finden konnte, und dann kamen auch noch Menschen daher, die sich diesen Gott zu Nutzen machten. Ich nenne diese Menschen mal Priester. Sie hatten einen guten Draht zu diesem Gott, der so viele Dinge erschaffen hat und den Menschen sagen konnte, wie sie zu leben hatten, und wem sie Opfer darbringen müssten.

Soweit ist es kein all zu großes Wunder, wie sich das Märchen eines Gottes verbreiten konnte. Gott ließ Blitze unter großem Lärm dar niederfahren und richtete mit Sintfluten wahre Katastrophen unter den Menschen an. So ein mächtiges Wesen musste man fürchten, und man war sehr froh darüber, dass es Priester gab, die diesen zornigen Gott zu besänftigen wussten.

Aber wozu benötigen wir heute, da wir über einen so großen Schatz an wissenschaftlichen Erkenntnissen zur Entstehung der Menschen und der Welt verfügen, noch einen Gott, um Dinge zu erklären?

Klar ist, dass wir auch heute nicht in der Lage sind, alles zu erklären. Und es wird – das mag manche Menschen betrüben – immer Dinge geben, die wir niemals erklären werden können. Die Existenz unseres Universums ist eines dieser Mysterien, die wir niemals erfassen werden können. Das liegt ganz einfach daran, dass es unmöglich ist, etwas zu begreifen, das man nicht von außen betrachten kann. Und niemand wird ernsthaft bezweifeln, dass wir nie ein Team von Wissenschaftlern außerhalb unseres Universums schicken können, damit sie es erforschen.

In diesem Sinne werden wir unser Universum niemals verstehen können. Man könnte jetzt sagen, welch ein Segen für gottesfürchtige Menschen. Gott ist also nach wie vor da und hat unser Universum erschaffen! Aber ist das wirklich so?

Ich bin kein Kosmologe, noch bin ich Astronom, ja ich bin noch nicht einmal Wissenschaftler, aber die Theorien zur Entstehung unseres Universums klingen für mich plausibel. Die Urknall-Theorie lässt allerdings immer noch viel Spielraum für den einen Gott, der dafür gesorgt hat, dass sich aus dieser Ur-Materie unser Universum entwickeln konnte. Gott hat also das Universum erschaffen!

Jetzt habe ich aber ein Problem. Gott mag ja das Universum erschaffen haben. Und ich will auch auf die Frage verzichten, warum er das gemacht hat, vielmehr stelle ich mir die Frage:  Wer hat dann Gott erschaffen?

Auf diese Frage gibt es zwei Antworten:

  1. Ein Über-Gott hat den einen Gott erschaffen
  2. Gott wurde nicht erschaffen, Gott war schon immer

Die erste Antwort führt aber zu der im Titel erwähnten Schöpfer-Rekursion, denn wenn ein Über-Gott den einen Gott erschaffen hat, dann muss es ja auch einen Über-Über-Gott geben, der den Über-Gott erschaffen hat, usw. usf.

Also bleibt eigentlich nur die zweite Theorie: Gott war schon immer!

Nur wozu sollte dieses theoretische Konstrukt eines Gottes gut sein? Ich kann dieses Wesen auch einfach weglassen. Die Frage lautet nämlich: Wer hat das Universum erschaffen?

Und auch auf diese Frage gibt es zwei Antworten:

  1. Gott hat das Universum erschaffen
  2. Das Universum wurde nicht erschaffen, das Universum war schon immer

Wie oben, führt die erste Antwort wieder in die Schöpfer-Rekursion. Die zweite Antwort beendet die Suche nach dem Ursprung. Das Problem an der Sache ist lediglich, dass Menschen die Ewigkeit nicht begreifen können. Komisch ist jedoch, dass gläubige Menschen diese unverständliche Ewigkeit bei Gott akzeptieren, nicht jedoch  beim Universum.

14. März 2010

Kindesmissbrauch in der Kirche – na und?

Filed under: Piratenpartei, Religion — Argeleb @ 14:59

Es vergeht praktisch kein Tag, an dem nicht ein neuer Fall von sexuellen Missbrauch oder Misshandlungen an Kindern durch einen Vertreter der großen Kirchen publik wird. Und die Öffentlichkeit reibt sich verwundert die Augen und regt sich darüber furchtbar auf. Warum eigentlich? Klar, das sind schlimme Sachen, die da passiert sind, aber muss man sich darüber wirklich so furchtbar aufregen.

Die Kirchen missbrauchen die Kinder doch schon seit jeher, und niemand hat sich darüber bislang nennenswert beschwert. Ganz im Gegenteil sogar, die Leute heißen das auch noch gut und feiern den Missbrauch sogar noch. Ich rede jetzt allerdings nicht vom sexuellen Missbrauch, sondern vom intellektuellen Missbrauch.

Die Kirche schnappt sich die Kinder so früh wie möglich um sie ideologisch zu penetrieren, so dass sie letztendlich keine Chance haben sich gegen diese Gehirnwäsche zu wehren. Und die Eltern, selbst wenn sie nicht gläubig sind, geben ihre Kinder in die Obhut der Kirche, weil sie die gesellschaftliche Ächtung fürchten. Ich höre oft das Argument: „Ich muss mein Kind taufen lassen, ansonsten hat es es sehr schwer in der Schule. Und was würden die Nachbarn sagen?“

Dass die Kinder das womöglich gar nicht wollen wird dann gerne mit dem Argument weggewischt, dass sie sich ja später selbst entscheiden könnten, ob sie den Glauben annehmen wollen oder nicht.

Ist das wirklich so? Die Kinder werden als Jugendliche nochmal gebeten die Taufe zu bestätigen. Bei  den Protestanten heißt dieses Ritual Konfirmation. Im Vorfeld dieser Feier werden die Heranwachsenden nochmal intensiv indoktriniert, um dann in einer großen Feier gefragt zu werden, ob sie den Glauben annehmen. Mir ist kein Fall bekannt, bei dem ein Kind während des Gottesdienstes zur Konfirmation „Nein“ gesagt hätte.

Stellen wir uns doch kurz einmal vor, bei der Konfirmation ginge es nicht um den intellektuellen Missbrauch, sondern um einen sexuellen Missbrauch. Folgende fiktive Szene würde sich in der Kirche abspielen:

Pfarrer: „Und du mein Kind, möchtest du denn weiterhin betatscht und missbraucht werden? Willst du weiterhin an den Kirchenvertretern sexuelle Handlungen vornehmen?“
Kind: „Ja, ich möchte das!“
Pfarrer: „Jetzt bist du ein vollwertiges Mitglied unserer Gemeinschaft“
Eltern, unter großem Beifall: „Hier Kind, hast du viele Geschenke und Geld“
Kind: „Ui, danke, eine PlayStation 3, wow!“

Kinder wurden und werden von den christlichen Religionen täglich missbraucht, aber niemand schert sich darum. Würden sich die Leute mal ernsthaft Gedanken darüber machen, was sie ihren Kindern damit antun, dann wäre die Welt eine bessere.

Der sexuelle und körperliche Missbrauch der Kinder ist wirklich abscheulich, und ich will hier gar nichts klein reden, aber 2000 Jahre währender geistiger Missbrauch wiegen in meinen Augen schwerer. Diesem Missbrauch haben wir so viele Greueltaten zu verdanken, dass man fast dankbar sein muss, dass jetzt durch diese Taten die Kirchen ihr wahres Gesicht zeigen. Einen positiven Aspekt kann ich den Ereignissen noch abringen: Die Zahl der Kirchenaustritte ist seit der Aufdeckung der Missbrauchsfälle sprunghaft angestiegen.

Und wo ist jetzt eine Frau von der Leyen? Hier haben wir Fälle von echtem Missbrauch, ich würde mir jetzt wünschen, sie würde ebenso lautstark die Kirchen angreifen, wie sie es einst mit dem Internet gemacht hat.

Die Kirchen sollen sich aus der Bildung und der Kinderbetreuung heraus halten. Bildung und Christentum sind doch sowieso ein krasser Widerspruch. Je gebildeter die Menschen sind, desto eher kehren sie dem Christentum den Rücken. Welches ernsthafte Interesse sollten also die Kirchen an Bildung haben?

Der Staat sollte besser das Geld, das sie im Namen der Kirchen eintreiben, dazu verwenden die Bildung und Kinderbetreuung selbst zu organisieren. Statt eine Kirchensteuer zu erheben, sollte der Staat eine Bildungs- und Betreuungssteuer erheben, die dazu verwendet wird, vernünftige Schulen und Kinderbetreuungseinrichtungen zu finanzieren.

Im Jahre 2007 betrug der Umfang der Kirchensteuer ca. 9Mrd €. Mit diesem Geld könnte man viele Schulden und Kindergärten bauen! Aber zum Glück kann man dieser Steuer ja sehr leicht entgehen, indem man aus der Kirche aus tritt. Je nach Bundesland entstehen dabei allerdings Kosten, die man aber recht schnell wieder herein bekommt. Das gesparte Geld kann man dann ja wieder in die Bildung der eigenen Kinder stecken.

20. Februar 2010

Wissenschaft und Religion

Filed under: Buchkritik, Religion — Argeleb @ 13:13

Ich lese zur Zeit das Buch Der Anfang aller Dinge, Naturwissenschaft und Religion von Hans Küng. Für mich, der nicht all zu viel von Religion oder den Glauben an irgendwelche Götter hält, ist die Lektüre dieses Buches oft sehr schmerzhaft. Ich kann einfach nicht begreifen, wie jemand, wie Hans Küng, dem ich attestieren möchte, dass er ein hochintelligenter und gebildeter Mann ist, an einen christlichen Gott glauben kann.

In seinem Buch versucht Küng die Wissenschaft mit der Religion zu versöhnen. Das ist eigentlich ein nobler Ansatz, allerdings scheitert Küng damit bereits in den ersten Kapiteln, weil er der Wissenschaft Dinge unterstellt, die ihr so einfach nicht vorgeworfen werden können. Er hat offenbar nicht verstanden, dass die Wissenschaft, im Gegensatz zur Religion, keine Ideologie ist. Für seine Beweisführung, dass auch die Wissenschaft nicht alles zu erklären vermag, setzt er dies aber implizit (vielleicht unwissend) voraus.

Er wirft der Wissenschaft z.B. vor, dass sich „das Interesse der Naturwissenschaftler an religiösen Sachfragen in Grenzen hält“. Hier begeht Küng den Fehler, dass er Religion und Ethik gleichsetzt. Denn eigentlich will er der Wissenschaft unethisches Handeln vorwerfen, sagt aber, sie hätte kein Interesse an religiösen Sachfragen. Dass es ihm um Ethik geht, wird im folgenden Abschnitt deutlich, als er Carl Friedrich von Weizäcker in den Zeugenstand ruft, der ihm vor dem Hintergrund der atomaren Aufrüstung in der 1970ern schreibt, und von der Wissenschaft und dem Christentum verlangt, dass sie sich gegenseitig Fragen über ihr Handeln stellen müssten. Weizäcker fordert 1977 in einer Rede an der Universität Tübingen: „Sie [die Religion] muss die Wissenschaft fragen: Weißt du denn, was du tust?“

Weizäcker will hier, dass man den, wie er es nennt, erzeugten Schein der Neutralität der Wissenschaft hinterfragt. Aber die Wissenschaft ist eben vollkommen wertneutral. Nicht die Erkenntnis ist von Übel, sondern dass, was man aus ihr macht. Nicht der Forscher ist böse, sondern der Anwender des Forschungsergebnisses. Natürlich müssen Wissenschaftler nach ethischen Grundregeln handeln. Die Forschungen eines Dr. Mengele waren unethisch und verbrecherisch, weil bereits die Art der Forschung ablehnenswert war.

Ich möchte das an einem Beispiel verdeutlichen. Der Wissenschaft ist es gelungen, ein Messer zu entwickeln, das nicht stumpf wird, das Keramikmesser. Niemand wird daran zweifeln, das dies eine gute Erfindung ist. Nach Küng und Weizäcker hätten die Forscher allerdings nie dieses Messer erfinden dürfen, denn damit geschehen viele grausame Verbrechen und Menschen kommen zu Tode. Denn dieses Messer wird von den Metalldetektoren an Flughäfen nicht entdeckt und stellt damit das ideale Werkzeug für Terroristen dar. Nicht nur das, dieser Art von Messer haben wir auch die sogenannten Nacktscanner mit zu verdanken.

Und nun muss man sich die Frage stellen, wer in diesem Szenario unethisch gehandelt hat. War es der Wissenschaftler, der das Messer erfunden hat, oder war es der Terrorist, der es zur Entführung eines Flugzeugs und zum Töten hunderter Menschen verwendet hat? Ich sage, der Terrorist ist der Übeltäter, und mit ihm sogar seine Religion, die ihn dazu gebracht hat, das Verbrechen zu begehen. Die Wissenschaft hat niemanden dazu aufgefordert mit dem Messer zu morden, die Religion des Terroristen hat ihn jedoch sehr wohl dazu aufgefordert mit irgendeiner Waffe die Ungläubigen zu töten.

Die Wissenschaft tut also gut daran, keine religiösen Fragen zu beachten, denn würde sie das tun, wäre ihr Handeln der Gefahr ausgesetzt, unethisch zu werden, denn in meinen Augen sind Religionen, die abrahamitischen zumal, in ihrem Wesen unethisch.

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