Nichts als die Wahrheit

26. August 2009

Musikfans sind Verbrecher

Filed under: Piratenpartei, Urheberrecht — Argeleb @ 08:37

Wer will noch daran zweifeln, dass Musikliebhaber Verbrecher sind? Den letzten Beweis – in einer bereits beachtlichen Kette – lieferte die Musikindustrie und ihre Anwälte mit einer Abmahnaktion gegen den Verkauf gebrauchter CDs. Wohlgemerkt geht es in diesem Fall um den Wiederverkauf einer legal erworbenen Musik-CD. Scheinbar reicht der Musikindustrie bereits die bloße Möglichkeit, geistiges Eigentum zu verletzen als Abmahngrund aus.

Seit einer groß angelegten Kampagne der Medienindustrie dürfte mittlerweile sowieso jeder wissen, dass Raubkopierer Verbrecher sind. Jetzt wissen wir endlich auch, dass selbst die Menschen Verbrecher zu sein scheinen, die der Medienindustrie ihre Produkte legal abkauft.

Die Medienindustrie zeigt hier jedoch wieder einmal, dass sie nicht in der Lage ist, effizient gegen diese Verbrecher vorzugehen. Eigentlich sollte genügend Geld für Lobbyismus vorhanden sein, damit die Rechtiinhaber noch stärker gegen den illegalen Genuss von geistigem Eigentum vorgehen können.

Aber vielleicht ist die sogenannten Kreativindustrie nur nicht kreativ genug, um all die unterschiedlichen Rechtsverstöße zu erkennen und geeignet zu bekämpfen? Daher soll die folgende Aufstellung der Medienindustrie eine Hilfestellung bieten, um die zunehmende Verarmung der  Manager und Anwälte einzudämmen:

Illegales Mithören von Open-Air Konzerten

Hier könnte die Medienindustrie selbständig aktiv werden, und ihren Künstlern solche Auftritte verbieten. Jedoch würden dadurch sehr lukrative Einnahmequellen wegbrechen. Das Problem sind ja auch nicht die Besucher solcher Konzerte, denn die zahlen schließlich dafür, dass sie ihre Lieblinge bejubeln  dürfen.

Aber es gibt im Umfeld eines solchen Konzerts ein Vielzahl von Schmarotzern, die illegal die Musik, die über die Grenzen des Open-Air Geländes dringen, genießen und dafür keinen Cent bezahlen. Nicht nur zufällige Passanten, sondern vor allem Anwohner sind hier ein großes Problem. Sie müssen entweder dazu gezwungen werden, eine Gebühr für das Mithören zu bezahlen, oder sie müssen nachweisen, dass sie schalldichte Fenster besitzen, und sich dazu verpflichten (am besten notariell beglaubigt) die Fenster während des Konzertes nicht zu öffnen.

Öffentliche Aufführung lizenzierten Materials

Schalldichte Fenster müssen sowieso in Zukunft vorgeschrieben werden, auch für Bürger, die nicht im Umfeld von Konzert-Geländen leben. Denn oftmals werden in diesen Wohnungen urheberrechtlich geschütze Werke aufgeführt, ohne dass dabei berücksichtigt wird, dass Dritte ohne Bezahlung ebenfalls in den Genuss dieses Materials kommen könnten.

Als Beispiel sei hier das Hören von Radiosendungen aufgeführt. Man mag argumentieren, dass der Bewohner  ja GEZ-Gebühren entrichtet hat, aber kann der Bewohner auch garantieren, dass sämtliche Passanten ebenfalls GEZ-Gebühren entrichtet haben? Bei der Aufführung von Musik von Datenträgern (CD, DVD, Tonband, Vinyl) wird diese Gesetzeslücke noch offensichtlicher. Aber auch die Aufführung von Filmen in Privatwohnungen stellt ein urheberrechtliches Problem dar. Wieder sind die Fenster zur Wohnung das Problem. Jeder, der sich illegal Zugang zum Material verschaffen möchte, muss lediglich durch das Fenster des „Veranstalters“ schauen. Hier reichen schalldichte Fenster dann nicht mehr aus (man stelle sich nur mal vor, der Film hat Untertitel), insofern muss sichergestellt werden, dass vor dem Abspielen eines Films ein geeigneter Sichtschutz an den schalldichten Fenstern angebracht wird.

Gerade die öffentliche Aufführung urheberrechtlich geschützten Materials ist natürlich ein weites Feld. Wer kennt nicht das Problem meist jugendlicher Autofahrer, die ihre Umgebung mit ihrer Lieblingsmusik beschallen? Wo das Ordnungsamt versagt kann die Medienindustrie vielleicht Erfolge erzielen, um dieses in zweierlei Hinsicht schädliche Verhalten einzudämmen.

Wenn Sie also wieder einmal ungewollt zum Publikum für derartige illegale öffentliche Aufführungen gemacht werden, erstatten Sie Anzeige wegen Verstoßes gegen das Urheberrecht. Informieren Sie die Anwälte der Medienindustrie, damit diese Abmahnungen an Wohnungsinhaber (die dürften schließlich verantwortlich sein für das Verhalten ihrer Mieter) und Autofahrer verschicken kann. Und erstatten Sie zum Schluß bitte auch Selbstanzeige, wegen illegalem Raubkonsumierens von urheberrechtlich geschütztem Material.

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