Nichts als die Wahrheit

28. Dezember 2011

White IT – Kinderschutz oder Informationskontrolle?

Filed under: Demokratie, Grundgesetz, Piratenpartei — Argeleb @ 20:22

Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann gehört zu den Initiatoren der White IT, einem Verein, der sich angeblich dem Schutz der Kinder vor Pädokriminellen  verschrieben hat. Ich habe allerdings meine Zweifel, ob es den Politikern, vornehmlich aus der Union, die in letzter Zeit mit Vorschlägen zur Regulierung des Internet von sich Reden gemacht haben, tatsächlich um den Schutz von Kindern geht. Die Vorschläge von Ursula von der Leyen und Dr. Karl Theodor von und zu Guttenberg und anderen legen eher nahe, dass es darum geht, die Informationskontrolle wieder zu gewinnen. Welcher genaue Zweck sich dahinter verbirgt, sei einmal dahingestellt. Erstaunlicherweise kamen die meisten demokratiefeindlichen Vorschläge von Adeligen, aber das muss ja auch nichts heißen.

Nun also sollen es Hashwerte regeln. Zunächst einmal stellt sich die Frage, was es mit diesen Hashwerten auf sich hat. Hashwerte sind im Grunde genommen nichts anderes als eine Prüfsumme über eine beliebige Datei. Es gibt hierfür verschiedene Verfahren, am bekanntesten sind der SHA-1 und der MD5-Algorithmus. Allen Verfahren ist gemein, dass sie eine möglichst eindeutige Zahl mit einer Datei verbinden. Eindeutig sind diese Zahlen jedoch nie, es kann also vorkommen, dass zwei Dateien unterschiedlichen Inhalts denselben Hashwert besitzen (allerdings ist das sehr unwahrscheinlich).

Ziel dieser Verfahren ist es festzustellen, ob eine Datei manipuliert wurde. Ändert man an der ursprünglichen Datei auch nur ein Bit, so haben die beiden Dateien einen komplett anderen Hashwert. So kann z.B. die Integrität eines Downloads gewährleistet werden. Der Anbieter errechnet den Hashwert für die Originaldatei, und der Anwender kann die heruntergeladene Datei prüfen, ob sie den angegeben Hashwert besitzt. Sind die Hashwerte identisch, kann man mit ziemlicher Sicherheit sagen, dass niemand die Datei auf dem Weg zum Ziel verändert hat.

Für jede Datei kann ein Hashwert errechnet werden, und solange niemand die Datei verändert, ist ihr Hashwert immer gleich. Hier versucht nun White IT anzusetzen, indem sie vorschlagen, Bild- oder Videomaterial, das den Missbrauch von Kindern darstellt, über deren Hashwert zu filtern.

Das würde sogar funktionieren, allerdings nur unter der Voraussetzung, dass die Dateien nicht verändert werden. Aber die angeblich millardenschwere Kinderpornoindustrie wird ja nicht von grenzdebilen Vollidioten gemanagt, andernfalls wäre es ja keine Millardenindustrie. Als Boss einer dieser pädokriminellen Organisationen würde ich meine IT, die angeblich ja in Indien zu finden ist, anweisen, vor der Auslieferung dieses einschlägigen Materials, jedes mal den Hashwert zu verändern, ohne dass dabei der Inhalt verloren geht. Und das ist erstaunlich einfach, wenn man nicht, wie gesagt, ein grenzdebiler Vollidiot ist.

Man muss nur einen Filter vor die Auslieferung von Multimediadateien (Bilder, Videos und dergleichen) in seinen Web-, FTP- oder sonstigen Server einbauen, der z.B. per Steganografie die aktuelle Systemzeit in den Datenstrom (im Beispiel mit steghide) verschlüsselt, und schon hat die Datei jedes mal einen anderen Hashwert:

 date +%Y%m%d%k%M%S%N | steghide embed -cf $filename -p passwort

Folgendes kleines Demo-Skript verschlüsselt jedes mal die aktuelle Systemzeit in ein und derselben Datei. Auch wenn man dieses Skript zig mal hintereinander aufruft, lässt sich mit bloßem Auge kein Unterschied im Bild erkennen, aber der Hashwert ist jedes mal ein anderer.

#!/bin/bash
filename=white.jpg
echo Vorher:
md5sum < $filename
date +%Y%m%d%k%M%S%N | steghide embed -cf $filename -p passwort
echo Nachher:
md5sum < $filename

Falls nun also dieser Filtermechanismus tatsächlich eingeführt werden sollte, so wird er absolut nichts nützen, denn er lässt sich so kinderleicht austricksen, dass gerade Profis damit keine Schwierigkeiten hätten. Allenfalls ein paar Pädo-Kleinkriminelle könnte man damit erwischen, aber an die Quellen kommt man damit wirklich nicht heran. Dafür ist nach wie vor personal- und zeitintensive (und möglicherweise internationale) Polizeiarbeit nötig.

Und da ich davon ausgehe, dass unseren Politikern  das oder ähnliches bereits von ihren Beratern gesagt wurde, muss ich annehmen, dass der Schutz der Kinder das Letzte ist, was diese Politiker im Sinn haben (oder sie sind komplett beratungsresistent).

Generell muss ich festhalten: Grundgesetzkonform lässt sich mit Hilfe technischer Verfahren der Konsum, die Verbreitung und die Herstellung von Missbrauchdarstellungen leider nicht verhindern.

Da dies so ist, sollten die Verantwortlichen endlich damit aufhören, solche Vorschläge zu bringen

2. Juni 2010

Ursula von der Leyen – Nein! Nein! Nein!

Filed under: Demokratie, Grundgesetz, Piratenpartei, Zensur — Argeleb @ 12:19

Zensursula - Not my presidentDass Horst Köhler nicht mehr Bundespräsident ist, hatte ich zunächst nicht bedauert, schließlich hat er sich als zu radikaler Christ geoutet. Hätte ich jedoch geahnt, welche Alternative nun von der CDU ins Spiel gebracht wird, wäre mein Bedauern vielleicht etwas größer gewesen.

Ursula von der Leyen ist nur für eines bekannt: Hemmungslosen Opportunismus und Populismus. Dass sie es mit der Demokratie auch nicht zu genau nimmt, hat das Zugangserschwerungsgesetz überdeutlich gezeigt.

Es ist ein Armutszeugnis für die Politik unserer heutigen Zeit, dass aus diesen Kreisen niemand Besseres gefunden werden kann, als Ursula von der Leyen.

Das Amt des Bundespräsidenten ist zwar hauptsächlich ein Repräsentatives, aber dennoch obliegt es dem Bundespräsidenten, Gesetzte zu unterzeichnen und offensichtlich verfassungswidrige Gesetze eben nicht zu unterzeichnen. Nun gut, daran ist auch bereits Köhler mehrfach gescheitert, aber Frau von der Leyen wird mit großer Freude verfassungsfeindliche Gesetze durchwinken. Diesen Eindruck muss man leider gewinnen, wenn man sich den politischen Werdegang dieser Frau ansieht.

Nein! Diese Frau darf niemals Bundespräsident werden. Wenn die CDU und vor allem die FDP Respekt vor dem Amt des Bundespräsidenten hat, dann verzichtet sie auf die Nominierung dieser Frau.

Auf Facebook gibt es seit kurzem eine Gruppe, die sich auch gegen Frau von der Leyen als Bundespräsident ausspricht: Zensursula – Not my president.

Natürlich hat sich auch netzpolitik.org der Frage gewidmet, ob Zensursula die richtige Wahl für dieses höchste Amt in der Bundesrepublik wäre.

Auf heise.de findet sich ein sehr lesenswerter Artikel, der sich mit dem Vorschlag der Kandidatur der Frau von der Leyen als Bundespräsidenten auseinandersetzt.

Nochmals: Ursula von der Leyen darf nicht Bundespräsident werden!

14. Mai 2010

Campus Software: Warum nicht Open Source?

Filed under: Bildung, Open Source, Piratenpartei — Argeleb @ 14:45

In der heutigen Ausgabe der Financial Times Deutschland fand sich ein Artikel, der sich mit dem zunehmenden Bedarf an Verwaltungssoftware für Hochschulen beschäftigt. Die Autorin sieht hier einen Millionenmarkt für die Softwareindustrie, und vermutlich hat sie damit auch Recht.

Aber angesichts der knappen Kassen der Länder, ist es doch sehr unwahrscheinlich, dass genügend Mittel zur Verfügung stehen, um solche Software-Systeme für alle Hochschulen anschaffen zu können. Wenn man dann noch sieht, wie sehr gerade Unionspolitiker bei den Bildungsausgaben auf die Bremse steigen wollen, ist es noch zweifelhafter, dass diese Investitionen in näherer Zukunft getätigt werden.

Firmen wie SAP, IBM, Microsoft verdienen jetzt bereits sehr gut an den Hochschulen. Das Unternehmen Datenlotsen hat sich auf den Bereich der Hochschulsoftware spezialisiert und arbeitet hier auch eng mit Microsoft zusammen. Es dürfte klar sein, dass also nicht nur die Software der Datenlotsen (die jährlich mit bis zu 80000€ zu Buche schlägt) zu bezahlen ist, sondern auch noch die Microsoft Infrastruktur finanziert werden muss.

Das Unternehmen HIS (Hochschul-Informations System) GmbH erwirtschaftete 2009 einen Umsatz von 22 Mio. €. Dieses Unternehmen wird Bund und Ländern getragen. Es ist ermutigend zu sehen, dass HIS über einen „Arbeitsbereich Informationssysteme und Open Source“ verfügt. Es fragt sich nur, was dieser Bereich denn genau macht.

Nach wie vor wird bei der Beschaffung von Software für staatliche Einrichtungen zunächst der Markt für proprietäre Produkte herangezogen. Dabei wäre es doch gerade für Hochschulen naheliegend, die benötigte Software eigenständig zu entwickeln. Einige Anstrengungen in diese Richtung gibt es wohl bereits: CampusSource

Die Hochschulen hätten in zweierlei Hinsicht Vorteile von der Entwicklung einer freien Software für ihre Verwaltung: Studenten der Informatik Fakultäten könnten an einem Großprojekt mitarbeiten und so sehr viel lernen, gerade Techniken der Zusammenarbeit. Als Mitglieder der Hochschulen kennen die Studierenden die Anforderungen an ein solches System sehr genau, denn sie müssten ja auch damit arbeiten.

Statt also das knapp bemessene Budget den Softwareriesen in den Rachen zu werfen, wären die Hochschulen gut beraten, wenn sie sich zusammenfinden würden, und  freie Software entwickeln, die auch noch für die Studenten als Lehrmittel zur Verfügung stünde (Diplomarbeiten, etc.)

Freie Software für Bildungseinrichtungen!

1. Mai 2010

Piraten: Partei des evolutionären Humanismus?

Filed under: Humanismus, Piratenpartei — Argeleb @ 12:44

Dr. Frank Berghaus schlägt in seinem Beitrag auf wissenrockt.de die Gründung einer humanistischen Partei vor, die eben nicht nur die Säkularisierung zu ihren Zielen erklärt. Aber eine humanistische Partei gibt es bereits: Die Humanistische Partei (HP)

Eine rein humanistisch ausgerichtete Partei würde offenbar ebenso unter dem Stigma der Einseitigkeit leiden, wie man es gerne der Piratenpartei unterstellt. Die Piraten sind sich sehr wohl bewusst, dass sie mittelfristig ihr Programm erweitern müssen. Doch auf der Grundlage welches Wertesystems soll die Partei denn nun eigentlich ihr Programm erweitern. Ethische Beliebigkeit kann sicher nicht die Grundlage für ein trag- und mehrheitsfähiges Programm sein.

Die Ausarbeitung eines Vollprogramms ohne eine grundsätzliche weltanschauliche Basis wird daher nicht möglich sein. Denn wie soll man Fragen der Sozialpolitik, der Außenpolitik oder der Wirtschaftspolitik beantworten, wenn die Mitglieder der Partei keinen Konsens ihrer Werte hergestellt haben. Die Piraten wären also gut beraten, wenn sie sich zunächst einmal auf eben diesen Wertekanon einigen würden. Wie dieser aussehen sollte, möchte ich im Folgenden skizzieren.

Als Piratenpartei sind wir immer bestrebt, die bestmögliche Lösung für ein konkretes Problem anzubieten. Viele Probleme unseres Alltags lassen sich daher mit Hilfe wissenschaftlicher Methoden lösen. Im Zentrum unserer Politik steht der Mensch, und die Wissenschaft weiß mittlerweile sehr gut, wie der Mensch so tickt. Richten wir also unsere Politik an den wissenschaftlichen Erkenntnissen aus, dann wird sich die Situation der Menschen in unserer Gesellschaft verbessern, und das sollte doch das Ziel jedes politischen Handelns sein.

Ein Beispiel: Auch wenn es etwas esoterisch klingt, es gibt seit den 1980er Jahren die Glücksforschung, deren Ziel die Erforschung des Glücks ist. So hat man herausgefunden, dass für das individuelle Glücksempfinden der relative Wohlstand eine höhere Bedeutung hat, als der absolute Wohlstand. Wenn also in einer Gemeinschaft alle in etwa dasselbe verdienen, so sind die Menschen dort glücklicher, als in einer Gemeinschaft, in der es große Unterschiede im Einkommen gibt. Dies lässt sich auch unmittelbar in der Lebenserwartung ablesen. Kurz gesagt heißt das: Lieber ein Armer unter Armen, als ein Reicher unter Superreichen.
Menschen mit höherem Einkommen sind glücklicher, wenn sie Menschen mit niedrigerem Einkommen kennen. Dieser Sachverhalt erklärt im Übrigen auch, warum sich die Menschen so gerne Doku-Soaps, wie „Raus aus den Schulden“ anschauen, denn dort wird ihnen ihr relativer Wohlstand vor Augen geführt, wodurch sie sich dann zufriedener fühlen.

Das Lieblingsbuch vieler Piraten ist ja bekanntlich das Grundgesetz. In der öffentlichen Wahrnehmung gelten die Piraten ja fast ausschließlich als eine Bürgerrechtsbewegung, und diesem Umstand hat die Partei ja auch ihr rasantes Wachstum zu verdanken. Dass der Ursprung der Verfassung der Bundesrepublik Deutschland in der Tradition humanistischer Aufklärung zu suchen ist, dürfte mittlerweile jedem klar sein, auch wenn christliche Politiker nicht müde werden, immer wieder das Märchen des „christlichen Abendlandes“ zum Besten zu geben.

Alle etablierten Parteien versuchen die christliche Mehrheit in unserem Land zu umgarnen. Allen voran natürlich die CDU/CSU. Aber selbst Mitglieder aus Parteien, von denen man erwarten würde, dass sie keine religiösen Wurzeln haben, trauen sich nicht auf die Gottesformel zu verzichten.

Im Moment mag es politisch noch klug sein, auf christliche Werte zu schielen, denn die Rentner stellen mittlerweile die größte Wählergruppe dar. Und unter diesen Menschen ist der Glaube noch stark verbreitet. Doch die Zahl der Konfessionslosen steigt unaufhörlich. Je jünger die Menschen sind, desto ungläubiger sind sie. Mit anderen Worten: Den christlichen Parteien sterben ihre Anhänger weg.

Wenn wir als Piratenpartei uns, aus Überzeugung und nicht aus Opportunismus, zum evolutionärem Humanismus und zum Laizismus bekennen, dann können wir die Interessen der Konfessionslosen vertreten. Wenn wir dann noch ein Vollprogramm ausarbeiten, das auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruht, dann können wir eine dauerhaft ernst zu nehmende politische Kraft in diesem Land werden. Auch wenn wir dadurch möglicherweise einige religiöse Menschen verlieren oder verprellen, so  könnte ich damit sehr gut leben. Wir können nicht jedermanns Freund sein, oder wie es einst Franz-Josef Strauß ausgedrückt hat:

Wer everybody’s Darling sein möchte, ist zuletzt everybody’s Depp

Wenn wir also aus falscher Toleranz gegenüber den Religiösen, weltanschauliche Beliebigkeit pflegen, dann werden wir untergehen. Daher lauten meine Forderungen an die Piraten:

23. April 2010

Konkordate, ein Skandal

Filed under: Demokratie, Piratenpartei, Religion — Argeleb @ 08:25

Es ist bedauerlich, dass es erst zu solch schweren Missbrauchsfällen in den Kirchen kommen musste, dass wir uns heute über das Verhältnis von Staat und Kirche öffentlich Gedanken machen.  Der Fall des Bischof Mixa führt allen Interssierten vor Augen, was da in unserem Land abgeht.

In den verschiedenen Kirchenstaatsverträgen wird geregelt, welche Privilegien die katholische Kirche in Deutschland genießt. Auf der Seite „Spart euch die Kirche“ wird sehr schön aufgeschlüsselt, wie viel Geld der Staat jährlich für die Kirchen ausgibt. Zu diesen  Zahlen müssen dann noch die Einnahmen aus der Kirchensteuer hinzugerechnet werden.

Wer also glaubt, durch einen Kirchenaustritt die Machenschaften der Kirchen nicht weiter mit zu finanzieren, der irrt gewaltig, denn er zahlt mit seinen Steuergeldern weiterhin die Gehälter der Bischöfe oder die Instandsetzung des Klosters Andechs.

Diese Zuwendungen erhalten die Kirchen aufgrund der Verträge, die Deutschland mit den Kirchen abgeschlossen hat: Die Konkordate.

Fragt man heute verantwortliche Politiker nach diesen Verträgen, dann bekommt man als Rechtfertigung zu hören, dass diese Zahlungen aufgrund von Enteignungen der Kirche im 19. Jahrhundert geleistet werden.

Wie bitte?

Nochmal: Weil die Kirchen enteignet wurden, zahlt der Staat die Bischofsgehälter!

Wie sind denn die Kirchen damals an dieses Eigentum gelangt, das ihnen wieder genommen wurde? Die haben sich das doch größtenteils ergaunert, mit Ablasshandel oder weil sie den Bauern „den Zehnten abgepresst“ haben, und was weiß ich noch nicht alles.

Und das Beste an diesen Verträgen: Sie können nur im gegenseitigen Einvernehmen gekündigt werden! Hallo!? Und solche Knebelverträge sind auch noch völkerrechtlich bindend. Wenn das mal nicht ein himmelschreiender Skandal ist.

Ich würde der Bundesrepublik empfehlen, diese Konkordate einseitig aufzukündigen und nicht weiter zu bedienen.

10. April 2010

Marktstandards im IT-Staatsvertrag

Filed under: Microsoft, Open Source, Piratenpartei — Argeleb @ 17:18

Seit dem 1. April ist der IT-Staatsvertrag in Kraft, der die Zusammenarbeit von Bund und Ländern in IT-Fragen verbessern soll. Ein Aspekt dieses Staatsvertrages sorgt zur Zeit für Verwirrung, und zwar §3 Absatz (1) im Abschnitt II:

(1) Für den im Rahmen ihrer Aufgabenerfüllung notwen-
digen Austausch von Daten zwischen dem Bund und den
Ländern sollen gemeinsame Standards für die auszutauschen-
den Datenobjekte, Datenformate und Standards für Verfah-
ren, die zur Datenübertragung erforderlich sind, sowie IT-
Sicherheitsstandards festgelegt werden. Hierbei ist vorrangig
auf bestehende Marktstandards abzustellen
.

Als problematisch wird der hervorgehobene Satz betrachtet. Dies hat Matthias Kirschner von der FSFE in seinem Beitrag auf netzpolitik.org sehr ausführlich und gut verständlich dargelegt.

Laut einem heise Bericht hat das Abgeordnetenhaus in Berlin fraktionsübergreifend beschlossen, dass diese vorrangige Verwendung von Marktstandards nicht zu einer Stärkung oder Herbeiführen von marktbeherrschenden Positionen von Anbietern technischer Systeme führen darf. Genau heißt es dort:

Die im Staatsvertrag vorgesehene vorrangige Verwendung beste-
hender Markstandards darf nicht zu marktbeherrschenden Positio-
nen von Anbietern dieser technischen Standards führen.

Die im Staatsvertrag erwähnten Marktstandards meinen nicht dasselbe, wie wir sie umgangssprachlich verstehen. Sie sind eben nicht die De-Facto Standards eines Monopolisten. Allerdings handelt es sich auch nicht um De-Jure Standards. Mithin handelt es sich also bei diesem Begriff um Wischi-Waschi.

Da umgangssprachlich eben genau diese De-Facto Standards gemeint sind, werden Anbieter solcher Standards den IT-Staatsvertrag als Argument für ihre eigenen proprietären Standards missbrauchen, indem sie sagen, dass selbst die Behörden ihre „Marktstandards“ als zu bevorzugen betrachtet.

Aber warum ist der Staat hier eigentlich so zögerlich? Sollte der Staat nicht vielmehr darauf drängen, dass sich die IT-Wirtschaft nach den Regeln des Staates verhält, statt umgekehrt. Ich meine, der Staat setzt die Rahmenbedingungen für die Wirtschaft. Und gerade in der Kommunikation mit staatlichen Stellen sollte der Staat vorschreiben, in welchem Format das zu geschehen hat.

Der Staat hat hier ein starkes Eigeninteresse, das in diesem Staatsvertrag meiner Ansicht nach auch vorgeschrieben sein sollte. Die Interessen des Staates sind hier die Folgenden:

  1. Interoperabilität
    Es muss gewährleistet sein, dass alle Behörden untereinander Dokumente ohne technische Hürden austauschen können
  2. Nachhaltigkeit
    Es muss gewährleistet sein, dass Dokumente auch nach sehr langer Zeit und auch nach mehreren Versions- oder Plattformwechseln nach wie vor les- und bearbeitbar bleiben.
  3. Unabhängigkeit
    Zum einen muss gewährleistet sein, dass sich der Staat nicht von einem Anbieter abhängig macht, des weiteren muss ebenso gewährleistet sein, dass die Bürger frei entscheiden können, welche Software sie zur Bearbeitung von Dokumenten verwenden

Aus diesen Gründen ist es nur legitim, wenn der Staat offene und freie Dokumentformate verpflichtend vorschreibt. Es ist aus Sicht des Gemeinwesens auch nicht verwerflich, wenn der Staat die Ausnahmen stark begrenzt.

Was würde das denn nun konkret bedeuten, wenn der Staat offene und freie Dokumentformate zwingend vorschreibt? Nehmen wir mal als Beispiel Office Dokumente. Ich will hier auch gerne Ross und Reiter nennen.

Wenn der Staat die Verwendung des Dokumentformats ISO/IEC DIS 26300 (OpenDocument) vorschreibt, dann hat dies folgende Konsequenzen:

  1. Microsoft wäre gezwungen, dieses Format vollständig zu unterstützen, wenn sie weiterhin Software an staatliche Organisationen verkaufen möchte
  2. Firmen, die Dokumente mit Behörden austauschen, müssten Produkte einsetzen, die dieses Format unterstützen
  3. Bürger müssten ebenfalls Programme verwenden, die dieses Format unterstützen

Diese Konsequenzen wären für alle Beteiligten von enormen Vorteil, außer vielleicht für Microsoft. Denn Microsoft hat natürlich kein Interesse an der Abschaffung des Vendor-Lock-In. Nachteile entstünden keine, denn so gut wie jedes Office-Produkt unterstützt mittlerweile OpenDocument, selbst das aus dem Hause Microsoft.

Ich würde daher sehr dafür eintreten, nicht diesen Wischi-Waschi Begriff „Marktstandard“ zu verwenden, sondern ganz konkret von offenen und freien Standards zu sprechen!

29. März 2010

Schafft das Internet endlich ab!

Filed under: Demokratie, Piratenpartei, Satire, Zensur — Argeleb @ 08:32

Was soll dieser ganze Zensur-Minimalismus unserer Politiker? Da werden dauernd irgendwelche halbgaren Forderungen unter fadenscheinigen Argumenten gestellt. Dies muss zensiert werden, weil es die moralische Entwicklung unserer Kinder unterwandert. Jenes soll zensiert werden, weil es die Demokratie zersetzt.

Schluss mit dem ganzen Klein-Klein. Schaltet das Internet ab! Es ist offensichtlich von Übel. Wenn jeder ohne jegliche Kontrolle plötzlich sagen und schreiben könnte was er wollte, wo kämen wir denn da hin?

Und da das nicht reichen wird, plädiere ich überdies dafür, auch gleich sämtliche Medien unter staatliche Kontrolle zu bringen. Dieses staatszersetzende Berichterstattung darf nicht weiter unsere Kinder vergiften!

Zeitungen müssen ebenfalls reguliert, wenn nicht gar abgeschafft werden. Und Bücher gehören nicht in Bibliotheken, sondern auf den Index!

Wenn sich die Bürger fortbilden und informieren wollen, dann sollen sie gefälligst in die Kirche gehen, und ihrem Pfarrer lauschen, der weiß schließlich, was gut für sie ist.

14. März 2010

Kindesmissbrauch in der Kirche – na und?

Filed under: Piratenpartei, Religion — Argeleb @ 14:59

Es vergeht praktisch kein Tag, an dem nicht ein neuer Fall von sexuellen Missbrauch oder Misshandlungen an Kindern durch einen Vertreter der großen Kirchen publik wird. Und die Öffentlichkeit reibt sich verwundert die Augen und regt sich darüber furchtbar auf. Warum eigentlich? Klar, das sind schlimme Sachen, die da passiert sind, aber muss man sich darüber wirklich so furchtbar aufregen.

Die Kirchen missbrauchen die Kinder doch schon seit jeher, und niemand hat sich darüber bislang nennenswert beschwert. Ganz im Gegenteil sogar, die Leute heißen das auch noch gut und feiern den Missbrauch sogar noch. Ich rede jetzt allerdings nicht vom sexuellen Missbrauch, sondern vom intellektuellen Missbrauch.

Die Kirche schnappt sich die Kinder so früh wie möglich um sie ideologisch zu penetrieren, so dass sie letztendlich keine Chance haben sich gegen diese Gehirnwäsche zu wehren. Und die Eltern, selbst wenn sie nicht gläubig sind, geben ihre Kinder in die Obhut der Kirche, weil sie die gesellschaftliche Ächtung fürchten. Ich höre oft das Argument: „Ich muss mein Kind taufen lassen, ansonsten hat es es sehr schwer in der Schule. Und was würden die Nachbarn sagen?“

Dass die Kinder das womöglich gar nicht wollen wird dann gerne mit dem Argument weggewischt, dass sie sich ja später selbst entscheiden könnten, ob sie den Glauben annehmen wollen oder nicht.

Ist das wirklich so? Die Kinder werden als Jugendliche nochmal gebeten die Taufe zu bestätigen. Bei  den Protestanten heißt dieses Ritual Konfirmation. Im Vorfeld dieser Feier werden die Heranwachsenden nochmal intensiv indoktriniert, um dann in einer großen Feier gefragt zu werden, ob sie den Glauben annehmen. Mir ist kein Fall bekannt, bei dem ein Kind während des Gottesdienstes zur Konfirmation „Nein“ gesagt hätte.

Stellen wir uns doch kurz einmal vor, bei der Konfirmation ginge es nicht um den intellektuellen Missbrauch, sondern um einen sexuellen Missbrauch. Folgende fiktive Szene würde sich in der Kirche abspielen:

Pfarrer: „Und du mein Kind, möchtest du denn weiterhin betatscht und missbraucht werden? Willst du weiterhin an den Kirchenvertretern sexuelle Handlungen vornehmen?“
Kind: „Ja, ich möchte das!“
Pfarrer: „Jetzt bist du ein vollwertiges Mitglied unserer Gemeinschaft“
Eltern, unter großem Beifall: „Hier Kind, hast du viele Geschenke und Geld“
Kind: „Ui, danke, eine PlayStation 3, wow!“

Kinder wurden und werden von den christlichen Religionen täglich missbraucht, aber niemand schert sich darum. Würden sich die Leute mal ernsthaft Gedanken darüber machen, was sie ihren Kindern damit antun, dann wäre die Welt eine bessere.

Der sexuelle und körperliche Missbrauch der Kinder ist wirklich abscheulich, und ich will hier gar nichts klein reden, aber 2000 Jahre währender geistiger Missbrauch wiegen in meinen Augen schwerer. Diesem Missbrauch haben wir so viele Greueltaten zu verdanken, dass man fast dankbar sein muss, dass jetzt durch diese Taten die Kirchen ihr wahres Gesicht zeigen. Einen positiven Aspekt kann ich den Ereignissen noch abringen: Die Zahl der Kirchenaustritte ist seit der Aufdeckung der Missbrauchsfälle sprunghaft angestiegen.

Und wo ist jetzt eine Frau von der Leyen? Hier haben wir Fälle von echtem Missbrauch, ich würde mir jetzt wünschen, sie würde ebenso lautstark die Kirchen angreifen, wie sie es einst mit dem Internet gemacht hat.

Die Kirchen sollen sich aus der Bildung und der Kinderbetreuung heraus halten. Bildung und Christentum sind doch sowieso ein krasser Widerspruch. Je gebildeter die Menschen sind, desto eher kehren sie dem Christentum den Rücken. Welches ernsthafte Interesse sollten also die Kirchen an Bildung haben?

Der Staat sollte besser das Geld, das sie im Namen der Kirchen eintreiben, dazu verwenden die Bildung und Kinderbetreuung selbst zu organisieren. Statt eine Kirchensteuer zu erheben, sollte der Staat eine Bildungs- und Betreuungssteuer erheben, die dazu verwendet wird, vernünftige Schulen und Kinderbetreuungseinrichtungen zu finanzieren.

Im Jahre 2007 betrug der Umfang der Kirchensteuer ca. 9Mrd €. Mit diesem Geld könnte man viele Schulden und Kindergärten bauen! Aber zum Glück kann man dieser Steuer ja sehr leicht entgehen, indem man aus der Kirche aus tritt. Je nach Bundesland entstehen dabei allerdings Kosten, die man aber recht schnell wieder herein bekommt. Das gesparte Geld kann man dann ja wieder in die Bildung der eigenen Kinder stecken.

28. Februar 2010

Piraten und Open Source, die AG-FLOSS

Filed under: Open Source, Piratenpartei — Argeleb @ 15:30

Die Piratenpartei setzt sich ja bekanntlich sehr stark für Freiheit ein. Aus diesem Grund haben sich einige Piraten bereits in der AG-FLOSS zusammengefunden, um dem Thema Freie und offene Software den Stellenwert zu verleihen, den sie ihrer Ansicht nach verdient.

Wir suchen daher noch engagierte Mitstreiter, denen auch die Freiheit und Offenheit bei Software am Herzen liegt. Mittlerweile haben wir bereits einige grundlegende Kommunikationsinfrastukturen innerhalb der Partei besorgt:

Wir verfolgen mit der AG-FLOSS mehrere Ziele, innerparteilich wie gesellschaftlich und politisch. Bislang befinden wir uns noch in der Phase der Ideensammlung, und würden uns daher sehr freuen, wenn wir viele Piraten finden, die dabei helfen möchten.

2. Januar 2010

Der Gesellschaftsvertrag

Filed under: Demokratie, Piratenpartei — Argeleb @ 17:36

In allen Zeiten war das Verhältnis des Individuums zur Gesellschaft von zentraler Bedeutung. Schon in der Antike gab es viele Denkrichtungen, die mal das Individuum ins Zentrum rückten, und mal die Gesellschaft. Auch in unserere heutigen Zeit fragen wir uns immer wieder, wie das Verhältnis zwischen der Gesellschaft und dem Individuum geregelt werden soll.

Manche sind der Ansicht, der Einzelne habe gewisse Ansprüche gegenüber der Gesellschaft, so als müsse die Gesellschaft dafür Sorge tragen, dass es jedem Einzelnem gut ergehe. Dies allerdings vermag die Gesellscaft nicht zu leisten, da jeder andere Ansprüche hat, und einige davon nur sehr schwer zu befriedigen sind. Vor allem würden durch die Befriedigung von Ansprüchen durch die Gesellschaft immer neue Ansprüche entstehen, und so würde am Ende die Gesellschaft als Ganzes unter der Last der Ansprüche zusammenbrechen.

Nun ist es aber zur Zeit so, dass genau dieser Ansatz versucht wird zu verfolgen. Der Staat wird heute in die Pflicht genommen für das Wohlergehen seiner Bürger zu sorgen. Das ist auch in den letzten Jahrzehnten mehr oder minder gut gelungen, aber zunehmend gerät der Staat an die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit. Zu beobachten ist dies in erster Linie an der ausufernden Staatsverschuldung. In den Anfangstagen der Bundesrepublik Deutschland waren die Bedürfnisse der Bürger noch relativ leicht zu erfüllen. Ziel war es Wohlstand für alle zu ermöglichen. Das bedeutete damals jedoch nur, dass niemand mehr Hunger, Krankheit und Obdachlosigkeit erleiden musste. Diesen Zustand haben wir in Deutschland längst erreicht, aber dennoch besteht in der Gesellschaft oft große Unzufriedenheit, die der Staat gefälligst zu beseitigen habe. Damit er das zu leisten vermag, nimmt man gerne in Kauf, dass nachfolgende Generationen darunter zu leiden haben.

Diese Spirale des Wohlstands lässt sich nicht bis ins Unendliche fortschreiben. Wir leben heute schon auf Kosten der Umwelt und der nächsten Generation. Aus diesem Grund muss ein neuer Vertrag zwischen Gesellschaft und Individuum her, der das Verhältnis beider auf ein absolutes Minimum beschränkt.

Der Vertrag

§1 Die Gesellschaft sichert zu, dass sie keinem Individuum Schaden zufügt

§2 Das Individuum sichert zu, dass sie der Gesellschaft keinen Schaden zufügt

Auswirkungen

Durch diese einfachen Paragraphen ist das grundlegende Verhältnis zwischen Gesellschaft und Individuum, also Staat und Bürger, klar definiert. Aus ihnen sollten sich alle weiteren Details ableiten lassen. Aber was bedeutet dies nun im Einzelnen? Zunächst bedeutet es, dass keine der Parteien einen Anspruch gegenüber dem anderen hat. Konkret auf die heutige Situation angewandt hieße dies, dass der Staat keinen Anspruch auf Steuereinnahmen hätte, aber auch das Individuum keinen Anspruch auf Sozialleistungen.

Es wird hier auch nicht das Verhältnis der Individuen untereinander geregelt. Man könnte einen dritten Paragraphen einführen: Das Individuum sichert zu, dass es keinem anderen Individuum Schaden zufügt

Allerdings ist dieser dritte Paragraph in einem minimalen System unnötig, da die anderen Individuen in der Gesellschaft nicht von Belang sind, es sei denn, sie schädigen die Gesellschaft und verstoßen so gegen den Vertrag. Tritt dieser Fall ein, so ist das Verhalten eines Individuums gesellschaftlich relevant. Beispiel: Wenn ein Individuum (Täter) einem anderen Individuum (Opfer) Schaden zufügt, dann ist dies zunächst für die Gesellschaft nicht von Bedeutung. Wenn nun aber das Opfer derartig geschädigt wird, dass es Ausgleich von der Gesellschaft fordert, dann muss die Gesellschaft das Handels des Täters würdigen (sprich: diesen zur Rechenschaft ziehen oder gar in Regress nehmen). Das Opfer hat zwar keinerlei Anpruch gegenüber der Gesellschaft, aber es wird dennoch Ausgleich fordern, und somit womöglich Unruhe in die Gesellschaft bringen, was diese widerum als Schaden empfindet. Somit bleibt das Handeln des Täters nicht länger privat.

Die Finanzkrise 2009 ist hierfür ein gutes Beispiel. Hier wurde durch das Handeln einiger Täter die Gesellschaft nachhaltig geschädigt, indem deren Verluste vergesellschaftet wurden (siehe Hypo Real Estate oder die BayernLB)

Fazit

Dies soll kein Vorschlag für ein neues Gesellschaftsmodell sein, sondern lediglich ein Hinweis darauf, dass wir vom Anspruchsdenken loskommen müssen, wenn wir weiterhin in Freiheit, Frieden und Wohlstand zusammenleben wollen. Dies lässt sich sehr einfach erreichen, indem wir alle bescheidener werden.

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