Nichts als die Wahrheit

2. Oktober 2010

Sony Ericsson Xperia X10 Update – Ein Trauerspiel

Filed under: Android, Kritik, linux, Open Source, windows — Argeleb @ 13:14

Es ist ein Trauerspiel! Zunächst möchte ich vorweg schicken, dass das Sony Ericsson Xperia X10 eigentlich ein hervorragendes Smartphone ist, und dass ich damit sehr zufrieden bin. Allerdings bin ich nicht unbedingt das Maß aller Dinge, wenn es um Mobiltelefone geht, denn ich brauche im Grunde genommen gar keines. Andere, die mehr mit ihrem Smartphone machen, als es im Wohnzimmer herumliegen zu lassen, hätten gerne aktuelle Software auf ihrem Gerät.

Sony Ericsson wurde in letzter Zeit zu Recht dafür kritisiert, dass sie ein brandneues Gerät (erschienen Anfang 2010), mit einer „veralteten“ Software ausliefern (Android 1.6). Sony Ericsson wird jedoch nicht müde zu betonen, dass ein Update auf die Version 2.1 demnächst veröffentlicht werden soll. Das ist insofern lustig, weil schon seit geraumer zeit, Android 2.2 aktuell ist. Damit warten die Anwender des X10 also auf ein Update auf eine heute bereits veraltete Software. Aber als wäre das nicht schon schlimm genug, verzögert sich dieses „Update“ auch noch. Zunächst war als Termin der September 2010 vorgesehen, aber selbst dieser verspätete Termin wurde wieder verschoben.

Man spekuliert mittlerweile, dass, wenn das Update endlich erscheint, bereits Android 3.0 aktuell sein wird. Es wird also spannend sein zu sehen, was zuerst kommt, Android 2.1 auf dem X10 oder Android 3.0.

Aber damit ist das Trauerspiel um Sony Ericsson leider noch nicht zu Ende. Wie gesagt, mache ich nicht viel mit meinem X10, daher kann ich die veraltete Software durchaus verschmerzen. Wenn jedoch das Update dann mal kommen sollte, dann werde ich es natürlich auf meinem Telefon installieren. Daher habe ich mich auf den Seiten von Sony Ericsson schon mal umgesehen, wie man dieses Update denn installieren wird.

Es gibt dafür den sogenannten Update-Service. Eine Software, mit deren Hilfe man die Software auf dem X10 aktualisieren kann. Mal abgesehen davon, dass es eine Frechheit ist, Microsoft Windows für ein Update eines Telefons vorauszusetzen, dass unter Linux läuft, ist es von den Software-Entwicklern von Sony Ericsson auch noch unheimlich dumm!

Ich habe die Software heruntergeladen, in der Hoffnung, dass es möglich ist, sie mit Wine zum Laufen zu bringen. Die Installation verlief problemlos und die Software lies sich auch starten, aber die Bedienung war mehr oder weniger nicht möglich, was mein Vertrauen in diese Software so sehr erschüttert hat, dass ich auf einen Einsatz mit meinem Handy verzichtet habe.

Verschobene Buttons in der Oberfläche

Verschobene Buttons in der Oberfläche

Während der Installation ist mir jedoch aufgefallen, dass auch ein JRE installiert wird. Moment! Eine Java Runtime Environment? Hm, dann müsste es sich bei dieser Software ja um eine Java Software handeln. Und Java Software sollte doch prinzipiell platformunabhängig sein.

Meine Hoffnung war also, dass das Windows-Program nur ein EXE-Wrapper für eine Java Software sei und durch die Verwendung der Linux-Version von Java die Software besser funktionieren könnte. Daraufhin habe ich das Installations-Verzeichnis näher untersucht und musste zu meinem Erstaunen feststellen, dass es sich bei dem Programm um eine Eclipse RCP-Anwendung handelt. Als Eclipse Software-Entwickler, der mit RCP einiges an Erfahrung hat, weiß ich, dass Eclipse RCP-Anwendungen auf den Plattformen Windows, Linux und MacOS und den Architekturen x86, x86_64 laufen. Und das schöne ist, dass man dafür nicht einmal besonders viel Aufwand betreiben muss. Man benötigt lediglich das RCP-Delta-Pack und einen PDE-Build (ich empfehle den Entwicklern von Sony Ericsson mal diesen Link als Einstieg zum Thema Build einer Eclipse RCP Anwendung)

Man könnte jetzt natürlich einwenden, dass die Kommunikation mit dem Gerät über die USB Schnittstelle zu plattformspezifisch ist, und daher keine Version für Linux und MacOS zu Verfügung gestellt werden kann. Aber das dürfte kein nennenswertes Problem sein, da  Sony Ericsson für die Kommunikation scheinbar die Bibliotheken von SerialIO verwendet (im Plugins-Verzeichnis befinden sich folgende Dateien:  com.serialio_2.10.9.13.jar und com.serialio.win32.x86_2.10.2.0.jar). In meiner Arbeit verwenden wir ebenfalls die Bibliotheken dieses Herstellers und daher weiß ich, dass es von denen ein Multiplattform-Paket gibt (für alle oben genannten Plattformen und noch viel mehr).

Fazit

Es sollte doch für ein Unternehmen, wie Sony Ericsson, möglich sein, wenn sie schon Multi-Plattform Software wie Eclipse, Java und SerialIO einsetzen, dass sie auch ihre Software für Linux und MacOS anbieten. Auf der einen Seite gibt mir das natürlich Hoffnung, aber auf der anderen Seite bin ich auch maßlos enttäuscht von der Dummheit und/oder Ignoranz des Unternehmens. Schade!

4. Juni 2010

Linux – Vielfalt und Freiheit

Filed under: linux, Open Source, ubuntu — Argeleb @ 12:41

Linux everywhere? Diesen Eindruck kann man gewinnen, wenn man sich die aktuelle Nachrichtenlage näher betrachtet. Zur Zeit erscheint es mir, als würden sich die Nachrichten mit Linux-Schwerpunkt geradezu überschlagen. Im Börsenteil der FTD lese ich heute, dass am gestrigen Handelstag der Aktienkurs von Texas Instruments davon profitiert hat, weil sich dieses Unternehmen für das freie Betriebssystem engagiert. Linux ist damit ein weiteres man ein positiver Faktor für den Börsenwert eines Unternehmens geworden.

Mittlerweile gibt es so viele verschiedene Varianten von Linux und so viele Beteiligte, die sich aus den unterschiedlichsten Beweggründen für Linux engagieren, dass ich mal versuchen will, ein bisschen Licht in dieses Dickicht zu bringen.

Die Varianten

Server und Desktop

Fangen wir mit den klassischen Server- und Desktopbetriebssystemen an. Lange Zeit waren hier vor allem Redhat Linux und Novell SUSE führend, bis sie dann in den letzten Jahren von Ubuntu überflügelt wurden. Sowohl Redhat als auch Novell verfolgen den Ansatz, ein Betriebssystem für den Unternehmenseinsatz anzubieten, das auf einer Community-Variante basiert. Bei Redhat ist dies fedora, bei Novell ist es openSUSE. Gerade in Deutschland genießt SuSE ein hohes Ansehen und darf mit Recht als einer der größten Förderer des freien Betriebssystems bezeichnet werden. Und bei Redhat erinnern wir uns noch sehr genau, wie deren Börsengang die Phantasie der Anleger beflügelt hat.

Das auf Debian basierende Ubuntu konnte seit seinem ersten Erscheinen große Erfolge feiern. Seit einigen Jahren befindet sich die Distribution auf distrowatch auf dem ersten Platz. Canonical, das Unternehmen hinter Ubuntu, hat einen großen Beitrag zur Verbreitung von Linux auf dem Desktop gespielt. Die Gründe für den Erfolg von Ubuntu sind vielfältig, zum einen ist es die klare Fokussierung auf das Wesentliche, zum anderen der verlässliche Releasezyklus.

Netbooks und Tablets

Als vor wenigen Jahren die ersten Netbooks auf dem Markt erschienen, waren diese überwiegend mit Linux bestückt. Dies hatte hauptsächlich Kostengründe, da Netbooks vor allem billig sein sollten. Als ein Pionier auf diesem Gebiet muss Asus mit seiner eee-PC Reihe gelten. Damals wurden diese Geräte mit Xandros Linux ausgeliefert. Acer, mit seinen Aspire One Geräten setzte auf Linpus. Beides, sowohl Xandros als auch Linpus, sind spezielle Linux Distributionen, deren Fokus auf Branding für den OEM liegt.

Dass diese Geräteklasse so erfolgreich werden würde, hatte damals wohl niemand erwartet, am wenigsten vermutlich Microsoft, die damals gerade ihr neues Betriebssystem Windows Vista vermarkten wollten. Vista war jedoch für die kleinen Mobilrechner vollkommen ungeeignet, da das Betriebssystem zu ressourcenhungrig war. Vom Erfolg der Netbooks überrascht, sah sich Microsoft sogar dazu gezwungen ihr veraltetes Betriebssystem Windows XP für Netbooks zu reaktivieren. Mit diesem Schachzug gelang es Microsoft dann letztlich auch wieder, den Marktanteil von Windows auf dieser neuen Geräteklasse wieder zu stablisieren.

In der Folge sprangen alle namhaften PC-Hersteller auf den Netbook-Zug auf und brachten Geräte heraus. Heute wird auf neuen Netbooks überwiegend Windows 7 vorinstalliert. Aber dennoch scheint der Kampf der Betriebssysteme für Netbooks noch nicht entschieden zu sein. Der weiterhin anhaltende Kostendruck lässt die Hersteller über Alternativen nachdenken.

Die Angebote aus dem Linuxlager sind auch sehr vielversprechend. Im folgenden will ich kurz die verschiedenen Netbook-Varianten vorstellen.

Ubuntu Netbook Remix

Canonical hat erkannt, dass man nicht einfach ein Desktop-Betriebssystem auf einem Netbook installieren sollte. Netbooks zeichnen sich vor allem durch einen kleinen Bildschirm, wenig Hauptspeicher und geringem Plattenplatz aus (meist SSD). Daher ist es angebracht eine optimierte Oberfläche für die Netbooks zu verwenden. Mit Ubuntu Netbook Remix ist dies sehr gut gelungen. Bis zum heutigen Tag dürfte UNR die beste Variante für Netbooks sein.

Android

Eigentlich ein Betriebssystem für Mobiltelefone, würde sich Android, das von der Open Handset Alliance entwickelt wird, durchaus auch für Netbooks eignen. Bislang gibt es aber noch keinen namhaften Hersteller, der dies ernsthaft versucht hätte. Für die „Schwester-Geräteklasse“ der Tablet-Computer dürfte sich jedoch das für Touchscreens optimierte Android als ideal erweisen. Auf der Computex wurden auch bereits etliche Android basierende Tablets gezeigt. Lenovo hat nun angekündigt auf die Weiterentwicklung ihres eigenen Betriebssystems SkylightOS, das ebenfalls auf Linux basiert, zu verzichten, und stattdessen Android zu verwenden.

MeeGo

Der Marktführer bei Computer-Chips, Intel, und der Marktführer bei Mobiltelefonen, Nokia, haben sich zusammengeschlossen, um unter dem Dach der Linux-Foundation die Linux-Variante MeeGo zu entwickeln. Dabei handelt es sich um eine Kombination von Intels Moblin und Nokias Maemo. Moblin zeichnete sich – ähnlich wie Ubuntu Netbook Remix – dadurch aus, dass es auf die Anforderungen von Netbooks optimiert wurde. Die Oberfläche ist eine Schaltzentrale für einen Social-Desktop und vereint verschiedene Web-Services. Maemo wiederum ist auf Smartphones spezialisiert und steuert zum MeeGo Projekt hauptsächlich die Qt-Bibliothek bei. Bereits jetzt zeichnet sich eine breite Unterstützung für das MeeGo-Projekt ab. Sowohl Acer als auch Asus haben bereits Netbooks mit MeeGo für Ende dieses Jahres angekündigt. Desweiteren hat Novell angekündigt, eine SuSE MeeGo Distribution anzubieten.

WebOS

Von einem der Pioniere für mobile Geräte, Palm, stammt WebOS. Nach der Übernahme von Palm gehört WebOS nun zu Hewlett Packard. Laut HP war einer der Hauptgründe, Palm zu übernehmen, gerade ihr innovatives Betriebssystem für mobile Geräte. Kurz nach der Übernahme hat HP auch angekündigt, das von Steve Balmer auf der CES vorgestellte Tablet Slate, statt mit Windows 7 mit WebOS auszustatten. Es ist auch davon auszugehen, dass das Engagement von HP im Markt für Mobiltelefone zunehmen wird. Wie erfolgreich HP mit WebOS sein wird, wird sich zeigen. Es dürfte jedoch recht schwierig werden, da HP – im Gegensatz zur Konkurrenz von Android und MeeGo – keine Allierten hat und WebOS keine Open Source ist (nur der Linux-Kernel ist GPL).

ChromeOS

Vor gut einem Jahr hat Google angekündigt ein Betriebssystem für Netbooks entwickeln zu wollen, das in der zweiten Jahreshälfte 2010 veröffentlicht werden soll. Ziel des Google Betriebssystems ist die optimale Unterstützung von Web-Anwendungen. Bei ChromeOS handelt es sich im Kern um den Browser Chrome und dem Kernel Linux. Der Trend zu Cloud-Computing und Web-Anwendungen soll mit ChromeOS weiter unterstützt werden. Wie sich ChromeOS im Vergleich zu Android, das ja ebenfalls maßgeblich von Google entwickelt wird, behaupten können wird, muss die Zukunft zeigen.

Die Beteiligten

In den letzten Jahren hat die Linux-Community viel Zulauf von Firmen bekommen. Zunächst sind da die reinen Linux-Unternehmen zu nennen: Redhat, Novell, Canonical und andere, die mit Dienstleistungen rund um das freie Betriebssystem ihr Geld verdienen.

Vermehrt wenden sich jedoch auch reine Hardwarehersteller Linux zu. Vor allem Intel engagiert sich sehr stark für den Kernel. Aber auch Nokia, IBM, Hewlett Packard, Dell, Lenovo, ARM, AMD und weitere haben ein enormes Interesse daran, dass Linux blüht und gedeiht. Erst gestern wurde mit Linaro ein neues Konsortium von Chipherstellern gegründet, das die Entwicklung von Software mit ARM-Prozessoren beschleunigen soll.

Aber nicht nur Hardware-Hersteller sind an der Entwicklung von Linux beteiligt oder an ihr interessiert. Eine schöne Übersicht der namhaften Unternehmen, die die Linux-Foundation bilden, findet sich auf der Mitglieder Seite der Stiftung.

Die Motivation

Die Gründe für ein Linux-Engagement und die Auswahl von linuxbasierten Systemen sind sehr vielfältig. Aber für mich erscheint es klar, dass der größte Vorteil von Linux in der schnellen, kooperativen Entwicklung liegt. Moderne Computersysteme werden immer komplexer und nur durch eine gemeinsame Entwicklungsanstrengungen können die Anforderungen kostengünstig gemeistert werden. Die Zeiten, in denen kommerzielle Betriebssysteme noch erfolgreich sein konnten, scheinen sich dem Ende zu zu neigen. Für ein Unternehmen, sei es noch so groß, ist es schlicht nicht mehr möglich, die Vielfalt unterschiedlichster Geräte zu unterstützen.

Die Hersteller von Soft- und Hardware werden sich zunehmend durch Dienstleistungen und Anpassungen von der Konkurrenz differenzieren. Android ist hierfür ein sehr schönes Beispiel. Obwohl alle führenden Hersteller von Mobiltelefonen bereits Android Geräte im Angebot haben, unterscheiden sich die Funktionen der Geräte doch zum Teil erheblich. Aber allen ist gemein, dass Android Apps auf ihnen lauffähig sind. So profitiert jeder Hersteller von der Plattform, ohne jedoch eingeschränkt zu sein. Mit einem Betriebssystem eines Herstellers, sei es nun Google oder Microsoft, ist diese Vielfalt und Differenzierung nicht möglich.

Mit Windows Phone 7 zeigt Microsoft sehr deutlich, wie man in diesem Markt scheitern wird. Durch utopische Anforderungen und Einschränkungen, so wie Apple das auf dem iPhone vormacht, wird man als General Purpose OS Anbieter nicht weiterkommen, denn die Hersteller könnten sich nur noch über den Preis differenzieren. Und hier setzen die Hersteller bereits an: Sie sparen sich die Lizenzkosten für das Betriebssystem.

Wer fehlt?

Es fehlen eigentlich nur zwei Big Player: Microsoft und Apple. Wobei Apple sich im BSD Umfeld bedient, aber ansonsten kein all zu großes Open Source Engagement zeigt. Wenn diese beiden nicht erkennen, dass sie mit ihrer Politik den falschen Weg eingeschlagen haben, dann werden sie über kurz oder lang in der Bedeutungslosigkeit verschwinden. Noch mögen deren Sterne hell leuchten, aber es ist bereits zu erkennen, dass sie verglühen werden.

Folgen für die Anwender

Für die Anwender bedeutet dies alles Freiheit und Vielfalt. Auch auf dem Desktop dürfte sich das positiv bemerkbar machen. Nicht nur, dass es wahrscheinlicher wird, dass die Hardware-Hersteller Linux besser mit Treibern unterstützen, sondern auch, dass die Zahl an Linux-Anwendungen steigen wird.

Eines jedenfalls scheint mir sicher: Der Linux-Siegeszug ist nicht mehr aufzuhalten!

14. Mai 2010

Campus Software: Warum nicht Open Source?

Filed under: Bildung, Open Source, Piratenpartei — Argeleb @ 14:45

In der heutigen Ausgabe der Financial Times Deutschland fand sich ein Artikel, der sich mit dem zunehmenden Bedarf an Verwaltungssoftware für Hochschulen beschäftigt. Die Autorin sieht hier einen Millionenmarkt für die Softwareindustrie, und vermutlich hat sie damit auch Recht.

Aber angesichts der knappen Kassen der Länder, ist es doch sehr unwahrscheinlich, dass genügend Mittel zur Verfügung stehen, um solche Software-Systeme für alle Hochschulen anschaffen zu können. Wenn man dann noch sieht, wie sehr gerade Unionspolitiker bei den Bildungsausgaben auf die Bremse steigen wollen, ist es noch zweifelhafter, dass diese Investitionen in näherer Zukunft getätigt werden.

Firmen wie SAP, IBM, Microsoft verdienen jetzt bereits sehr gut an den Hochschulen. Das Unternehmen Datenlotsen hat sich auf den Bereich der Hochschulsoftware spezialisiert und arbeitet hier auch eng mit Microsoft zusammen. Es dürfte klar sein, dass also nicht nur die Software der Datenlotsen (die jährlich mit bis zu 80000€ zu Buche schlägt) zu bezahlen ist, sondern auch noch die Microsoft Infrastruktur finanziert werden muss.

Das Unternehmen HIS (Hochschul-Informations System) GmbH erwirtschaftete 2009 einen Umsatz von 22 Mio. €. Dieses Unternehmen wird Bund und Ländern getragen. Es ist ermutigend zu sehen, dass HIS über einen „Arbeitsbereich Informationssysteme und Open Source“ verfügt. Es fragt sich nur, was dieser Bereich denn genau macht.

Nach wie vor wird bei der Beschaffung von Software für staatliche Einrichtungen zunächst der Markt für proprietäre Produkte herangezogen. Dabei wäre es doch gerade für Hochschulen naheliegend, die benötigte Software eigenständig zu entwickeln. Einige Anstrengungen in diese Richtung gibt es wohl bereits: CampusSource

Die Hochschulen hätten in zweierlei Hinsicht Vorteile von der Entwicklung einer freien Software für ihre Verwaltung: Studenten der Informatik Fakultäten könnten an einem Großprojekt mitarbeiten und so sehr viel lernen, gerade Techniken der Zusammenarbeit. Als Mitglieder der Hochschulen kennen die Studierenden die Anforderungen an ein solches System sehr genau, denn sie müssten ja auch damit arbeiten.

Statt also das knapp bemessene Budget den Softwareriesen in den Rachen zu werfen, wären die Hochschulen gut beraten, wenn sie sich zusammenfinden würden, und  freie Software entwickeln, die auch noch für die Studenten als Lehrmittel zur Verfügung stünde (Diplomarbeiten, etc.)

Freie Software für Bildungseinrichtungen!

10. April 2010

Marktstandards im IT-Staatsvertrag

Filed under: Microsoft, Open Source, Piratenpartei — Argeleb @ 17:18

Seit dem 1. April ist der IT-Staatsvertrag in Kraft, der die Zusammenarbeit von Bund und Ländern in IT-Fragen verbessern soll. Ein Aspekt dieses Staatsvertrages sorgt zur Zeit für Verwirrung, und zwar §3 Absatz (1) im Abschnitt II:

(1) Für den im Rahmen ihrer Aufgabenerfüllung notwen-
digen Austausch von Daten zwischen dem Bund und den
Ländern sollen gemeinsame Standards für die auszutauschen-
den Datenobjekte, Datenformate und Standards für Verfah-
ren, die zur Datenübertragung erforderlich sind, sowie IT-
Sicherheitsstandards festgelegt werden. Hierbei ist vorrangig
auf bestehende Marktstandards abzustellen
.

Als problematisch wird der hervorgehobene Satz betrachtet. Dies hat Matthias Kirschner von der FSFE in seinem Beitrag auf netzpolitik.org sehr ausführlich und gut verständlich dargelegt.

Laut einem heise Bericht hat das Abgeordnetenhaus in Berlin fraktionsübergreifend beschlossen, dass diese vorrangige Verwendung von Marktstandards nicht zu einer Stärkung oder Herbeiführen von marktbeherrschenden Positionen von Anbietern technischer Systeme führen darf. Genau heißt es dort:

Die im Staatsvertrag vorgesehene vorrangige Verwendung beste-
hender Markstandards darf nicht zu marktbeherrschenden Positio-
nen von Anbietern dieser technischen Standards führen.

Die im Staatsvertrag erwähnten Marktstandards meinen nicht dasselbe, wie wir sie umgangssprachlich verstehen. Sie sind eben nicht die De-Facto Standards eines Monopolisten. Allerdings handelt es sich auch nicht um De-Jure Standards. Mithin handelt es sich also bei diesem Begriff um Wischi-Waschi.

Da umgangssprachlich eben genau diese De-Facto Standards gemeint sind, werden Anbieter solcher Standards den IT-Staatsvertrag als Argument für ihre eigenen proprietären Standards missbrauchen, indem sie sagen, dass selbst die Behörden ihre „Marktstandards“ als zu bevorzugen betrachtet.

Aber warum ist der Staat hier eigentlich so zögerlich? Sollte der Staat nicht vielmehr darauf drängen, dass sich die IT-Wirtschaft nach den Regeln des Staates verhält, statt umgekehrt. Ich meine, der Staat setzt die Rahmenbedingungen für die Wirtschaft. Und gerade in der Kommunikation mit staatlichen Stellen sollte der Staat vorschreiben, in welchem Format das zu geschehen hat.

Der Staat hat hier ein starkes Eigeninteresse, das in diesem Staatsvertrag meiner Ansicht nach auch vorgeschrieben sein sollte. Die Interessen des Staates sind hier die Folgenden:

  1. Interoperabilität
    Es muss gewährleistet sein, dass alle Behörden untereinander Dokumente ohne technische Hürden austauschen können
  2. Nachhaltigkeit
    Es muss gewährleistet sein, dass Dokumente auch nach sehr langer Zeit und auch nach mehreren Versions- oder Plattformwechseln nach wie vor les- und bearbeitbar bleiben.
  3. Unabhängigkeit
    Zum einen muss gewährleistet sein, dass sich der Staat nicht von einem Anbieter abhängig macht, des weiteren muss ebenso gewährleistet sein, dass die Bürger frei entscheiden können, welche Software sie zur Bearbeitung von Dokumenten verwenden

Aus diesen Gründen ist es nur legitim, wenn der Staat offene und freie Dokumentformate verpflichtend vorschreibt. Es ist aus Sicht des Gemeinwesens auch nicht verwerflich, wenn der Staat die Ausnahmen stark begrenzt.

Was würde das denn nun konkret bedeuten, wenn der Staat offene und freie Dokumentformate zwingend vorschreibt? Nehmen wir mal als Beispiel Office Dokumente. Ich will hier auch gerne Ross und Reiter nennen.

Wenn der Staat die Verwendung des Dokumentformats ISO/IEC DIS 26300 (OpenDocument) vorschreibt, dann hat dies folgende Konsequenzen:

  1. Microsoft wäre gezwungen, dieses Format vollständig zu unterstützen, wenn sie weiterhin Software an staatliche Organisationen verkaufen möchte
  2. Firmen, die Dokumente mit Behörden austauschen, müssten Produkte einsetzen, die dieses Format unterstützen
  3. Bürger müssten ebenfalls Programme verwenden, die dieses Format unterstützen

Diese Konsequenzen wären für alle Beteiligten von enormen Vorteil, außer vielleicht für Microsoft. Denn Microsoft hat natürlich kein Interesse an der Abschaffung des Vendor-Lock-In. Nachteile entstünden keine, denn so gut wie jedes Office-Produkt unterstützt mittlerweile OpenDocument, selbst das aus dem Hause Microsoft.

Ich würde daher sehr dafür eintreten, nicht diesen Wischi-Waschi Begriff „Marktstandard“ zu verwenden, sondern ganz konkret von offenen und freien Standards zu sprechen!

28. Februar 2010

Piraten und Open Source, die AG-FLOSS

Filed under: Open Source, Piratenpartei — Argeleb @ 15:30

Die Piratenpartei setzt sich ja bekanntlich sehr stark für Freiheit ein. Aus diesem Grund haben sich einige Piraten bereits in der AG-FLOSS zusammengefunden, um dem Thema Freie und offene Software den Stellenwert zu verleihen, den sie ihrer Ansicht nach verdient.

Wir suchen daher noch engagierte Mitstreiter, denen auch die Freiheit und Offenheit bei Software am Herzen liegt. Mittlerweile haben wir bereits einige grundlegende Kommunikationsinfrastukturen innerhalb der Partei besorgt:

Wir verfolgen mit der AG-FLOSS mehrere Ziele, innerparteilich wie gesellschaftlich und politisch. Bislang befinden wir uns noch in der Phase der Ideensammlung, und würden uns daher sehr freuen, wenn wir viele Piraten finden, die dabei helfen möchten.

19. Februar 2010

KDE Tutorial: Teil 3, Qt Exkurs

Filed under: C++, Entwicklung, KDE, Open Source, Tutorial — Argeleb @ 19:56

In diesem dritten Teil möchte ich ein wenig auf die Details des Qt-Framworks eingehen. Das Qt-Programm, das ich entwickelt habe ist ein GUI für einen sehr speziellen Aufruf des Kommondozeilen-Programms mencoder. Dieses erste Program hat keine KDE Bestandteile, sondern ist ein pures Qt-Program, das mit Hilfe der IDE QtCreator entwickelt wurde.

Ich habe auf der Projektseite alle Dateien, auch die generierten Dateien eingecheckt.

Leider ist es nicht so leicht möglich, hier mit WordPress Quelltexte vernünftig zu formatieren, daher habe ich diesen Teil wieder in ein PDF auf der Projektseite (oder auch als OpenDocument) zu dieser Tutorial-Reihe abgelegt. Viel Spass beim Lesen…

19. November 2009

KDE Tutorial, Teil 2: Ein erstes Programm mit Hauptfenster

Filed under: C++, Entwicklung, karmic, KDE, linux, Open Source, Tutorial, ubuntu — Argeleb @ 17:03

In diesem zweiten Teil entwickleln wir das erste KDE Programm. Da mir persönlich das Blog-Interface zu wenig Ausdruckmöglichkeiten bietet, habe ich das Tutorial mit OpenOffice geschrieben.

Ausserdem habe ich auf Google Code ein Projekt für das Tutorial angelegt. Dort befindet sich dann auch der Text.

Weiter mit dem Tutorial auf Google Code (PDF)

Referenzen:

18. November 2009

KDE Tutorial, Teil 1: Einrichtung der Entwicklungsumgebung [Update]

Filed under: C++, Entwicklung, karmic, KDE, linux, Open Source, Tutorial, ubuntu — Argeleb @ 09:30

Wenn man sich auf den Seiten des KDE-Projektes nach Informationen zur Entwicklung von KDE-Programmen umsieht, könnte man schnell den Eindruck gewinnen, man müsse die komplette Desktopumgebung kompilieren. Das ist natürlich nicht notwendig. Aber man muss schon ein paar Komponenten installieren, damit man vernünftig arbeiten kann.

Jeder Programmierer ist anders und hat besondere Vorlieben, was Editoren usw. angeht. Hier sei nur KDevelop erwähnt, da es das „natürliche“ Instrument für die KDE-Softwareentwicklung sein sollte. Aber Vorsicht, die Version, die mit Karmic ausgeliefert wird, ist immer noch eine Beta-Version.

Manch einer, allen voran Andreas Pakulat, ist über die Entscheidung der Kubuntu Entwickler, eine Beta-Version in einer stabilen Distribution auszuliefern, nicht sonderlich glücklich. Zum Teil kann ich die Kritik nachvollziehen, allerdings darf sich das KDevelop-Team durchaus auch an die eigene Nase fassen, denn schließlich existiert KDE4 nun schon seit mehr als zwei Jahren, und es gibt immer noch keine stabile Version der Haupt-IDE. So gesehen erzeugt diese Vorgehensweise Druck auf die Entwickler (mal abgesehen davon, dass sie ja jederzeit ein PPA mit der aktuellsten Beta für Ubuntu bereitstellen könnten). So wie es jetzt aussieht, soll KDevelop wohl mit KDE 4.4 fertig werden.

Resourcen

Benötigte Programme und Bibliotheken

Im folgenden habe ich versucht, alle Pakete zusammenzufassen, die man für die Entwicklung benötigt. Da auf meinem Rechner nach mehreren Versuchen bereits alles vollständig installiert war, habe ich eine VM mit nacktem Kubuntu aufgesetzt, und nach und nach alle Pakete installiert, die gefehlt haben. Nichts desto trotz kann es sein, dass diese Liste nicht vollständig ist.

CMake

CMake ist ein plattformunabhängiger Generator für Build-Dateien. Unter Linux werden mit seiner Hilfe Unix-makefiles erzeugt. Statt komplizierte makefiles zu bearbeiten, wird für die Entwicklung von KDE4 Programmen lediglich eine CMakeLists.txt benötigt. Wenn die Vorraussetzungen erfüllt sind, erzeugt cmake alle notwendigen Dateien.

Um cmake unter Kubuntu zu installieren, gibt man auf der Konsole folgenden Befehl ein:

sudo apt-get install cmake

Näheres zu KDE4 und cmake kann man auf der KDE-Techbase nachlesen

Compiler

Um KDE Programme in C++ zu entwickeln, wird der C++ Compiler benötigt, den man mit folgendem Befehl installiert:

sudo apt-get install g++

Anmerkung: Wenn dieses Paket nicht installiert ist, stürzt KDevelop 3.9.95 beim Erzeugen eines neuen Projektes einfach ab.

kdevelop4 (Version 3.9.95)

Dieses Tutorial beschreibt die Entwicklung von KDE4 Programmen unter anderem mit Hilfe des neuen KDevelop4. Mit Kubuntu 9.10 befindet sich die Beta 5 in den Repositories. Folgender Befehl installiert kdevelop:

sudo apt-get install kdevelop

[Update] Statt der veralteten Beta 5 sollte man lieber auf eine aktuellere Version ausweichen. Auf dem Blog von Dr. Danz befinden sich aktuelle PPAs von KDevelop für Jaunty und Karmic

Nachdem man kdevelop startet und versucht ein neues Projekt mit einem Template anzulegen, wird man feststellen, dass kein KDE4-Template vorhanden ist. Das Paket kapptemplate im kdesdk beinhaltet einige Projekt-Templates für KDE:

sudo apt-get install kdesdk

Entwicklungspakete

Folgende Pakete müssen noch installiert werden, damit man KDE4-Programme entwickeln kann:

sudo apt-get install kdelibs5-dev

kdevelop kompilieren

Um mit der aktuellsten Version von KDevelop zu arbeiten, muss das Paket von der KDevelop Homepage heruntergeladen werden. Um KDevelop kompilieren zu können, ist zusätzlich das Entwicklungspaket des KDE-Workspace notwendig, das mit folgendem Befehl installiert werden kann:

sudo apt-get install kdebase-workspace-dev

Nähere Informationen zum Erstellen von KDevelop aus den Quellen können auf der Seite des Projekts gefunden werden.

7. Oktober 2009

Die Arbeit kann beginnen: AG Open Source

Filed under: linux, Open Source, Piratenpartei — Schlagwörter: — Argeleb @ 19:15

Einer meiner Motivationen, der Piratenpartei beizutreten, war die Tatsache, dass sie mir wie die Partei erschien, die die Themen freie Lizenzen und Open Source am besten vertreten kann. Ich bin nämlich der Ansicht, dass es eine politische Kraft geben muss, die sich aktiv um die Förderung von freier Software in Staat und Gesellschaft kümmert.

Nachdem nun endlich dieses Superwahljahr 2009 (ich war im Wahlkampf, seit ich der Partei im April beigetreten bin) um ist, kann ich jetzt in aller Ruhe damit beginnen, Themen auszuarbeiten und voranzubringen, die mir besonders am Herzen liegen.

Zur Zeit werden in der Partei die Organisationstrukturen geschaffen/optimiert, um thematische Arbeit besser durchführen zu können. Der Vorstand hat zu diesem Zweck den AG Rat ins Leben gerufen, der im ersten Schritt alle bestehenden Arbeitsgemeinschaften sichtet und strukturiert. Es wird demnächst dann auch einen standardisierten Prozess zur Gründung und Verwaltung einer neuen Arbeitsgemeinschaft geben.

Ich habe die AG Open Source gegründet, und suche noch engagierte Mitarbeiter, die die Positionen der Piratenpartei in Bezug auf freie Software und Open Source mitgestalten möchten. Noch gibt es lediglich ein paar lose Ideen, wie wir an die Sache herangehen können. Die Arbeitsgemeinschaft befindet sich also noch in der Brainstorming-Phase, und ich würde mich freuen, wenn sich möglichst viele Interessierte daran beteiligen.

Wenn du, ja du, mitarbeiten möchtest, dann bist du herzlich eingeladen, dich auf der Seite der AG Open Source einzutragen, und deine Ideen rund um Open Source einzubringen.

Erstelle eine kostenlose Website oder Blog – auf WordPress.com.