Nichts als die Wahrheit

12. September 2010

Sie wurden möglicherweise Opfer einer Softwarefälschung

Filed under: Microsoft, windows — Argeleb @ 16:09

Mit dieser Meldung wurde ich konfrontiert, als ich mich einmal wieder mit einer Windows 7 Installation beschäftigen musste. Eigentlich wurde ich ja nur gebeten, bei der Einrichtung des Mail-Clients zu helfen und ein paar vorhandene Spiele zu installieren.

Bei dem Rechner handelte es sich um ein knapp 4kg schweres Acer Notebook. Wir haben dann versucht, die Software zu aktivieren, was nach meiner Meinung die Ursache für diese Falschmeldung war. Leider ist die Aktivierung mittels Eingabe des kryptischen Aktivierungsschlüssels nicht gelungen. Vielleicht lag es daran, dass ich den Schlüssel falsch eingegeben oder falsch gelesen habe. All das ist denkbar, weil dieser Schlüssel auf der Rückseite des Geräts in einer Art und Weise geschrieben steht, dass ich mir beim Lesen immer vorkomme wie bei einem Sehtest beim Augenarzt:

Ist das ein O oder doch eine 0…, könnte aber auch ein Q sein

Bei all der Schlüssel Eingeberei und der CD-Installations-Orgien habe ich mich dauernd gefragt, warum Menschen sich das alles antun. Sind die Spiele und Anwendungen, die man nur für Windows bekommt, den ganzen Stress und Ärger wert? Auf dem Desktop des frisch installierten Rechners befanden sich natürlich allerhand „kostenlose“ Beigaben, wie z.B. McAffee Viren-Scanner, Norton-Irgendwas, Acer-Spiele-Dingsbums und eine 60-Tage Testversion von Microsoft Office.

An und für sich wäre das ja alles nicht so schlimm. Wem diese Gängelei und Nerverei nicht stört, der darf ja gerne mit Windows glücklich werden. Nur leider scheint es so zu sein, dass man mit jeder Windows-Installation einen IT-Profi mitliefern müsste, der den Anwendern dabei hilft, mit ihrer Neuerwerbung zurecht zu kommen.

Ich bin jetzt seit ca. 2 Jahren Windows-frei und vermisse den ganzen Kram nicht im Geringsten. Zum Glück kenne ich mich mit Windows 7 nicht mehr aus. Ich habe es auf keinem meiner Rechner installiert, daher kann ich, wenn ich um Hilfe gebeten werde, mit gutem Gewissen sagen:

Tut mir leid, ich kenne mich mit Windows 7 nicht aus, daher kann ich dir nicht helfen

10. April 2010

Marktstandards im IT-Staatsvertrag

Filed under: Microsoft, Open Source, Piratenpartei — Argeleb @ 17:18

Seit dem 1. April ist der IT-Staatsvertrag in Kraft, der die Zusammenarbeit von Bund und Ländern in IT-Fragen verbessern soll. Ein Aspekt dieses Staatsvertrages sorgt zur Zeit für Verwirrung, und zwar §3 Absatz (1) im Abschnitt II:

(1) Für den im Rahmen ihrer Aufgabenerfüllung notwen-
digen Austausch von Daten zwischen dem Bund und den
Ländern sollen gemeinsame Standards für die auszutauschen-
den Datenobjekte, Datenformate und Standards für Verfah-
ren, die zur Datenübertragung erforderlich sind, sowie IT-
Sicherheitsstandards festgelegt werden. Hierbei ist vorrangig
auf bestehende Marktstandards abzustellen
.

Als problematisch wird der hervorgehobene Satz betrachtet. Dies hat Matthias Kirschner von der FSFE in seinem Beitrag auf netzpolitik.org sehr ausführlich und gut verständlich dargelegt.

Laut einem heise Bericht hat das Abgeordnetenhaus in Berlin fraktionsübergreifend beschlossen, dass diese vorrangige Verwendung von Marktstandards nicht zu einer Stärkung oder Herbeiführen von marktbeherrschenden Positionen von Anbietern technischer Systeme führen darf. Genau heißt es dort:

Die im Staatsvertrag vorgesehene vorrangige Verwendung beste-
hender Markstandards darf nicht zu marktbeherrschenden Positio-
nen von Anbietern dieser technischen Standards führen.

Die im Staatsvertrag erwähnten Marktstandards meinen nicht dasselbe, wie wir sie umgangssprachlich verstehen. Sie sind eben nicht die De-Facto Standards eines Monopolisten. Allerdings handelt es sich auch nicht um De-Jure Standards. Mithin handelt es sich also bei diesem Begriff um Wischi-Waschi.

Da umgangssprachlich eben genau diese De-Facto Standards gemeint sind, werden Anbieter solcher Standards den IT-Staatsvertrag als Argument für ihre eigenen proprietären Standards missbrauchen, indem sie sagen, dass selbst die Behörden ihre „Marktstandards“ als zu bevorzugen betrachtet.

Aber warum ist der Staat hier eigentlich so zögerlich? Sollte der Staat nicht vielmehr darauf drängen, dass sich die IT-Wirtschaft nach den Regeln des Staates verhält, statt umgekehrt. Ich meine, der Staat setzt die Rahmenbedingungen für die Wirtschaft. Und gerade in der Kommunikation mit staatlichen Stellen sollte der Staat vorschreiben, in welchem Format das zu geschehen hat.

Der Staat hat hier ein starkes Eigeninteresse, das in diesem Staatsvertrag meiner Ansicht nach auch vorgeschrieben sein sollte. Die Interessen des Staates sind hier die Folgenden:

  1. Interoperabilität
    Es muss gewährleistet sein, dass alle Behörden untereinander Dokumente ohne technische Hürden austauschen können
  2. Nachhaltigkeit
    Es muss gewährleistet sein, dass Dokumente auch nach sehr langer Zeit und auch nach mehreren Versions- oder Plattformwechseln nach wie vor les- und bearbeitbar bleiben.
  3. Unabhängigkeit
    Zum einen muss gewährleistet sein, dass sich der Staat nicht von einem Anbieter abhängig macht, des weiteren muss ebenso gewährleistet sein, dass die Bürger frei entscheiden können, welche Software sie zur Bearbeitung von Dokumenten verwenden

Aus diesen Gründen ist es nur legitim, wenn der Staat offene und freie Dokumentformate verpflichtend vorschreibt. Es ist aus Sicht des Gemeinwesens auch nicht verwerflich, wenn der Staat die Ausnahmen stark begrenzt.

Was würde das denn nun konkret bedeuten, wenn der Staat offene und freie Dokumentformate zwingend vorschreibt? Nehmen wir mal als Beispiel Office Dokumente. Ich will hier auch gerne Ross und Reiter nennen.

Wenn der Staat die Verwendung des Dokumentformats ISO/IEC DIS 26300 (OpenDocument) vorschreibt, dann hat dies folgende Konsequenzen:

  1. Microsoft wäre gezwungen, dieses Format vollständig zu unterstützen, wenn sie weiterhin Software an staatliche Organisationen verkaufen möchte
  2. Firmen, die Dokumente mit Behörden austauschen, müssten Produkte einsetzen, die dieses Format unterstützen
  3. Bürger müssten ebenfalls Programme verwenden, die dieses Format unterstützen

Diese Konsequenzen wären für alle Beteiligten von enormen Vorteil, außer vielleicht für Microsoft. Denn Microsoft hat natürlich kein Interesse an der Abschaffung des Vendor-Lock-In. Nachteile entstünden keine, denn so gut wie jedes Office-Produkt unterstützt mittlerweile OpenDocument, selbst das aus dem Hause Microsoft.

Ich würde daher sehr dafür eintreten, nicht diesen Wischi-Waschi Begriff „Marktstandard“ zu verwenden, sondern ganz konkret von offenen und freien Standards zu sprechen!

23. Januar 2010

Standard statt Vendor-Lock-In

Filed under: Entwicklung, Microsoft — Argeleb @ 12:39

Ein Professor, dessen Namen ich aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes nicht nennen möchte, hat während meines Studiums der Informatik einmal etwa folgendes gesagt:

Setzt euch immer für Standards ein, und tut danach alles, um sie zu brechen

Was zunächst nach einem unbedeutendem Witzchen klingt, spiegelt allerdings die Situation wider, vor der wir heute nach wie vor stehen. Dieses Zitat stammt aus den frühen 1990ern!

Was ist ein Standard

Man könnte annehmen, ein Standard wäre eine Norm, die von einem offiziellen Standardisierungsgremium vorgegeben wurde. Solche Gremien und Institute gibt es ja in zahlreichen Ausprägungen: ISO, DIN, IEEE, OASIS, ECMA, IETF, W3C, etc.

Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Standards entstehen bereits viel früher, und die Standardisierungsgremien schreiben diese Entwicklungen fest.

Beispiele für einst proprietäre Entwicklungen, aus denen dann Standards wurden:

Weitere Standards:

  • iCalendar (entwickelt von der IETF durch Lotus- und Microsoft-Mitarbeiter)
  • E-Mail (RFC 822)
  • Diverse Grafikformate
  • TCP/IP
  • etc.

Letzten Endes entstehen Standards aus dem einfachen Grund, um Kooperation zu ermöglichen. Daher sind Standards immer ein Kompromiss, oder auch der kleinste gemeinsame Nenner, auf den sich die Marktteilnehmer einigen konnten.

Welche Kriterien muss ein Standard erfüllen, damit man ihn so nennen kann? Folgende Liste könnte man prüfen:

  1. Es muss eine allgemein zugängliche Beschreibung vorliegen
  2. Kein Teil des Standards darf durch Patente geschützt sein
  3. Ein allgemein anerkanntes Institut hat den Standard normiert
  4. Der Standard muss sich auf das wesentliche konzentrieren
  5. Der Standard muss herstellerunabhängig sein
  6. Es sollte mindestens zwei Produkte (unterschiedlicher Hersteller) geben, die den Standard vollständig unterstützen

Was ist kein Standard

Oft werden Gegebenheiten als Standard oder De-Facto-Standard bezeichnet, die allerdings keine Standards sind. Berühmtestes Beispiel ist sicher das .DOC Format von Microsoft. Man nennt sie Standard, weil so gut wie jeder Mensch sie nutzt. Allerdings sind solche Formate oftmals nicht offen gelegt und daher können sie nicht als Standard betrachtet werden.

Nehmen wir mal als Beispiel das Word-Format von Microsoft, und prüfen es anhand der obigen Liste:

  1. Es gibt eine Beschreibung (PDF) des Formats
  2. Das konnte ich nicht überprüfen, da Microsoft über 10000 Patente besitzt, und mglw. betrifft eines davon Details aus dem .DOC-Format
  3. Nein
  4. 210 Seiten dürften das Format erfüllend beschreiben (da fragt man sich, was auf den über 6000 Seiten der OOXML-Spezifikation geschrieben steht. 30mal mehr Funktionen? Ich bezweifle das)
  5. Nein
  6. Das dürfte der Fall sein

In diesem Beispiel hat der „Standard“ nur 4 von 6 Punkten bekommen und man sollte daher dieses Format nicht verwenden.

Wo liegen die Nachteile

Standards sind Kompromisse. Dies hat zur Folge, dass es meist eben nur der kleinste gemeinsame Nenner ist. Verwendet man, als Software-Hersteller, solche Standards, dann muss man oft auf Funktionalitäten verzichten, um nicht die Kompatibilität zum Standard zu verlieren.

Außerdem kann man sich nicht aus der Masse hervorheben, wenn man nur Standards unterstützt, da man ja nur das unterstützt, was sowieso alle unterstützen. Somit werden einem Alleinstellungsmerkmale verwehrt, die möglicherweise zu größerem Erfolg führen könnten.

Was sind die Vorteile

Standards sind gut dokumentiert, da ihre Spezifikation öffentlich zugänglich ist. Das erleichtert die Implementierung einer Software enorm. Standards sind klar umrissen und dadurch nicht sehr umfangreich.

Standards machen die Anwender unabhängig von Anbietern. Wenn man nur E-Mail Software einsetzt, die POP3/SMTP und RFC 822 verwendet, kann man sehr leicht auf einen anderen Client umsteigen. Dasselbe gilt natürlich auch für Office Produktivitätssoftware oder Web-Browser. Sobald man sich in die Falle des Nicht-Standardisierten begibt, ist man auf Gedeih und Verderb einem Hersteller ausgeliefert.

Die Standard-Rowdys

Es gibt immer wieder Unternehmen, die vorgeben, Standards zu unterstützen, diese jedoch nur torpedieren, um ihre eigenen proprietären Erweiterungen durchzudrücken. Das machen diese Unternehmen, um die Wahlfreiheit der Anwender einzuschränken. Denn nichts ist schlimmer für diese Unternehmer, als dass ein Anwender auch eine alternative Software einsetzen könnte.

Leider tut sich in diesem Umfeld Microsoft als der größte Rowdy hervor. Immer wieder versprechen sie Standardkonformität, und brechen sie. Als Beispiel möchte ich Outlook heranziehen. Prinzipiell unterstützt Outlook das iCal Format (nicht zuletzt deshalb, weil Microsoft aktiv an diesem Standard mitgearbeitet hat). Jedoch verhindern „Bugs“ in Outlook, dass bestimmte Kalender importiert werden können. Man könnte jetzt natürlich argumentieren, dass es sich dabei um einen Fehler handelt, den man dem Hersteller erst mal verzeihen muss. Nur leider ist es nicht möglich, Microsoft dazu zu bewegen solche Fehler zu beseitigen. Ein Software-Hersteller, der das iCal Format zum Austausch verwendet, hört dann von den vielen Outlook-Kunden, dass er doch bitte Outlook unterstützen sollte. Das ist jedoch mit dem Standard nicht möglich, also müsste dieser Software-Hersteller das proprietäre Format von Microsoft verwenden, um Outlook vollständig unterstützen zu können.

In der Regel sind gerade kleine mittelständische Software-Hersteller nicht in der Lage, sich gegen solche Argumente zu wehren. Der Kunde sagt: „Das ist Outlook, das ist Standard, und ihre Software hat sich dem unterzuordnen“. Das Gegenargument: „Ja, aber Outlook verletzt den Standard und es ist nicht unsere Schuld“ wird dann mit dem Hinweis auf die hohe Verbreitung von Outlook weggewischt.

Daher würde ich jedem kleinen Software-Hersteller empfehlen, diese Argumente zu ignorieren und auf Standards und Standardisierungsgremien zu pochen. Das ist sicher oft sehr schwer, aber wenn die kleinen Software-Hersteller es nicht machen, werden sie am Ende die Verlierer sein, weil langfristig gerade Microsoft mit seinem Windows/Office-Monopol am längeren Hebel sitzt.

Zum Thema Internet Explorer will ich hier nichts weiter schreiben und verweise hier auf einen Artikel bei golem.

Fazit

Setzt man bei der Auswahl seiner Software-Komponenten konsequent auf Produkte, die sich an Standards halten, so gewinnt man Wahl-Freiheit. Der Preis ist unter Umständen fehlende Funktionalität. Dieser Preis ist jedoch gering, denn am Ende bezahlt man einen Vendor-Lock-In immer sehr teuer (in Form überteuerter Lizenzgebühren oder hoher Migrationskosten)

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