Nichts als die Wahrheit

20. Februar 2010

Wissenschaft und Religion

Filed under: Buchkritik, Religion — Argeleb @ 13:13

Ich lese zur Zeit das Buch Der Anfang aller Dinge, Naturwissenschaft und Religion von Hans Küng. Für mich, der nicht all zu viel von Religion oder den Glauben an irgendwelche Götter hält, ist die Lektüre dieses Buches oft sehr schmerzhaft. Ich kann einfach nicht begreifen, wie jemand, wie Hans Küng, dem ich attestieren möchte, dass er ein hochintelligenter und gebildeter Mann ist, an einen christlichen Gott glauben kann.

In seinem Buch versucht Küng die Wissenschaft mit der Religion zu versöhnen. Das ist eigentlich ein nobler Ansatz, allerdings scheitert Küng damit bereits in den ersten Kapiteln, weil er der Wissenschaft Dinge unterstellt, die ihr so einfach nicht vorgeworfen werden können. Er hat offenbar nicht verstanden, dass die Wissenschaft, im Gegensatz zur Religion, keine Ideologie ist. Für seine Beweisführung, dass auch die Wissenschaft nicht alles zu erklären vermag, setzt er dies aber implizit (vielleicht unwissend) voraus.

Er wirft der Wissenschaft z.B. vor, dass sich „das Interesse der Naturwissenschaftler an religiösen Sachfragen in Grenzen hält“. Hier begeht Küng den Fehler, dass er Religion und Ethik gleichsetzt. Denn eigentlich will er der Wissenschaft unethisches Handeln vorwerfen, sagt aber, sie hätte kein Interesse an religiösen Sachfragen. Dass es ihm um Ethik geht, wird im folgenden Abschnitt deutlich, als er Carl Friedrich von Weizäcker in den Zeugenstand ruft, der ihm vor dem Hintergrund der atomaren Aufrüstung in der 1970ern schreibt, und von der Wissenschaft und dem Christentum verlangt, dass sie sich gegenseitig Fragen über ihr Handeln stellen müssten. Weizäcker fordert 1977 in einer Rede an der Universität Tübingen: „Sie [die Religion] muss die Wissenschaft fragen: Weißt du denn, was du tust?“

Weizäcker will hier, dass man den, wie er es nennt, erzeugten Schein der Neutralität der Wissenschaft hinterfragt. Aber die Wissenschaft ist eben vollkommen wertneutral. Nicht die Erkenntnis ist von Übel, sondern dass, was man aus ihr macht. Nicht der Forscher ist böse, sondern der Anwender des Forschungsergebnisses. Natürlich müssen Wissenschaftler nach ethischen Grundregeln handeln. Die Forschungen eines Dr. Mengele waren unethisch und verbrecherisch, weil bereits die Art der Forschung ablehnenswert war.

Ich möchte das an einem Beispiel verdeutlichen. Der Wissenschaft ist es gelungen, ein Messer zu entwickeln, das nicht stumpf wird, das Keramikmesser. Niemand wird daran zweifeln, das dies eine gute Erfindung ist. Nach Küng und Weizäcker hätten die Forscher allerdings nie dieses Messer erfinden dürfen, denn damit geschehen viele grausame Verbrechen und Menschen kommen zu Tode. Denn dieses Messer wird von den Metalldetektoren an Flughäfen nicht entdeckt und stellt damit das ideale Werkzeug für Terroristen dar. Nicht nur das, dieser Art von Messer haben wir auch die sogenannten Nacktscanner mit zu verdanken.

Und nun muss man sich die Frage stellen, wer in diesem Szenario unethisch gehandelt hat. War es der Wissenschaftler, der das Messer erfunden hat, oder war es der Terrorist, der es zur Entführung eines Flugzeugs und zum Töten hunderter Menschen verwendet hat? Ich sage, der Terrorist ist der Übeltäter, und mit ihm sogar seine Religion, die ihn dazu gebracht hat, das Verbrechen zu begehen. Die Wissenschaft hat niemanden dazu aufgefordert mit dem Messer zu morden, die Religion des Terroristen hat ihn jedoch sehr wohl dazu aufgefordert mit irgendeiner Waffe die Ungläubigen zu töten.

Die Wissenschaft tut also gut daran, keine religiösen Fragen zu beachten, denn würde sie das tun, wäre ihr Handeln der Gefahr ausgesetzt, unethisch zu werden, denn in meinen Augen sind Religionen, die abrahamitischen zumal, in ihrem Wesen unethisch.

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