Nichts als die Wahrheit

5. April 2010

Mensch sei Dank: Epikur

Filed under: Humanismus, Mensch sei Dank — Schlagwörter: — Argeleb @ 13:58

Mein erster Artikel in der Reihe  „Mensch sei Dank“ ist Epikur gewidmet. Schon seit geraumer Zeit habe ich nach den Lehren Epikurs gelebt, ohne das zu wissen. Erst vor Kurzem habe ich mich eingehender mit den Lehren des Epikurs beschäftigt. Dabei stellte ich eben immer wieder fest, wie sehr doch dessen Lebensphilosophie mit der meinen übereinstimmt.

Es ist historisch wirklich bedauerlich, dass seiner Philosophie nicht die Bedeutung zukam, die sie verdient hätte. Angesichts der Anfeindungen, die der Epikureismus über sich ergehen hat lassen müssen, ist es schon erstaunlich, dass er bis heute überdauert hat. Einer der entschiedensten Gegner Epikurs war übrigens Martin Luther. Er „beleidigte“ seine Gegner gerne mit dem Ausspruch, sie wären Epikureer.

Epikur musste auch für jeden Theisten ein Feindbild darstellen, denn Epikur wollte den Menschen die Furcht nehmen. Die Furcht vor dem Tod und die Furcht vor den Göttern. Letzteres macht Epikur jedoch nicht zum Atheisten, da er durchaus an die Götter glaubte, allerdings sprach er ihnen jeglichen Einfluss auf das Leben der Menschen ab. Man könnte sagen, Epikur war eine Art Deist.

In der Philosophie des Epikur geht es um die Frage nach dem höchsten Gut. Diese Frage trieb die griechischen Philosophen schon lange um. Für Epikur erschien Lust als das höchste Gut und Unlust als das größte Übel. Daher galt es für ihn, ein Leben anzustreben, das die Vermeidung von Unlust zum Ziel hatte.

Im Gegensatz zu den Hedonisten, die ein Höchstmaß an Lust anstreben, hat Epikur so einen negativen Hedonismus geprägt, indem die Vermeidung von Leid, Schmerz und Unlust das oberste Prinzip sein sollte.

Wenn du einen Menschen glücklich machen willst, dann füge nichts seinen Reichtümern hinzu sondern nimm ihm einige von seinen Wünschen.

Dieses Zitat drückt ganz gut aus, wie man es schaffen kann ein glückliches Leben zu führen. Anders ausgedrückt, könnte man auch formulieren: Wenn man nichts begehrt, dann wird es einem auch an nichts mangeln.

Zufriedenheit ist sehr leicht zu erreichen, wenn man sich auf das Wesentliche konzentriert. Ich z.B. benötige nicht die neuesten Errungenschaften unserer Konsumgesellschaft. Jedesmal, wenn ich mal wieder aus Versehen Werbung im Fernsehen betrachten muss, ertappe ich mich dabei, wie sich ein zufriedenes Lächeln auf meine Lippen zaubert, da ich erkenne, dass ich den ganzen dort feilgebotenen Mist nicht haben will und auch nicht brauche. Verzicht war schon immer etwas, worin ich große Übung habe.

Der Tod geht mich eigentlich nichts an. Denn wenn er ist, bin ich nicht mehr, und solange ich bin, ist er nicht.

Diese Erkenntnis hatte ich bereits, bevor ich mich intensiver mit Epikur befasst hatte. Denn was kümmert mich mein eigener Tod? Wenn es soweit ist, dann werde ich mich nicht mehr über den Verlust meines Lebens beschweren können, denn dann werde ich tot sein.

Außerdem ist der Tod laut Epikur eher ein Segen, als ein Fluch. Denn die Freiheit von Schmerz ist ja das höchste Gut, das es gilt anzustreben. Der Trost, den Epikur uns spendet, ist, dass jeder kleine Schmerz vorübergehen wird. Und wenn der Schmerz so groß ist, dass er nicht vorüber gehen will, dann endet er im Tod. Und im Tod ist aller Schmerz vorbei, denn im Tod ist alles vorbei.

Mit dieser Vorstellung über die absolute Endlichkeit des menschlichen Daseins, legt sich Epikur natürlich mit den jenseitigen Heilsversprechen der Religionen an, vor allem mit denen des Christentums. Wer nicht an ein Leben nach dem Tod glaubt, wie soll der dann sein Leben nach christlichen Regeln gestalten? Das erklärt vermutlich, warum Martin Luther, und mit ihm alle christlichen Führer, Epikur so sehr ablehnen mussten.

Lebe im Verborgenen

Epikur hat erkannt, dass dem Menschen die größte Gefahr von anderen Menschen droht. Je mehr Menschen man also kennt, desto größer ist die Gefahr, dass einer von denen einem ans Bein pinkeln will. Daher lehnt Epikur auch jede politische Arbeit ab. Und wir alle wissen ja, dass es gefährlich ist, politisch tätig zu sein, denn es findet sich immer einer, der einem wegen seiner Ansichten an die Wäsche will.

Epikur rät daher den Menschen, sich Gleichgesinnte zu suchen. Bei ihnen ist die Gefahr gering, wegen Meinungsverschiedenheiten angegriffen zu werden. Aus diesem Grund sind Freundschaften für Epikur so wichtig.

Von allem, was die Weisheit für die Glückseligkeit des ganzen Lebens bereitstellt, ist der Gewinn der Freundschaft das bei weitem Wichtigste

Freunde, wahre Freunde, sind die wichtigste zwischenmenschliche Beziehung. Dabei ist vielleicht nicht so sehr der direkte Nutzen einer Freundschaft wichtig, sondern vielmehr die mögliche Unterstützung, die man von Freunden erwarten kann, wenn es einem schlecht geht. Einen wahren Freund erkennt man eben immer erst in der Not. Diese Freundschaften müssen daher gepflegt werden.

Daher geht mein besonderer Dank an Epikur.

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8 Kommentare »

  1. […] Mensch sei Dank: Epikur […]

    Pingback von Mensch sei Dank! « Nichts als die Wahrheit — 5. April 2010 @ 14:00

  2. […] This post was mentioned on Twitter by Piratenmond-BY, Andreas. Andreas said: Und der erste Teil dazu: Mensch sei Dank: Epikur http://2tu.us/1xa2 […]

    Pingback von Tweets that mention Mensch sei Dank: Epikur « Nichts als die Wahrheit -- Topsy.com — 14. April 2010 @ 16:57

  3. Zum einen: interessant, daß Du jemandem Dank aussprichst, weil er dein Leben positiv beeinflußt habe – jemand, von dem Du bis vor kurzem kaum etwas wußtest, der aber deine Vorstellungen vor Jahrtausenden schon teilte (und aufschrieb). Und weißt Du was? mir geht es mit Epikur ganz genauso!

    Zum zweiten: kann es nicht sein, daß Epikurs teilweise widersprüchlich klingende Aussagen zu den „Göttern“ eigentlich ironisch, spöttisch, satirisch gemeint waren? Daß nur leider das Augernzwinkernde die Übertragung nicht überstanden hat?
    Man stelle sich vor, was die Exegeten der spätkapitalistischen Philosophiezeitschrift „Titanic“ in 5000 Jahren aus dieser machen werden…

    Ich hätte gerne gewußt, was Epikur und Jesus sich zu sagen gehabt hätten. Von der Geisteshaltung kommen die beiden mir recht verwandt vor. Gott sei Dank, daß die Römer nicht auch Epikur zur Religion verwurstet haben.

    Ansonsten: interessantes Blog, vielleicht später mehr.

    Kommentar von rauskucker — 15. Mai 2010 @ 20:02

    • Sein kann viel. Aber ich bezweifele, dass Epikur das ironisch gemeint haben könnte. Epikur war ja kein Atheist, er wollte nur keine Furcht vor den Göttern und dem Tod haben.

      Eine geistige Verwandtschaft zwischen Jesus und Epikur kann ich beim besten Willen nicht erkennen. Sie mögen ja beide eher den asketischen Lebensstil bevorzugen, aber ansonsten sind ihre Ansichten, gerade im Hinblick auf die Götter und die Sinne, sehr unterschiedlich.

      Danke, dass dir mein Blog gefällt. Ich gebe mir Mühe.

      Kommentar von ArgelebAndreas — 16. Mai 2010 @ 07:47

  4. Ich bin überzeugter Epikureer. Ich bin traurig, dass seine Philosophie in unserer Welt
    der Kapitalisten, Platonisten, Papisten (die ihn seit Jahrhunderten bekämpfen), Islamisten und Terroristen so wenig Gehör findet.
    Deine Seite ist ein wertvoller Beitrag, die unermessliche Dummheit der Menschen
    ein bisschen zu reduzieren.
    Mein Hochachtung
    In Freundschaft
    Lathebiosas
    (pensionierter Lehrer am Gymnasium. Fächer: Deutsch, Geschichte, Gemeinschaftskunde,
    Ethik, Latein )

    Kommentar von Lothar Kübel — 23. Januar 2011 @ 12:48

    • Vielen Dank.

      Es gibt vermutlich etliche Menschen, die so eingestellt sind, meist ahnen sei es nur nicht. Wir dürfen nur nicht den Fehler begehen, zu sehr im Verborgenen zu leben.

      Ich möchte daher Edmund Burke zitieren: Für den Triumph des Bösen reicht es, wenn die Guten nichts tun!

      Kommentar von Argeleb — 23. Januar 2011 @ 13:42

    • Ich bin auch uberzeugter Epikureer. Mich erheitert die Dumheit der Herrscher, der christlichen Theologen und der Wirtschafts Experten.
      liebe Grüße
      Βιωνω λανθανων
      (Dipl. Ing für Maschinenbau, HTBL Professor in Ruhe.)

      Kommentar von DI Lakis Anastasiadis — 30. Januar 2014 @ 12:08

  5. „Jede Lust also, da sie eine uns angemessene Natur hat, ist ein Gut, aber nicht jede ist zu wählen (Das widerspricht der These, dass Lust nach Epikur das höchste Gut sei, denn dann wäre Lust immer zu wählen!); wie auch jeder Schmerz ein Übel ist, aber nicht jeder muss natürlicherweise immer zu fliehen sein.“ (BRIEF AN MENOIKEUS)

    In der antiken Philosophie geht es immer um die Frage, wie soll man leben, um jederzeit auf ein erfülltes Leben zurückschauen zu können. Heute würde man sagen: Wie soll man leben, damit man sich jederzeit mit ruhigem Gewissen im Spiegel anschauen kann. Diese Einstellung zur Selbstgestaltung des Lebens ist erst vom Christentum abgelöst worden, das durch Gebote und Verbote aus göttlicher Allmacht vorgegeben hat, wie man zu leben habe. Lebensphilosophie ist also keine Spezialität von Epikur, wie hin und wieder zu lesen ist, sondern Epikur unterscheidet sich von den Antworten anderer Philosophen durch seine grundsätzlich rein innerweltliche Einstellung, frei von Maßstäben höherer Mächte wie der Ideen bei Platon, wie des Logos der Stoa.

    Wichtigstes Ziel Epikurs ist ein möglichst selbstbestimmtes, freies und autarkes Leben. So ist ihm Naturwissenschaft ein Mittel der Aufklärung, sich von Ängsten vor unverstandenen Naturerscheinungen zu befreien. Zu dem zitierten Satz ist wichtig, dass einer der Vorläufer Epikurs der Philosoph Parmenides ist, der betont, dass eine vereinfachte (hin und wieder durchaus hilfreiche) Denkweise der Menschen sei, polare Betrachtungen einander gegenüber zu stellen wie: Licht und Dunkel, Gut und Böse, Lust und Schmerz. Zwischen Licht und Dunkel gibt es z.B. im Übergang von einem Extrem ins andere eine ganze Palette von Grauabstufungen. Die Menschen neigen nun dazu, die Extreme als je eigene Entitäten einander gegenüber zu stellen und den gesamten Bereich der Grautöne auszusparen. Das ergibt zwar eine hohe Trennschärfe, verzerrt aber auch die Betrachtung, da der größte Teil der Erscheinungen keine Beachtung findet. Eine ganze Skala von Lichtvarianten wird auf zwei Extreme verkürzt.

    Epikur sieht die Skala der Lebensbefindlichkeiten von der Natur in ihrer Bewer-tung vorgegeben (auf sie (die Lust) greifen wir zurück, indem wir mit der Empfindung als Maßstab jedes Gut beurteilen. – Brief an Menoikeus) Lust, gute Gefühle, Freude sind auf der Skala ein Zeichen der Natur, dass wir uns in Punkto Überleben auf der richtigen Seite befinden („eine uns angemessene Natur der Lust“). Schmerzen, Unwohlsein, schlechtes Gefühl sind auf der Skala der Empfindungen Warnsignale der Natur, dass unser Überleben gefährdet ist. Doch anders als Tiere, die rein intuitiv auf diese Natursignale reagieren, durchlaufen beim Menschen die Signale der Empfindungen die Reflexion unseres Verstandes und der Vernunft. Idealer Ort der Lebensempfindungen auf der Skala der Lebensbefindlichkeiten ist für Epikur daher weder das Extrem des Schmerzes noch das Extrem übertriebener Lust sondern ein Bereich der Schmerzfreiheit und inneren Ruhe und Gelassenheit. Man könnte das den „grünen Bereich“ der Lebensempfindungen nennen, in dem auch mal stärkere Empfindungen von Lust – körperlicher wie geistiger – willkommen sind, aber auch Schmerzen akzeptiert werden können, wenn sie z.B. wie beim Besteigen eines Berggipfels bewusst in Kauf genommen werden, um dann das phantastische Erlebnis des Gipfelblicks zu bekommen. D.h. im „grünen Bereich“ wägen wir ab, wieviel „Lust“ uns gut tut, ohne uns z.B. abhängig zu machen (Sucht des Spielers, Sucht des Alkoholikers, Gier als Form der Sucht), wieviel Scherz uns erträglich erscheint, um ein höheres Ziel zu erreichen. Eigene Erfahrungen und die Erfahrungen anderer Menschen verhelfen uns dabei zu ausgewogenen Urteilen in differenzierender Gelassenheit.

    Kommentar von Konrad Weißler — 16. Oktober 2015 @ 11:11


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