Nichts als die Wahrheit

14. Mai 2010

Campus Software: Warum nicht Open Source?

Filed under: Bildung, Open Source, Piratenpartei — Argeleb @ 14:45

In der heutigen Ausgabe der Financial Times Deutschland fand sich ein Artikel, der sich mit dem zunehmenden Bedarf an Verwaltungssoftware für Hochschulen beschäftigt. Die Autorin sieht hier einen Millionenmarkt für die Softwareindustrie, und vermutlich hat sie damit auch Recht.

Aber angesichts der knappen Kassen der Länder, ist es doch sehr unwahrscheinlich, dass genügend Mittel zur Verfügung stehen, um solche Software-Systeme für alle Hochschulen anschaffen zu können. Wenn man dann noch sieht, wie sehr gerade Unionspolitiker bei den Bildungsausgaben auf die Bremse steigen wollen, ist es noch zweifelhafter, dass diese Investitionen in näherer Zukunft getätigt werden.

Firmen wie SAP, IBM, Microsoft verdienen jetzt bereits sehr gut an den Hochschulen. Das Unternehmen Datenlotsen hat sich auf den Bereich der Hochschulsoftware spezialisiert und arbeitet hier auch eng mit Microsoft zusammen. Es dürfte klar sein, dass also nicht nur die Software der Datenlotsen (die jährlich mit bis zu 80000€ zu Buche schlägt) zu bezahlen ist, sondern auch noch die Microsoft Infrastruktur finanziert werden muss.

Das Unternehmen HIS (Hochschul-Informations System) GmbH erwirtschaftete 2009 einen Umsatz von 22 Mio. €. Dieses Unternehmen wird Bund und Ländern getragen. Es ist ermutigend zu sehen, dass HIS über einen “Arbeitsbereich Informationssysteme und Open Source” verfügt. Es fragt sich nur, was dieser Bereich denn genau macht.

Nach wie vor wird bei der Beschaffung von Software für staatliche Einrichtungen zunächst der Markt für proprietäre Produkte herangezogen. Dabei wäre es doch gerade für Hochschulen naheliegend, die benötigte Software eigenständig zu entwickeln. Einige Anstrengungen in diese Richtung gibt es wohl bereits: CampusSource

Die Hochschulen hätten in zweierlei Hinsicht Vorteile von der Entwicklung einer freien Software für ihre Verwaltung: Studenten der Informatik Fakultäten könnten an einem Großprojekt mitarbeiten und so sehr viel lernen, gerade Techniken der Zusammenarbeit. Als Mitglieder der Hochschulen kennen die Studierenden die Anforderungen an ein solches System sehr genau, denn sie müssten ja auch damit arbeiten.

Statt also das knapp bemessene Budget den Softwareriesen in den Rachen zu werfen, wären die Hochschulen gut beraten, wenn sie sich zusammenfinden würden, und  freie Software entwickeln, die auch noch für die Studenten als Lehrmittel zur Verfügung stünde (Diplomarbeiten, etc.)

Freie Software für Bildungseinrichtungen!

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4 Kommentare »

  1. [...] This post was mentioned on Twitter by Andreas Hiltner, Vardamir and Piratenmond-BY, Piraten-Mond. Piraten-Mond said: Nichts als die Wahrheit : Campus Software: Warum nicht Open Source? http://is.gd/c8J3w [...]

    Pingback von Tweets that mention Campus Software: Warum nicht Open Source? « Nichts als die Wahrheit -- Topsy.com — 14. Mai 2010 @ 15:49

  2. Kann ich voll bestätigen – ich war von 2003/2004 auch Systemadministrator an einem Uni-Institut in Freiburg. Meine Kollegen und ich wünschten uns damals oft ausgereifte, freie und zu den Anforderungen einer Uni passende Verwaltungssoftware für Dinge wie Vorlesungsverzeichnis, Personaldatenbank, Veranstaltungskalender usw. Es gab aber nur eine improvisierte Sammlung von PHP-Skripten, die von meinem Vorgänger in der viel zu knapp bemessenen Arbeitszeit zusammengehackt worden war.

    Gleichzeitig muss ich rückblickend zu meinem Informatikstudium sagen, dass es kein Softwarepraktikum unter realistischen Bedingungen gab, das einem echten Kundenprojekt in der Industrie ähnlich war. Wenn Unis sich ihre Verwaltungssoftware selbst entwickeln, können also gleich mehrere Seiten davon profitieren.

    Kommentar von Bits of Freedom — 16. Mai 2010 @ 10:17

  3. Ich will von mir nicht behaupten, fachlich geeignet zu sein oder mich in der Position zu befinden, einen auch nur ansatzweise objektiven Überblick zu haben, um das Problem beleuchten zu können, zumal ich mit FOSS eigentlich nur als Nutzer vertraut bin. Jedoch kann ich aus meiner Warte – ich bin am Rande aushelfend in die Umstellung auf eine Verwaltungssoftware, deren Hersteller im Artikel genannt wird, an einer Universität beteiligt – nur folgende Mutmaßungen in loser Reihenfolge äußern:
    – Es gibt noch keine ausgereifte FOSS-Alternative,
    – Führende Kräfte an Hochschulen sind oftmals nicht ausreichend über Leistungspotenzial von FOSS informiert oder es herrschen noch antiquierte Vorurteile vor, die von Anbietern proprietärer Produkte ausgenutzt werden können.
    – Mangels Konkurrenz haben Anbieter heute noch kaum Leistungs- oder Preisdruck und können ihre Produkte as-is anbieten, alle Anpassungen werden nach dem typischen Muster von Bananaware – wenn überhaupt – durchgeführt. Dennoch müssen auch IT-Abteilungen an Hochschulen, welche FOSS gegenüber deutlich aufgeschlossener sind, aus rechtlichen und organisatorischen Gründen auf proprietäre Software zurückgreifen. Nicht zuletzt da proprietäre Software zumindest in der Theorie mit Gewährleistungspflichten verbunden sind.
    – Diese Gewährleistung verhindert aber effektives eigenes Anpassen der Software. Unsere Software ist nach Monaten, wenn nicht gar Jahren noch nicht in einem Zustand, der die endgültige Umstellung vom Altsystem auf’s neue erlaubt. So werden Parallel ein veraltetes und ein neues, kaum einsatzfähiges im Betrieb. Die IT kann aus rechtlichen Gründen aber nicht am geschützten Source arbeiten.
    – Die Fachbereiche, welche mit dem Coden einer Verwaltungssoftware sicherlich nicht überfordert wären, werden aber von einer Vielzahl von Überlegungen davon abgehalten: Andere Aufträge und Kooperation aus bzw. mit der Privatwirtschaft oder Ministerien sind schlicht lukrativer; die Aufgabe wird als nicht fordernd genug angesehen; Sicherheitsbedenken wegen möglicher Hintertüren, die Studenten einbauen könnte (ja, wirklich) oder schlicht persönliche Animositäten zwischen Univerwaltung und Fachbereich verhindern ein Projekt. Ebenso kann auch der Fall sein, dass nach rechtlichen Bestimmungen, solche Projekte öffentlich ausgeschrieben werden müssen.

    Das ist nur ein kleiner Auszug aus möglichen Gründen, die sich aus meiner Erfahrung ergeben haben. Aber auch mir stellt sich immer wieder die Frage, warum man an deutschen Universitäten nicht zu ‘Hauslösungen’ greifen kann. Es müsste eigentlich ein Leichtes für jede Hochschule von durchschnittlicher Größe sein.

    Kommentar von Stranger — 17. Februar 2011 @ 20:59

  4. Just Do it!
    Auch ich habe waren meines Studiums praxisbezogene Inhalte vermisst.
    Aus der Arbeitswelt weiß habe ich gelernt: mach es einfach wenn es im Sinne der Firma ist. Ich denke dies gilt auch hier.

    Natürlich kann nicht mit einem allumfassenden Softwarepaket angefangen werden, aber ein kleiner Schritt kann sicherlich nicht schaden.

    Da in Hochschulen häufig bereits eine große Server Infrastruktur besteht finde ich sollte ernsthaft über eine Applikation (Web Server und Browser ) nachgedacht werden.

    Also KISS und los gehts!

    Kommentar von seb — 20. Februar 2011 @ 09:44


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