Nichts als die Wahrheit

23. Januar 2010

Standard statt Vendor-Lock-In

Abgelegt unter: Entwicklung, Microsoft — ArgelebAndreas @ 12:39

Ein Professor, dessen Namen ich aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes nicht nennen möchte, hat während meines Studiums der Informatik einmal etwa folgendes gesagt:

Setzt euch immer für Standards ein, und tut danach alles, um sie zu brechen

Was zunächst nach einem unbedeutendem Witzchen klingt, spiegelt allerdings die Situation wider, vor der wir heute nach wie vor stehen. Dieses Zitat stammt aus den frühen 1990ern!

Was ist ein Standard

Man könnte annehmen, ein Standard wäre eine Norm, die von einem offiziellen Standardisierungsgremium vorgegeben wurde. Solche Gremien und Institute gibt es ja in zahlreichen Ausprägungen: ISO, DIN, IEEE, OASIS, ECMA, IETF, W3C, etc.

Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Standards entstehen bereits viel früher, und die Standardisierungsgremien schreiben diese Entwicklungen fest.

Beispiele für einst proprietäre Entwicklungen, aus denen dann Standards wurden:

Weitere Standards:

  • iCalendar (entwickelt von der IETF durch Lotus- und Microsoft-Mitarbeiter)
  • E-Mail (RFC 822)
  • Diverse Grafikformate
  • TCP/IP
  • etc.

Letzten Endes entstehen Standards aus dem einfachen Grund, um Kooperation zu ermöglichen. Daher sind Standards immer ein Kompromiss, oder auch der kleinste gemeinsame Nenner, auf den sich die Marktteilnehmer einigen konnten.

Welche Kriterien muss ein Standard erfüllen, damit man ihn so nennen kann? Folgende Liste könnte man prüfen:

  1. Es muss eine allgemein zugängliche Beschreibung vorliegen
  2. Kein Teil des Standards darf durch Patente geschützt sein
  3. Ein allgemein anerkanntes Institut hat den Standard normiert
  4. Der Standard muss sich auf das wesentliche konzentrieren
  5. Der Standard muss herstellerunabhängig sein
  6. Es sollte mindestens zwei Produkte (unterschiedlicher Hersteller) geben, die den Standard vollständig unterstützen

Was ist kein Standard

Oft werden Gegebenheiten als Standard oder De-Facto-Standard bezeichnet, die allerdings keine Standards sind. Berühmtestes Beispiel ist sicher das .DOC Format von Microsoft. Man nennt sie Standard, weil so gut wie jeder Mensch sie nutzt. Allerdings sind solche Formate oftmals nicht offen gelegt und daher können sie nicht als Standard betrachtet werden.

Nehmen wir mal als Beispiel das Word-Format von Microsoft, und prüfen es anhand der obigen Liste:

  1. Es gibt eine Beschreibung (PDF) des Formats
  2. Das konnte ich nicht überprüfen, da Microsoft über 10000 Patente besitzt, und mglw. betrifft eines davon Details aus dem .DOC-Format
  3. Nein
  4. 210 Seiten dürften das Format erfüllend beschreiben (da fragt man sich, was auf den über 6000 Seiten der OOXML-Spezifikation geschrieben steht. 30mal mehr Funktionen? Ich bezweifle das)
  5. Nein
  6. Das dürfte der Fall sein

In diesem Beispiel hat der “Standard” nur 4 von 6 Punkten bekommen und man sollte daher dieses Format nicht verwenden.

Wo liegen die Nachteile

Standards sind Kompromisse. Dies hat zur Folge, dass es meist eben nur der kleinste gemeinsame Nenner ist. Verwendet man, als Software-Hersteller, solche Standards, dann muss man oft auf Funktionalitäten verzichten, um nicht die Kompatibilität zum Standard zu verlieren.

Außerdem kann man sich nicht aus der Masse hervorheben, wenn man nur Standards unterstützt, da man ja nur das unterstützt, was sowieso alle unterstützen. Somit werden einem Alleinstellungsmerkmale verwehrt, die möglicherweise zu größerem Erfolg führen könnten.

Was sind die Vorteile

Standards sind gut dokumentiert, da ihre Spezifikation öffentlich zugänglich ist. Das erleichtert die Implementierung einer Software enorm. Standards sind klar umrissen und dadurch nicht sehr umfangreich.

Standards machen die Anwender unabhängig von Anbietern. Wenn man nur E-Mail Software einsetzt, die POP3/SMTP und RFC 822 verwendet, kann man sehr leicht auf einen anderen Client umsteigen. Dasselbe gilt natürlich auch für Office Produktivitätssoftware oder Web-Browser. Sobald man sich in die Falle des Nicht-Standardisierten begibt, ist man auf Gedeih und Verderb einem Hersteller ausgeliefert.

Die Standard-Rowdys

Es gibt immer wieder Unternehmen, die vorgeben, Standards zu unterstützen, diese jedoch nur torpedieren, um ihre eigenen proprietären Erweiterungen durchzudrücken. Das machen diese Unternehmen, um die Wahlfreiheit der Anwender einzuschränken. Denn nichts ist schlimmer für diese Unternehmer, als dass ein Anwender auch eine alternative Software einsetzen könnte.

Leider tut sich in diesem Umfeld Microsoft als der größte Rowdy hervor. Immer wieder versprechen sie Standardkonformität, und brechen sie. Als Beispiel möchte ich Outlook heranziehen. Prinzipiell unterstützt Outlook das iCal Format (nicht zuletzt deshalb, weil Microsoft aktiv an diesem Standard mitgearbeitet hat). Jedoch verhindern “Bugs” in Outlook, dass bestimmte Kalender importiert werden können. Man könnte jetzt natürlich argumentieren, dass es sich dabei um einen Fehler handelt, den man dem Hersteller erst mal verzeihen muss. Nur leider ist es nicht möglich, Microsoft dazu zu bewegen solche Fehler zu beseitigen. Ein Software-Hersteller, der das iCal Format zum Austausch verwendet, hört dann von den vielen Outlook-Kunden, dass er doch bitte Outlook unterstützen sollte. Das ist jedoch mit dem Standard nicht möglich, also müsste dieser Software-Hersteller das proprietäre Format von Microsoft verwenden, um Outlook vollständig unterstützen zu können.

In der Regel sind gerade kleine mittelständische Software-Hersteller nicht in der Lage, sich gegen solche Argumente zu wehren. Der Kunde sagt: “Das ist Outlook, das ist Standard, und ihre Software hat sich dem unterzuordnen”. Das Gegenargument: “Ja, aber Outlook verletzt den Standard und es ist nicht unsere Schuld” wird dann mit dem Hinweis auf die hohe Verbreitung von Outlook weggewischt.

Daher würde ich jedem kleinen Software-Hersteller empfehlen, diese Argumente zu ignorieren und auf Standards und Standardisierungsgremien zu pochen. Das ist sicher oft sehr schwer, aber wenn die kleinen Software-Hersteller es nicht machen, werden sie am Ende die Verlierer sein, weil langfristig gerade Microsoft mit seinem Windows/Office-Monopol am längeren Hebel sitzt.

Zum Thema Internet Explorer will ich hier nichts weiter schreiben und verweise hier auf einen Artikel bei golem.

Fazit

Setzt man bei der Auswahl seiner Software-Komponenten konsequent auf Produkte, die sich an Standards halten, so gewinnt man Wahl-Freiheit. Der Preis ist unter Umständen fehlende Funktionalität. Dieser Preis ist jedoch gering, denn am Ende bezahlt man einen Vendor-Lock-In immer sehr teuer (in Form überteuerter Lizenzgebühren oder hoher Migrationskosten)

2. Januar 2010

Der Gesellschaftsvertrag

Abgelegt unter: Demokratie, Piratenpartei — ArgelebAndreas @ 17:36

In allen Zeiten war das Verhältnis des Individuums zur Gesellschaft von zentraler Bedeutung. Schon in der Antike gab es viele Denkrichtungen, die mal das Individuum ins Zentrum rückten, und mal die Gesellschaft. Auch in unserere heutigen Zeit fragen wir uns immer wieder, wie das Verhältnis zwischen der Gesellschaft und dem Individuum geregelt werden soll.

Manche sind der Ansicht, der Einzelne habe gewisse Ansprüche gegenüber der Gesellschaft, so als müsse die Gesellschaft dafür Sorge tragen, dass es jedem Einzelnem gut ergehe. Dies allerdings vermag die Gesellscaft nicht zu leisten, da jeder andere Ansprüche hat, und einige davon nur sehr schwer zu befriedigen sind. Vor allem würden durch die Befriedigung von Ansprüchen durch die Gesellschaft immer neue Ansprüche entstehen, und so würde am Ende die Gesellschaft als Ganzes unter der Last der Ansprüche zusammenbrechen.

Nun ist es aber zur Zeit so, dass genau dieser Ansatz versucht wird zu verfolgen. Der Staat wird heute in die Pflicht genommen für das Wohlergehen seiner Bürger zu sorgen. Das ist auch in den letzten Jahrzehnten mehr oder minder gut gelungen, aber zunehmend gerät der Staat an die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit. Zu beobachten ist dies in erster Linie an der ausufernden Staatsverschuldung. In den Anfangstagen der Bundesrepublik Deutschland waren die Bedürfnisse der Bürger noch relativ leicht zu erfüllen. Ziel war es Wohlstand für alle zu ermöglichen. Das bedeutete damals jedoch nur, dass niemand mehr Hunger, Krankheit und Obdachlosigkeit erleiden musste. Diesen Zustand haben wir in Deutschland längst erreicht, aber dennoch besteht in der Gesellschaft oft große Unzufriedenheit, die der Staat gefälligst zu beseitigen habe. Damit er das zu leisten vermag, nimmt man gerne in Kauf, dass nachfolgende Generationen darunter zu leiden haben.

Diese Spirale des Wohlstands lässt sich nicht bis ins Unendliche fortschreiben. Wir leben heute schon auf Kosten der Umwelt und der nächsten Generation. Aus diesem Grund muss ein neuer Vertrag zwischen Gesellschaft und Individuum her, der das Verhältnis beider auf ein absolutes Minimum beschränkt.

Der Vertrag

§1 Die Gesellschaft sichert zu, dass sie keinem Individuum Schaden zufügt

§2 Das Individuum sichert zu, dass sie der Gesellschaft keinen Schaden zufügt

Auswirkungen

Durch diese einfachen Paragraphen ist das grundlegende Verhältnis zwischen Gesellschaft und Individuum, also Staat und Bürger, klar definiert. Aus ihnen sollten sich alle weiteren Details ableiten lassen. Aber was bedeutet dies nun im Einzelnen? Zunächst bedeutet es, dass keine der Parteien einen Anspruch gegenüber dem anderen hat. Konkret auf die heutige Situation angewandt hieße dies, dass der Staat keinen Anspruch auf Steuereinnahmen hätte, aber auch das Individuum keinen Anspruch auf Sozialleistungen.

Es wird hier auch nicht das Verhältnis der Individuen untereinander geregelt. Man könnte einen dritten Paragraphen einführen: Das Individuum sichert zu, dass es keinem anderen Individuum Schaden zufügt

Allerdings ist dieser dritte Paragraph in einem minimalen System unnötig, da die anderen Individuen in der Gesellschaft nicht von Belang sind, es sei denn, sie schädigen die Gesellschaft und verstoßen so gegen den Vertrag. Tritt dieser Fall ein, so ist das Verhalten eines Individuums gesellschaftlich relevant. Beispiel: Wenn ein Individuum (Täter) einem anderen Individuum (Opfer) Schaden zufügt, dann ist dies zunächst für die Gesellschaft nicht von Bedeutung. Wenn nun aber das Opfer derartig geschädigt wird, dass es Ausgleich von der Gesellschaft fordert, dann muss die Gesellschaft das Handels des Täters würdigen (sprich: diesen zur Rechenschaft ziehen oder gar in Regress nehmen). Das Opfer hat zwar keinerlei Anpruch gegenüber der Gesellschaft, aber es wird dennoch Ausgleich fordern, und somit womöglich Unruhe in die Gesellschaft bringen, was diese widerum als Schaden empfindet. Somit bleibt das Handeln des Täters nicht länger privat.

Die Finanzkrise 2009 ist hierfür ein gutes Beispiel. Hier wurde durch das Handeln einiger Täter die Gesellschaft nachhaltig geschädigt, indem deren Verluste vergesellschaftet wurden (siehe Hypo Real Estate oder die BayernLB)

Fazit

Dies soll kein Vorschlag für ein neues Gesellschaftsmodell sein, sondern lediglich ein Hinweis darauf, dass wir vom Anspruchsdenken loskommen müssen, wenn wir weiterhin in Freiheit, Frieden und Wohlstand zusammenleben wollen. Dies lässt sich sehr einfach erreichen, indem wir alle bescheidener werden.

19. November 2009

KDE Tutorial, Teil 2: Ein erstes Programm mit Hauptfenster

Abgelegt unter: C++, Entwicklung, KDE, Open Source, Tutorial, karmic, linux, ubuntu — ArgelebAndreas @ 17:03

In diesem zweiten Teil entwickleln wir das erste KDE Programm. Da mir persönlich das Blog-Interface zu wenig Ausdruckmöglichkeiten bietet, habe ich das Tutorial mit OpenOffice geschrieben.

Ausserdem habe ich auf Google Code ein Projekt für das Tutorial angelegt. Dort befindet sich dann auch der Text.

Weiter mit dem Tutorial auf Google Code (PDF)

Referenzen:

18. November 2009

KDE Tutorial, Teil 1: Einrichtung der Entwicklungsumgebung [Update]

Abgelegt unter: C++, Entwicklung, KDE, Open Source, Tutorial, karmic, linux, ubuntu — ArgelebAndreas @ 09:30

Wenn man sich auf den Seiten des KDE-Projektes nach Informationen zur Entwicklung von KDE-Programmen umsieht, könnte man schnell den Eindruck gewinnen, man müsse die komplette Desktopumgebung kompilieren. Das ist natürlich nicht notwendig. Aber man muss schon ein paar Komponenten installieren, damit man vernünftig arbeiten kann.

Jeder Programmierer ist anders und hat besondere Vorlieben, was Editoren usw. angeht. Hier sei nur KDevelop erwähnt, da es das “natürliche” Instrument für die KDE-Softwareentwicklung sein sollte. Aber Vorsicht, die Version, die mit Karmic ausgeliefert wird, ist immer noch eine Beta-Version.

Manch einer, allen voran Andreas Pakulat, ist über die Entscheidung der Kubuntu Entwickler, eine Beta-Version in einer stabilen Distribution auszuliefern, nicht sonderlich glücklich. Zum Teil kann ich die Kritik nachvollziehen, allerdings darf sich das KDevelop-Team durchaus auch an die eigene Nase fassen, denn schließlich existiert KDE4 nun schon seit mehr als zwei Jahren, und es gibt immer noch keine stabile Version der Haupt-IDE. So gesehen erzeugt diese Vorgehensweise Druck auf die Entwickler (mal abgesehen davon, dass sie ja jederzeit ein PPA mit der aktuellsten Beta für Ubuntu bereitstellen könnten). So wie es jetzt aussieht, soll KDevelop wohl mit KDE 4.4 fertig werden.

Resourcen

Benötigte Programme und Bibliotheken

Im folgenden habe ich versucht, alle Pakete zusammenzufassen, die man für die Entwicklung benötigt. Da auf meinem Rechner nach mehreren Versuchen bereits alles vollständig installiert war, habe ich eine VM mit nacktem Kubuntu aufgesetzt, und nach und nach alle Pakete installiert, die gefehlt haben. Nichts desto trotz kann es sein, dass diese Liste nicht vollständig ist.

CMake

CMake ist ein plattformunabhängiger Generator für Build-Dateien. Unter Linux werden mit seiner Hilfe Unix-makefiles erzeugt. Statt komplizierte makefiles zu bearbeiten, wird für die Entwicklung von KDE4 Programmen lediglich eine CMakeLists.txt benötigt. Wenn die Vorraussetzungen erfüllt sind, erzeugt cmake alle notwendigen Dateien.

Um cmake unter Kubuntu zu installieren, gibt man auf der Konsole folgenden Befehl ein:

sudo apt-get install cmake

Näheres zu KDE4 und cmake kann man auf der KDE-Techbase nachlesen

Compiler

Um KDE Programme in C++ zu entwickeln, wird der C++ Compiler benötigt, den man mit folgendem Befehl installiert:

sudo apt-get install g++

Anmerkung: Wenn dieses Paket nicht installiert ist, stürzt KDevelop 3.9.95 beim Erzeugen eines neuen Projektes einfach ab.

kdevelop4 (Version 3.9.95)

Dieses Tutorial beschreibt die Entwicklung von KDE4 Programmen unter anderem mit Hilfe des neuen KDevelop4. Mit Kubuntu 9.10 befindet sich die Beta 5 in den Repositories. Folgender Befehl installiert kdevelop:

sudo apt-get install kdevelop

[Update] Statt der veralteten Beta 5 sollte man lieber auf eine aktuellere Version ausweichen. Auf dem Blog von Dr. Danz befinden sich aktuelle PPAs von KDevelop für Jaunty und Karmic

Nachdem man kdevelop startet und versucht ein neues Projekt mit einem Template anzulegen, wird man feststellen, dass kein KDE4-Template vorhanden ist. Das Paket kapptemplate im kdesdk beinhaltet einige Projekt-Templates für KDE:

sudo apt-get install kdesdk

Entwicklungspakete

Folgende Pakete müssen noch installiert werden, damit man KDE4-Programme entwickeln kann:

sudo apt-get install kdelibs5-dev

kdevelop kompilieren

Um mit der aktuellsten Version von KDevelop zu arbeiten, muss das Paket von der KDevelop Homepage heruntergeladen werden. Um KDevelop kompilieren zu können, ist zusätzlich das Entwicklungspaket des KDE-Workspace notwendig, das mit folgendem Befehl installiert werden kann:

sudo apt-get install kdebase-workspace-dev

Nähere Informationen zum Erstellen von KDevelop aus den Quellen können auf der Seite des Projekts gefunden werden.

7. Oktober 2009

Die Arbeit kann beginnen: AG Open Source

Abgelegt unter: Open Source, Piratenpartei, linux — Schlagwörter: — ArgelebAndreas @ 19:15

Einer meiner Motivationen, der Piratenpartei beizutreten, war die Tatsache, dass sie mir wie die Partei erschien, die die Themen freie Lizenzen und Open Source am besten vertreten kann. Ich bin nämlich der Ansicht, dass es eine politische Kraft geben muss, die sich aktiv um die Förderung von freier Software in Staat und Gesellschaft kümmert.

Nachdem nun endlich dieses Superwahljahr 2009 (ich war im Wahlkampf, seit ich der Partei im April beigetreten bin) um ist, kann ich jetzt in aller Ruhe damit beginnen, Themen auszuarbeiten und voranzubringen, die mir besonders am Herzen liegen.

Zur Zeit werden in der Partei die Organisationstrukturen geschaffen/optimiert, um thematische Arbeit besser durchführen zu können. Der Vorstand hat zu diesem Zweck den AG Rat ins Leben gerufen, der im ersten Schritt alle bestehenden Arbeitsgemeinschaften sichtet und strukturiert. Es wird demnächst dann auch einen standardisierten Prozess zur Gründung und Verwaltung einer neuen Arbeitsgemeinschaft geben.

Ich habe die AG Open Source gegründet, und suche noch engagierte Mitarbeiter, die die Positionen der Piratenpartei in Bezug auf freie Software und Open Source mitgestalten möchten. Noch gibt es lediglich ein paar lose Ideen, wie wir an die Sache herangehen können. Die Arbeitsgemeinschaft befindet sich also noch in der Brainstorming-Phase, und ich würde mich freuen, wenn sich möglichst viele Interessierte daran beteiligen.

Wenn du, ja du, mitarbeiten möchtest, dann bist du herzlich eingeladen, dich auf der Seite der AG Open Source einzutragen, und deine Ideen rund um Open Source einzubringen.

26. September 2009

Heute vor 40 Jahren

Abgelegt unter: Bundestagswahl, Grundgesetz, Piratenpartei — ArgelebAndreas @ 14:10

Die Situation vor 40 Jahren

Ziemlich genau vor 40 Jahren, nämlich am 28. September 1969, fand eine historische Bundestagswahl statt. Damals, wie heute, regierte eine große Koalition aus CDU/CSU und SPD. Damals, wie heute, trat der Bundeskanzler der Union Kurt Georg Kiesinger gegen seinen Außenminister Willy Brandt von der SPD an.

Die Wahl 1969 fiel vor allem durch das erstmalige verstärkte Auftreten der APO auf. Ihre Methoden waren ziemlich umstritten, da sie oft politische Veranstaltungen durch das Bewerfen der Redner mit Eiern und Tomaten und undisziplinierten Zwischenrufen störten.

Hintergrund dieser Bewegung war das Fehlen parlamentarischer Kontrolle durch eine starke Opposition, da nur die FDP nicht an der Regierung beteiligt war. Die hauptsächlich studentische APO sah sich nicht im Parlament vertreten und kämpfte vor allem gegen die Notstandsgesetze. Sie, und die FDP, sahen darin einen erheblichen Eingriff in die Grundrechte.

Die Notstandsgesetze umfassten unter anderem eine Einschränkung des Brief- als auch des Fernmeldegeheimnisses zum Schutz der freiheitlich demokratischen Grundordnung.

Zudem tobte in diesen Jahren der Vietnamkrieg, gegen den sich die APO ebenfalls richtete. Der Vietnamkrieg war einer der bedeutensten Stellvertreterkriege im kalten Krieg. Im Kern ging es bei allen Stellvertreterkriegen um die Eindämmung bzw. die Verbreitung des Kommunismus.

Die Situation heute

Am 27. September 2009 wird wieder eine Bundestagswahl stattfinden. Zur Zeit regiert eine große Koalition aus CDU/CSU und SPD. Diesmal tritt die Bundeskanzlerin der Union Angela Merkel gegen ihren Außenminister Frank-Walter Steinmeier von der SPD an.

Gegen die Vorhaben der Bundesregierung zur Einschränkung der Grundrechte haben sich mehrere außerparlamentarische Organisationen gegründet. Unter diesen Organisationen befinden sich der AK Vorratsdatenspeicherung und der AK Zensur. Manche Vertreter der außerparlamentarischen Opposition von heute fanden einen neuen und kreativen Weg, Wahlkampfveranstaltungen der Bundeskanzlerin zu stören, indem sie jede ihrer inhaltsleeren Phrasen mit einem lautstarkem “Yeahh!” bejubeln.

Durch das Fehlen einer echten Opposition konnte die große Koalition die Sicherheitsgesetzgebungen im Folge der Terroranschläge des 11. September 2001 stark vorrantreiben. Da das Thema Terror, wohl wegen fehlender konkreter Gefahr, nicht mehr ausreichend war, um weitere Grundrechtseinschränkungen zu begründen, wurde im Juni 2009 unter dem Vorwand Kinderpornographie zu bekämpfen, das Internet-Zensurgesetz beschlossen. Zur großen Entäuschung viele Gegner dieses Gesetztes, konnten sich die Grünen nicht vollständig dem Widerstand gegen diese Zensurmassnahmen anschließen.

Und einen Krieg, zur Eindämmung des weltweiten Terrorismus, diesmal mit aktiver deutscher Beteiligung, haben wir zur Zeit auch, nämlich den Krieg in Afghanistan.

Anders als vor 40 Jahren gibt es aber heute bei der Wahl zum 17. Bundestag eine Wahlalternative: Die Piratenpartei.

24. September 2009

Wo ist die Piratenpartei verortet?

Abgelegt unter: Piratenpartei — ArgelebAndreas @ 19:16

In der letzten Zeit fordern viele Seiten, die Piratenpartei müsse endlich beginnen, sich in das starre links/rechts Schema unserer Parteienlandschaft einzuordnen. Um diese Diskussion zu fördern, wird die Piratenpartei gerne mal medienwirksam in die rechte Ecke gestellt. Andere vermissen bei den Piraten einen theoretischen Unterbau und halten sie für wenig belesen, nur weil sie vielleicht nicht dieselbe Literatur zur Hand nehmen, wie der Autor.

Hier glaubt eine eher linksorientierte selbsternannte Meinungselite, die Piratenpartei erziehen zu müssen. Viele dieser Autoren sind selbst noch so sehr im letzten Jahrhundert verhaftet, dass sie gar nicht wahrgenommen haben, dass der Konflikt zwischen Arbeit und Kapital zwar nicht vorbei ist, aber längst mit anderen Mitteln gefochten wird.

Aber es gibt auch Stimmen, die genau diese Fehleinschätung erkannt haben. Ein beeindruckender Artikel von André F. Lichtschlag zeigt das wahre Problem in unserem Land.

Die Umverteilung von Kapital, wie es noch im Industriezeitalter von Bedeutung war, ist nicht die Antriebsfeder der Piratenpartei. Sie stellt sich ganz andere Fragen, und zwar, ob eine Problemlösung der Gesellschaft nutzt, und ob diese Problemlösung dazu beträgt die individuelle Freiheit und die Selbstbestimmtheit der Menschen zu fördern.

In diesem Sinne ist die Piratenpartei eine soziale Partei, die sehr genau darauf achtet, dass Politik der Gesellschaft zu dienen hat. Es geht also um den gesellschaftlichen Ausgleich. Das ist bereits mit dem heutigen Programm der Piratenpartei sehr gut erkennbar, so ist die Piratenpartei der Ansicht, dass Patente auf Software oder Leben der Gesellschaft schaden, und lehnt sie daher ab. Das derzeit geltende Urheberrecht ist ebenfalls ein Beispiel dafür, wie durch künstliche Verknappung von Immaterialgütern, ein Schaden für die Gesellschaft entsteht, indem ihr die Möglichkeit der kreativen Weiterentwicklung genommen wird. Auf der anderen Seite widersprechen die Forderungen der Piratenpartei dabei der individuellen Selbstbestimmtheit und Freiheit (für die Verwertungsgesellschaften), aber hier wiegt der gesellschaftliche Anspruch eben schwerer.

Aus diesem Grund muss sich die Piratenpartei nicht positionieren zwischen Vergesellschaftung und Privatisierung. Die Piratenpartei sucht den vernünftigen Ausgleich zwischen diesen beiden Polen.

23. September 2009

Piraten? Niemals!

Abgelegt unter: Bundestagswahl, Piratenpartei — ArgelebAndreas @ 17:29

These 1: Die Piratenpartei äußert sich nicht zu Wirtschaft, Arbeit, Außenpolitik, usw. Da wählt man doch die Katze im Sack, das ist mir zu gefährlich!

Du bist also jemand, der die Programme aller Parteien studiert hat, und aufgrund derer Aussage zu breiten Themenspektren seine Wahlentscheidung trifft. Das ist gut, du bist Politikwissenschaftler. Da du die Programme der anderen Parteien scheinbar auswendig kennst, mach doch mal einen Test: Wie hoch ist die prozentuale Übereinstimmung mit den Forderungen der Parteien. Wenn darunter eine Partei ist, die einen Wert größer 50% erreicht, wähle sie!

These 2: Ich mag unser Grundgesetz nicht!

Du bist also ein Gegner der freiheitlich demokratischen Grundordnung. Dann ist Wählen für dich grundlegend falsch. Wahlempfehlung: Geh nicht hin!

These 3: Ich bin Manager in einer Verwertungsgesellschaft und will meinen Job nicht verlieren!

Das wirst du so oder so.

These 4: Ich bin Ursula von der Leyen

Siehe These 2

These 5: Ich habe schon immer schwarz gewählt und werde das auch dieses mal tun.

Du bist also Stammwähler und interessierst dich nicht wirklich für Politik. Was machst du dann auf meinem Blog. Schalt dein Hirn ein und informiere dich mal über deine Lieblingspartei.

These 6: Ich habe schon immer rot gewählt und … jetzt weiß ich nicht mehr ob ich nun die Roten oder die anderen Roten wählen soll, oder doch die Grünen, die sind ja auch irgendwie rot, oder?

Ist das nicht alles verwirrend?

These 7: Ich wähle doch nicht. Sollen die doch machen was sie wollen!

Das machen sie bereits. Und wenn DU nicht einschreitest, wird alles nur noch schlimmer.

These 8: Eine Stimme für die Piraten ist doch für den Gulli!

Wer sagt das? Wer das behauptet, hat keine Ahnung, wie unser parlamentarisches System funktioniert. Wer das sagt ist kein echter Demokrat. Das kann nur jemand behaupten, der vor der Wahl das Blaue vom Himmel herunter verspricht und nach der Wahl an spontaner Amnesie leidet. Das kann doch niemand ernsthaft behaupten?

22. September 2009

Das Internet: Die ungehörten Stimmen

Abgelegt unter: Bundestagswahl, Piratenpartei — ArgelebAndreas @ 14:17

Ein Artikel in der Welt Online befasst sich mit der Frage, warum hier zu Lande der Online-Wahlkampf nach dem Muster des Barack Obama nicht so Recht funktionieren will. Alle etablierten Parteien versuchen die Wähler im Internet zu umgarnen, aber es will ihnen nicht gelingen.

Was war also das magische Geheimrezept des US-Präsidenten, das ihm ermöglichte so viele Menschen für seine Sache zu mobilisieren? In den Parteizentralen der CDU/CSU, der SPD, der Grünen, der FDP und der Linken rauchen die Köpfe, und dennoch kann niemand die Antwort auf diese Frage geben.

Vielleicht wissen sie aber alle die Antwort auf die Frage, trauen sich aber nicht, sich diese einzugestehen. Denn die Antwort auf die Frage, was den Wahlkampf von Barack Obama so erfolgreich gemacht hat, ist einfach und einleuchtend, und zugleich entlarvend für die deutsche Politikerkaste: Es ist Authentizität!

Barack Obama steht für das, was er sagt. Er hat den Wählern etwas vermittelt, was sie lange Zeit vermissen mussten: Glaubwürdigkeit. Er stand und steht für den Wandel. Und diesen Wandel haben die Bürger der Vereinigten Staaten so sehr herbeigesehnt, dass sie sich nicht mehr nur passiv, sondern aktiv in den Wahlkampf eingemischt haben.

Die Verbitterung über acht Jahre Bürgerrechtseinschränkungen, Freiheitsentzug und Krieg haben die Menschen mobilisiert. Dass dies mit Hilfe neuer Technologien passiert ist, ist lediglich eine Erscheinung unserer Zeit, und dass die anderen Bewerber das nicht begriffen haben, hat sie als Ewiggestrige enttarnt.

Und genauso verläuft auch der derzeitige Wahlkampf in Deutschland. Die etablierten Parteien versuchen mit den immer gleichen und falschen Rezepten die brennenden Fragen unserer Zeit zu beantworten. Und sie scheitern zusehends damit, weil sie sich immer weiter von ihren Wählern entfernen.

Da können sie sich noch so viel Mühe geben, und auf den Internetzug aufspringen. Eine Botschaft wird nicht dadurch besser, dass sie über das Internet verbreitet wird. Nicht ihr Online-Wahlkampf ist gescheitert, es ist ihre Politik, die gescheitert ist. Da helfen auch keine Hochglanz-Internet-Auftritte von Merkel,  Steinmeier, Westerwelle, TrittIn/KünastIn und Gysi/LaFontaine. Die ewig selben Rituale werden auch nicht dadurch interessanter, dass man sie per Twitter verbreitet. Und Lügen bleiben Lügen, auch im Internet.

Im Gegensatz zu den etablierten Parteien schlägt sich die Piratenpartei jedoch sehr gut im Online-Wahlkampf. Ginge es nach dem Willen der Wähler im Netz, müssten sich die Piraten stellenweise bereits Gedanken darüber machen, welcher Pirat  nun Kanzler werden soll. Die Piratenpartei ist auch sehr erfolgreich dabei, Spendengelder im Internet einzusammeln. Menschen, nicht Unternehmen geben den Piraten ihr Geld, weil sie von ihrer Sache überzeugt sind. Jeder, der der Piratenpartei am Sonntag seine Stimme geben wird, wird dies aus Überzeugung tun. Die Wähler werden dies tun, weil sie genug haben von der verfassungsfeindlichen Politik, die derzeit in Deutschland betrieben wird. Sie werden das tun, weil sie nicht weiter in eine kriminelle Ecke gestellt werden und vom Staat anlasslos überwacht werden wollen. Sie werden das auch tun, weil sie mitbestimmen wollen.

Der Wahlausgang ist offen. Niemand, und schon gar nicht die Umfrage-Institute, weiß wie die Stimmverteilung am Abend des 27. September sein wird. Wie auch immer der Ausgang sein wird, er wird für die etablierten Parteien mit Sicherheit eine Überraschung sein!

21. September 2009

Vorläufiges Wunschergebnis der Bundestagswahl 2009

Abgelegt unter: Bundestagswahl, Piratenpartei — ArgelebAndreas @ 16:03

Ausgehend von der letzten Umfrage, die bei FAZ.NET veröffentlicht wurde, habe ich mal meine eigene Prognose erstellt. Ich bin einfach einmal davon ausgegangen, dass die Piratenpartei 6% der Stimmen erhält. Dafür habe ich jeder anderen Partei, einschließlich der Sonstigen jeweils 1% abgezogen.

Mit dieser Prognose habe ich dann alle möglichen und unmöglichen Koalitions-Konstellationen ermittelt.

Mögliche und unmögliche Koalitionen

Mögliche und unmögliche Koalitionen

Durchgestrichene Koalitionen sind durch eine der beteiligten Parteien bereits im Vorfeld abgelehnte Konstellationen. Zur einfacheren Orientierung sind rechnerisch mögliche Koalitionen grün hervorgehoben. Die Union/Linke Kombinationen dürften auch eher unwahrscheinlich sein, daher bleiben eigentlich nur noch folgende Koalitionsmöglichkeiten übrig:

  • Die “große Koalition” bestehend aus CDU/CSU und SPD
  • Schwarz-Gelb-Orange
  • Schwarz-Grün-Orange (hier dürfte die Ablehnung der Grünen ebenso greifen, wie bei Jamaika)
  • Rot-Gelb-Grün-Orange, oder auch Malkasten-Koalition

Wie man an obigen Konstellationen erkennen kann, kann Schwarz-Gelb nur dann verhindert werden, wenn die Piratenpartei in den Bundestag einzieht. Die Malkasten-Koalition dürfte an den Grünen und der FDP scheitern. Es sieht also schlecht aus für Frank-Walter Steinmeier Kanzler zu werden.

Eines scheint jedoch vollkommen klar zu sein: Angela Merkel wird Kanzlerin bleiben. Fragt sich nur, wie stark die Union durch den Koalitionspartner in Fragen des Bürgerrechtsabbau gehindert wird. Die FDP alleine wird das nicht schaffen können. Wenn Schwarz-Gelb, dann bitte nur in Kombination mit Orange!

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